Aufsatz 
Bericht über die Jahrhundertfeier der Realschule der israelitischen Gemeinde Philanthropin zu Frankfurt a.M
Entstehung
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16. April strahlte der prächtige Saal des Palmengartens in Blumenschmuck und hellstem Lichterglanze auf eine froh bewegte Menge festlich geschmückter Gäste, unter ihnen viele chemalige Schüler und Schülerinnen. Nachdem die Kapelle des Palmen- gartens die Feier mit einem Marsche eingeleitet hatte, hielt der Vorsitzende des Festausschusses. Rechtsanwalt Dr. Erust Auerbach, die Begrüssungsrede, in der er der Freude über den zahlreichen Besuch Ausdruck gab und mit dem Wuusche schloss. dass niemand unbefriedigt den Saal verlassen mõge. In dem hierauf folgenden Prolog gaben Frl. Bello und Frl. Horkheimer, als Musen verkörpert, in hübschen Versen einen Ueberblick über die zu erwartenden Genüsse, von denen der Hinweis der Terpsichore den lebhaftesten Beifall entfesselte. Auf eine zweite musikalische Nummer der Gartenkapelle, Fantasie aus dem Sommernachtstraum von F. Mendelssohn- Bartholdy, folgten Vorträge des Sängerchors des Lehrervereins unter der Leitung des Herrn Adolf Müller, eines ehemaligen Schülers, des Sohnes des verstorbenen trefflichen Schreiblehrers der Schule Louis Müller. Die bekannten vorzüglichen Leistungen des Chores errangen, wie nicht anders zu erwarten war, mit dem Vortrage dreier LiederFrühlingsnetze(mit Klavierbegleitung) von Goldmark und zwei a capella gesungene, von F. Silcher bearbeitete Volkslieder:Die drei Röselein und Wo a kleims Hüttle steht einen durchschlagenden Erfolg und kräftigen Applaus. Hierauf gedachte der Vorsitzende des Centralausschusses, Herr Fritz Auerbach, in humor- und gemütvollen Worten der geliebten Vaterstadt, die stets die Fahne vorangetragen habefür Aufklärung und Humanitäte, und in der allezeit das beste Verhältnis zwischen allen Konfessionen geherrscht habe; dies sei auch in dem das Philanthropin besuchenden Publikum stets zum Ausdruck gekommens) Begeistert stimmten alle in sein Hoch auf Frankfurt ein. Nun trat Herr Adolf Müller, mit reichem Beifall empfangen, zu einem Solo-Nortrag auf das Podium und erntete mit der Löweschen BalladeDer Nöck den ihm und seinen dankbaren Hôörern gewohnten Erfolg. Nach dem von der Kapelle ausgeführten Geisha-Walzer ergriff Herr Max Rothbarth das Wort zu einem Trinkspruche auf die Schule. Seine Ausführungen, die in den meisten Anwesenden freundliche Jugenderinnerungen weckten und deren humoristische Zutaten vielfach Heiterkeit hervorriefen, gipfelten im dankbaren Gedenken der früheren Lehrer der Schule, im besonderen des früh verstorbenen feinsinnigen Gelehrten Lazarus Geiger. Auf sein Hoch auf das Philanthropin erwiderte sofort Herr Direktor Adler, zugleich auch im Namen des Lehrerkollegiums. Er dankte allen, die durch die Teilnahme an dem Feste ihre Anhänglichkeit an die Schule bewiesen hätten. Im besonderen gelte sein Dank der unermüdlichen und aufopfernden Tätigkeit der Ausschüsse, vor allem aber dem Manne, der mit nie ermattender Arbeitskraft und Energie in fast allen Ausschüssen angestrengteste Tätigkeit entfaltet habe, dessen Bureau der örtliche und dessen Persönlichkeit der *) Es sei an dieser Stelle auf eine in den Jubiläumstagen in der Kleinen Dresse, am 16. April 1904 (No. 89), veröffentlichte Reminiszenz des Volksschriftstellers Ed. Rossmässler in seinem Buche:Mein Leben und Streben im Verkehr mit der Natur und dem Volke hingewiesen, der im Jahre 1848 als Mitglied der Nationalversammlung seine zwei Kinder dem Philanthropin anvertraute.