Aufsatz 
Bericht über die Jahrhundertfeier der Realschule der israelitischen Gemeinde Philanthropin zu Frankfurt a.M
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8 8

W

nmnnn

21

haben, Ihnen allen, die Sie zu demselben sich mit uns vereinigt haben, zu warmem Danke ver- pflichtet sind.

Wenn die guten Wünsche, die hier in so beredten Worten ausgesprochen worden sind. sich erfüllen, dann wird das Philanthropin einer Zukunft entgegengehen, die sich seiner ruhmreichen Ver- gangenheit würdig anreiht. Weilen auch von den Männern, welche der Schule ihren Glanz verliehen haben, vielenicht mehr unter den Lebenden. so wirken in der Gegenwart andere in ihrem Geiste. und wenn wir beim Beginn dieser Feier im Rückblick auf vergangene Zeiten klagend es aussprechen mussten:Was vergangen, kehrt nicht wieder, So berechtigt uns zum hoffnungsvollen Ausbplick in dlie Zukunft die Fortsetzung des Dichterwortes:

Aber ging es leuchtend nieder.

Leuchtet's lange noch zurück. Es leuchtet und wird, will's Gott, weiter leuchten und wird künftige Geschlechter befruchten zum Guten. Glück auf denn, Philanthropin, auf dem Wege ins neue Jahrhundert!

Freilich, die Zeiten haben sich gewandelt, und nach hundertjähriger Entwicklung steht die Anstalt anderen Verhältnissen gegenüber, anderen Verhältnissen auf religiösem, auf socialem, auf bolitischem Gebiete. Und diese Schule, die unter der Devise des Fortsehritts gegründet worden ist. sie wird auch in ihrer weiteren Entwicklung den Zeitverhältnissen Rechnung tragen müssen. Sie wird, das Alte ehrend, aber dem Neuen sich nicht verschliessend. fortschreiten müssen mit der fortschreiten- den Zeit. Unter allen Verhältnissen aber und' zu allen Zeiten, solange sie berufen sein wird, ihre hohe Aufgabe zu erfüllen, wird sie die Jugend beseelen mit dem Geiste echter, nicht am Aeusserlichen haftender Religiosität, zu allen Zeiten wird sie ihre Schüler heranbilden zu treuen Bürgern und Bürgerinnen des Staates, sie wird auch fernerhin den Sinn für das gemeine Wohl in ihnen erwecken,

und sie wird sie erziehen in Liebe und Treue zum deutschen Vaterland.

Ja, die Zeiten haben sich gewandelt! Was vor hundert Jahren ein Traum war, ist heute Wirklichkeit geworden. Ein Deutsches Reich, stark und achtunggebietend, vereinigt die deutschen Lande. Unter seinem Schutze kann der Bürger in Frieden sich den Kulturaufgaben widmen, die die neue Zeit ihm stellt. Unter seinem Schutze können die Bildungsstätten blühen und gedeihen, welehe das künftige Geschlecht befähigen sollen, diesen Kulturaufgaben gerecht zu werden. Wir freuen uns des Errungenen im hoffnungsvollen Vertrauen, dass in der Zukunft zur vollen Wahrheit werden möge, was den Gründern dieser Anstalt als hohes Ziel vorschwebte, ein Ziel, von dem vir, trot⸗ treuester Mitarbeit im Dienste der Allgemeinheit, noch weit entfernt zu sein scheinen.

Gross sind die Anforderungen ior neuen Zeit an den Bürger- und Gemeinsinn. Es genügt nicht, dem Vaterlande in treuer Anhänglichkeit ergeben zu sein, es zu lieben, wie man eine Mutter liebt; was die Gegenwart verlangt und die Zukunft vielleicht in noch höherem Masse verlangen wird, es ist die Betätigung der Vaterlandsliebe in der höchsten Ausbildung des Pflichtbewusstseins. In solcher Erkenntnis richten wir in dieser Feierstunde den Blick auf das Vaterland, und es steigt vor uns auf das Bild des erhabenen Fürsten, der, an der Spitze des Deutschen Reiches stehend, seines hohen Amtes mit Kraft und Einsicht waltet. In der Ausbildung des Bewusstseins der Pflicht wie in der Pflichterfüllung. die aus diesem Bewusstsein erwächst, ist uns Kaiser Wilhelm ein leuchtendes Beispiel. So wirkt er für die Wohlfahrt des Staates, so wirkt er für die Erhaltung des Friedens. dessen Segnungen wir uns erfreuen, des Friedens, der auch dieser Anstalt gestatten möge, von Jahr zu Jahr neue Bildungssaat zu senken in die Herzen unserer Jugend.

Wir wollen diese Festesstunde nicht beschliessen, ohne uns zu vereinigen in dem freudigen Rufe:

Seine Majestät unser Kaiser und König er lebe hoch!

Nach Absingung der Kaiserhymne war die Feier beendet.

Der Nachmittag des- Hauptfesttages war scenischen und musikalischen Dar- bietungen gewidmet, bei welchen jetzige und frühere Zöglinge wetteifernd ihre Talente zur Verherrlichung der Jahrhundertfeier darboten. Um 5 ½ Uhr begannen die Festaufführungen in den gleichen, von einer erwartungsvollen Zuschauer-

b) Die Fest- aufführungen