menge— unter denen sich wiederum die Vertreter der Behörden, für den Magistrat Herr Bürgermeister Dr. Varrentrapp, befanden— dicht gefüllten Raume, in dem die Feier am Vormittage in so erhebender Weise verlaufen war. Auf einen von Herrn Siegfried Würzburger ausgeführten Orgelvortrag, Op. 65 C-Moll von FP. Mendelssohn-Bartholdy, folgte ein von Herrn Schauspieler A. Auerbach verfasstes, von Herrn Musikdirektor G. v. Rössler in Musik gesetztes„Vorspiel“, durch dessen Inscenierung Herr Iuspektor Landsberg vom hiesigen Schauspielhause sich, ebenso wie um die übrigen theatralischen Aufführungen, ganz besondere Verdienste er- worben hatte. Da sahen wir unseren Geisenheimer(Max Herrscher) im Gespräche mit seinen Freunden(Leon Weill, Joseph Stern, Fritz Schmitt), denen er erzählt, es sei ihm ein armer Knabe zur Ausbildung übergeben worden, und es scheine ihm an der Zeit, bei diesem Anlasse einen längst gefassten Plan zu verwirklichen, die Grün- dung einer Schule zur Förderung der Aufklärung und profanen Bildung unter ihren Glaubensgenossen. Die Freunde hegen, bis auf einen, lebhafte Zweifel am Gelingen eines solchen Unternehmens und geben ihren Bedenken Ausdruck, Diese sucht Geäisen- heimer in beredten Ausführungen zu widerlegen und setzt den Zögernden die Notwendigkeit einer solchen Bildungsanstalt angesichts der bedrückten geistigen und materiellen Lage ihrer Glaubensgenossen, wie auch die Möglichkeit der Durch- führung in begeisterten Worten auseinander. So lassen sich die Freunde schliesslich von der Ausführbarkeit seiner Ideen überzeugen und erklären sich zur Mitwirkung: pereit. Da erscheint der Genius der Schule(Else Kuttner) und weist in weihevollen versen auf eine glückverheissende Zukunft hin:
„Ihr edlen Ritter, schauet auf! Und führt sie zu lichten Räumen hinauf, Vollendet zieht euer Werk herauf, Und haucht in die Seele befreiende Kraft, Gewaltiger als ihr erhofft, erdacht, Den Odem, der blühendes Leben schafft. Durch Zaubermacht ans Licht gebracht. Es ziehen die Kleinen gestärkt aus dem Haus, Beschworen von gurem Schöpferwort, Mit Schtzen beladen, zum Tore hinaus Wuchst es und wächst es und dehnt sich fort! Und helfen geschäftig, der Menschheit Gewinn Es fügt sich, wie ein Gebilde Kristallen. Zu mehren mit freudig erschlossenem Sinn.
So Stüblein an Stüblein zu mächtigen Hallen. Gedieh ein Jahrhundert sodann zum Segen, Gewaltige Bauten steigen empor, So wird sich das zweite noch kräftiger regen.— Und jubelnd drängen die Kinder zum Tor. Schon jubelt es draussen, schon drängt es herein, Die Menschenliebe ninunt sie dort auf Ihr hört es am Tore— Wohlauf!— Ziehe ein!“
Nun verwandelt sich die Scene, und den Blicken der tief ergriffenen Zuschauer zeigt sich das heutige Schulhaus, in das Knaben und Mädchen in Scharen einziehen, während Gesang hinter der Bühne den Vorgang begleitet. Dieses überaus wirkungs- volle Schlussbild des„Vorspiels- entfesselte, nachdem der erste Eindruck tiefer Rührung, besonders bei den früheren Zöglingen, übérwunden war, einen Sturm des Beifalls, der ebenso der sinnreichen Dichtung wie der vortrefflichen Darstellung galt.
Es folgte hierauf ein auserlesener Kunstgenuss: ein Trio für Pianoforte(Lony Epstein), Violine,(Konzertmeister Alfred Hess) und Viola(Friedrich Hess)— Op. 99 B-Dur von Schubert— das, von den bewährten und beliebten Künstlern in bekannter Vollendung vorgetragen, gleichfalls wärmste Aufnahme fand.


