Aufsatz 
Bericht über die Jahrhundertfeier der Realschule der israelitischen Gemeinde Philanthropin zu Frankfurt a.M
Entstehung
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Nach einer kurzen Pause hob sich der Vorhang zu: Scenen aus dem 2. Akt von Minna von Barnhelm(vorzüglich dargestellt von Emma Bello, Martha Wertheimer, Max Herrscher und Ernst Vogel): sodann folgte ein Gesangsvortrag(zwei Volks- lieder:Die beiden Königskinder und Rätsellied, sowieDie wandelnde Glocke- von Löwe) der in der hiesigen Musikwelt rühmlichst bekannten trefflichen Altistin Alice Aschaffenburg. Stürmischer Beifall lohnte all diesen ehe- maligen Zöglingen für ihre hervorragenden Leistungen. Wenn nach so vielen erlesenen Genüssen noch eine Steigerung möglich war, so wurde diese erreicht durch die Darstellung des 2. Akts und des Schlussbildes des 5. Akts von Racines Athalie, nach der Viehoff'schen Uebertragung von Herrn A. Auerſbach bearbeitet. von Herrn Inspektor Landsberg in Scene gesetzt. Die Darstellerin der Titelrolle (Else Oppenheim), aufs beste unterstützt von einer grossen Zahl jetziger Schüler und Schülerinnen, legte eine ganz hervorragende Probe schauspielerischen Könnens ab, welche die Zuhörer zu mehrfach erneutem stürmischem Beifalle hinriss.

Nach dem in jeder Hinsicht erfreulichen Verlaufe dieses Tages hätte man eine Abschwächung der Leistungen oder des ihnen entgegengebrachten Interesses für die weiteren Veranstaltungen allenfalls verschmerzen können. Allein nach beiden Richtungen war das Ergebnis der am Freitag, den 15. April vorm., stattfindenden Vorführung turnerischer Leistungen der Schüler und Schülerinnen in der Turn- halle des Frankfurter Turnvereins nicht minder erfreulich. Unter der Leitung der beiden Turnlehrer und der Turnlehrerin(Herren Schulz und Rothschild. sowie Frl. Heimann) boten die Knaben in Gerät- und Freiübungen, die Mädchen in Reigen und am Rundlauf ein vortreffliches Bild körperlicher Schulung und Gewandtheit. das den die Halle in grosser Zahl erfüllenden Zuschauern einen anmutigen und er- freulichen Anblick darbot. Nach Beendigung der Vorführungen sah sich deshalb der Vertreter der staatlichen Aufsichtsbehörde., Herr Provinzialschulrat Dr. Kaiser, ver- anlasst, in überaus herzlicher Weise seiner Anerkennung und dem Danke aller Zu- schauer für die vorzüglichen Leistungen der Schuljugend Ausdruck zu geben. Seine Erwartungen, fügte er hinzu, seien weit übertroffen worden, und er wolle es daher nicht unterlassen, den beiden Turnlehrern sowie Frl. Heimann seinen ganz be- sonderen Dank auszusprechen. Er schloss mit einem Hoch auf diejenigen, denen doch in erster Linie die Feier gelte, die Jugend des Philanthropins.

Der 16. April, des Festes dritter Tag, brachte am Vormittag einen Fest- gottesdienst in der Hauptsynagoge, den der Gemeindevorstand zu Ehren der Jahrhundertfeier veranstaltet hatte und zu dem zahlreiche Einladungen ergangen waren. In der Festpredigt wies Herr Rabbiner Dr. Seligmann auf die wichtige Stellung der Schule innerhalb der Gemeinde-nstitutionen hin und auf ihre Bedeutung für die Erfüllung des Judentums mit der deutschen Kultur, sowie für die Kräftigung des religiösen Sinnes*).

So nahte die Abschiedsstunde, die alle Teilnehmer noch einmal in freudigster, gehobener Stimmung zu zwangloser Geselligkeit vereinigen sollte. Am Abend des

*) Die ebenso tief durchdachte wie formvollendete Festpredigt ist im Druck erschienen.

c. Die Turn- aufführungen

d. Festgottes- dienst

e. Die gesellige Vereinigung