Aufsatz 
Das Veilchen im Frühlingsmythus und seine Bedeutung. Eine mytologische Betrachtung
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Artemis⸗(Demeter⸗)feſte. Freilich iſt in dem deutſchen Brauche das Mythiſche dem Volksbewuſtſein weiter entrückt 18). Vgl. UhlandSommer und Winter in Pfeiffers Germania V, 275.

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Ueberall alſo ſehen wir das Veilchen als frühlingkündende Blume ¹⁷) mit derſehnenden Erd⸗ göttin in Verbindung, welche den 01100 96 erwartet. Auf dieſer Baſis wollen wir nach der Etymologie des 7oy fragen. Sehen wir doch auch andere Blumen in innigem Zuſammenhang mit einem Mythus ihren daher entſproſſenen Namen bewahren, wie dieSpringwurz, dieSchlüſſelblume u. v. a. Benfey vergleicht ſanskr. visha-pushpa, blauer Lotus und ſtellt es mit vishas Gift zuſammen. Dazu ſagt Curtius(Grundzüge der griech. Etymologie I, Nr. 590):Dieß iſt der Bedeutung wegen (Giftblume!) ſchwer glaublich. Ueberdieß wäre dann im Latein virola zu erwarten. Stellen wir den Pfeil, 1 9, ſanskr. ishus daneben(Benfey ſtellt als Wurzel dvish= haſſen auf; vgl. Anm. 3, da er ſich ja in dem 10¼8 6.l⅜ν⅞lά ohnehin damit miſcht, ſo müſſen wir erſtlich die Quantität des griechiſchen betrachten. Wie das lange ¹ in 76 neben dem ſanskr. ishus mit kurzem i ſteht, findet ſich in 7 ½= Gift ebenſo langes ¹ neben dem kurzen i in vishas; auch ſtellt trotz verſchiedener Quantität Curtius(a. a. O. I, S. 346) 103g zu ſanskr. vishu ¹5). Nun trifft merkwürdiger Weiſe ſanskr. isnus= Pfeil mit ish= wünſchen, erſehnen(zu erlangen ſuchen) zuſammen, und wir haben daher doch wohl 70¼.610 trotz der verſchiedenen Quantität mit 769= Pfeil und 10= Veilchen von Anfang an in Verbindung zu bringen; nicht daß erſt ſpäter eine Umdeutung bei Artemis ſtattgefunden hätte 19). Wir würden ſo die erwünſchteſte Erklärung des 7oy erhalten, wenn nur einmal das Digamma, und zweitens der Accent nicht wäre. Nach Eci⁴, gebildet wie*0ευυσα, d0dνεα hat man wohl 1-0- abzutheilen, wie Curtius bei 1-6 thut.) Neben dieſen Hinderniſſen will es vor der Hand mit der ſanskr. Wurzel ish nicht gehen ²⁰). Allein eine paſſende Etymologie iſt bis jetzt von 70» noch nicht gegeben. Von dem Benfey'ſchenGift iſt wohl dabei gar keine Rede. Daß im DeutſchenPfeil anVeil⸗chen anklingt, iſt ein Spiel des Zufalls.

Dürfte man die Quantität des ¹ in 70, die ja durch die Berührung mit 20 9 und bei dem eben beſprochenen Schwanken der verſchiedenen i⸗Laute unſicher iſt, außer Acht laſſen, ſo empföhle ſich als Etymon auch das ſanskr. vi= erlangen, wünſchen, lieben. Zwar verwirft Curtius(a. a. O. I, S. 139; ogl. I, S. 358) die Zuſammengehörigkeit der Wurzeln vi= ranken und vi= lieben. Ueberdieß be⸗ deutet vi auchwerfen iaculari, welche Bedeutungen ſich gut zuſammenfügen.

Eine andere Frage wäre, ob ve texere nicht auch in Betracht gezogen werden könnte, wozu lateiniſches viere auffordert, woraus litauiſch udis Gewebe, audmi ich webe entſteht. Pott(E. F. II, 348, 2. Aufl.) betrachtet die Wurzel als eine Verbindung aus dem hernach erwähnten si ligare und dieſem ve. Perſephone wird von Diodor V, 3 mit Athena und Artemis als ihren Freundinnen zuſammengeſtellt, welche drei im Verein ihrem Vater Zeus einen kunſtreichen Peplos weben. Alle drei ſind jungfräuliche Göttinnen, jede eine 60; Preller, Dem. und Perſ. 181 und 85. Grade als ſolche Geſpielin der Perſephone heißt aber die Artemis im hymn. 424 d0 x 6αισασ.

Es fragt ſich aber weiter, ob denn das griechiſche, oder das urſprüngliche Wort unbedingt mit einem Digamma müſſe angelautet haben, weil etwa das lateiniſche mit der Labialſpirans beginnt? Man halte daneben die dialektiſchen Wandlungen der Spiranten in den deutſchen: weden(nd.) undjäten, sajan und sàwan, ſowie bläjan, blâsan, blèésan, blasa; ſelbſt für den Anlaut ſtellt Grimm(G. D. S. II, 987, 1. Aufl.) deutſches winistar neben lat. sinister, was Pott(E. F. II, 852) aus urſprünglich anlau⸗ tendem sv geſtatten zu dürfen glaubt und am Ende wäre die Lesart oiov doch nicht zu verwerfen,