Nun ergriff der Vorsitzende des Schulrats, Herr Stadtrat a. D. XA. Hork- -heimer das Wort, um dem Dank der Schule Ausdruck zu geben: Hochansehnliche Festversammlung!
Im Namen des Schulrats der Realschule der israelitischen Gemeinde spreche ich Ihnen allen, die Sie heute die Schule an ihrer Jahrhundertfeier mit freundlichen Worten begrüsst haben, ins- besondere den Vertretern der staatlichen und städtischen Behörden, wärmsten Dank aus. Es wird uns immer unvergessen bleiben, dass Mitglieder der freistädtischen Verwaltungs- und Schulbehörden an der Wiege unserer Anstalt gestanden haben. lch darf die Versicherung hinzufügen, dass unsere Schule in dem bisherigen Sinne weiter bestrebt sein wird, ihre Zöglinge zu tüchtigen Menschen heran- zubilden, die auch in dem zweiten Jahrhundert seines Bestehens dem Philantbropin zur Ehre gereichen werden. Wie wir diese Erfolge in erster Linie den an der Schule tätigen Lehrkräften unter ihren trefflichen Leitern verdanken, ist Ihnen allen bekannt. Es gereicht inir daher zu grosser Freude, an dem heutigen Tage der dankbaren Gesinnung des Schulrats gegen den Mann Ausdruck geben zu dürfen, der über 30 Jahre lang an der Spitze dieser Anstalt gestanden und sie in jeder Hinsicht ge- fördert hat. Der Schulrat hat beschlossen, zur Erinnerung an den heutigen Tag, Ihnen, hochgeehrter Herr Direktor Dr. Baerwald, die Jubiläums-Medaille in Gold, das einzige Stück dieser Art, zu überreichen. Möge sie Ihnen noch lange, gesegnete Jahre hindurch ein freundliches Gedenken an den heutigen Tag und an Ihre erspriessliche Tätigkeit an dieser Schule sein!.
Von lebhaftem Beifalle begrüsst, betrat alsdann Herr Direktor Dr. Baerwald die Reduerbühne zu folgender Ansprache:.
Ich danke Ihnen allen für den freundlichen Zuruf! Überrascht und tief ergriffen won der an diesem festlichen Tage von Ihnen, hochgeehrte Herren des Schulrats, mir gewordenen hohen Aus- zeichnung, vermag ich hier meinen dankbaren Empfindungen nicht vollen Ausdruck zu geben, ich kann nur sagen: Ich danke Ihnen von ganzem Herzen! 3
Dem Schulrat und den israelitischen Gemeindebehörden verdankt das Philan- thropin Dasein und Unabhängigkeit, den ehemaligen und jetzigen Lehrern und Lehrerinnen verdankt es seine umfassende bildende und erzicherische Wirksamkeit, seinen ihm allezeit in Liebe und Treue ergebenen Zöglingen verdankt es den in der Heimat und Ferne dies- und jenseits des Oceans in vielen Kreisen verbreiteten guten Ruf. Und so segnen wir heute den Wandel der Zeiten, wenn wir sehen, wie neben den zum Teil aus weiter Ferne hier versammelten chemaligen Schülern und Schülerinnen die obersten Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, der gesamten Schulen und aller Lehrervereinigungen Frankfurts heute an der Jahrhundertfeier dieser aus geringen Anfängen hervorgegangenen jüdischen Schule erschienen sind, um durch ihre Anwesenheit und durch freundliche, herzliche Begrüssung die Ehre dieses Tages zu erhöhen. Wahrlich, dieses ist ein Tag, den Gott geschaffen, uns zur Erhebung und zur Freude, ein Fest, aus dem wir Antrieb und neue, frische Kraft schöpfen wollen zu freudig fortschreitender Arbeit.
80 möge es denn innerhalb der hiesigen israelitischen Gemieinde niemals an Männern fehlen, die sich mit voller Hingebung der idealen Aufgabe unserer Schule widmen, und möge es dem Philan- thropin, wie bisher, so auch in Zukunft beschieden sein, die ihm anvertraute Jugend zu gottesfürchtigen, duldsamen, pflichtbewussten, tüchtigen und guten Menschen zu erziehen zum Segen des Vaterlandes, zur Ehre unserer schönen Vaterstadt. Das walte Gott!
Nach diesen, mit grosser Begeisterung aufgenommenen, Worten schloss Herr F. Auerbach die akademische Feier im Namen des Centralausschusses:
Hochansehnliche Festversammlung! Hochgeehrte Damen und Herren! 4
Aus perufenem Munde ist der Dank denen ausgesprochen worden, die heute in Wort und Schrift dem Philanthropin zu seinem Jubelfeste Glück- und Segenswünsche dargebracht haben. Ge- statten Sie mir, ehe wir zum Schlusse dieser Feier schreiten, auch namens des Centralausschusses es auszusprechen, wie sehr wir Ihnen allen, die Sie zur Weihe und Erhöhung dieses Festes beigetragen


