Aufsatz 
Bericht über die Jahrhundertfeier der Realschule der israelitischen Gemeinde Philanthropin zu Frankfurt a.M
Entstehung
Einzelbild herunterladen

19

in Seesen leitet, war persönlich erschienen, um im Kreise der alten Freunde und Kollegen die schöne Feier zu begehen und überbrachte in warmen Worten seine- und seiner Anstalt herzlichste Glückwünsche. Hierauf übermittelte Herr Dr. Mehler die wärmsten Glückwünsche des Vereins ehemaliger Schüler des Philanthropins und teilte mit, dass diese, als äusseres Zeichen ihrer Dankbarkeit an die ehrwürdige Stätte ihrer Bildung, der Jubilarin eine Ansicht von Frankfurt, Zeichnung nach der Natur von A. B. Söhngen, widmeten.

Es folgte sodann die Verlesung der ausserordentlich grossen Zahl von Be- slückwünschungsschreiben und Telegrammen, die von allen Seiten eingelaufen waren, durch den Vorsitzenden. An sie schloss sich folgende Ansprache des Vor- sitzenden des Jubiläums-Ausschusses, Herrn J. Eduard Goldschmid:

Hochgeehrte Mitglieder des Schulrates!.

Als die Sanunlung eines Jubildums-Fonds von uns in die Wege geleitet wurde, waren wir voller Zweifel, ob es uns gelingen könnte, eine Summe zusammen zu bringen, gross genug, um die Erreichung unserer Ziele zu ermöglichen, oder wenigstens stattlich genug, um auch nach aussen hin Zeugnis abzulegen von den Gesinnungen, die uns beseelen.

Wie konnten wir im voraus ermessen, ob die früheren Schüler zerstreut weit über alle Lande, in fast allen Teilen der Erde, der Schule meist schon seit manchem Jahrzehnt entwachsen in ihrem Herzen der Heimat Anhänglichkeit, der Schulzeit freundliche Erinnerung und der Schule selbst genug Dankbarkeit bewahrt hätten?

Ferner galt es, die Ungunst der Zeiten und vielfache Schwierigkeiten, die sich unserem Unternehmen entgegenstellten, zu überwinden.

Frischen Mutes gingen wir dennoch an die Arbeit, und so sahen wir bald mit Freuden, dass ein warmes Interesse sich für unsere Sache regte. Es bildeten sich Localcomités an einigen Plätzen. Das Interesse wuchs von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, ja, unsere Idee wurde vielfach mit Be- geisterung aufgenonnnen.

Zum Zeichen dessen habe ich Ihnen als Festgruss zwei Adressen, die eine aus New Vork, die andere aus San Francisco. zu übpergeben, mit welchen ehemalige dankbare Schüler ihre namhaften Geldspenden begleiten.

Auch bin ich vom Ausschuss für den Jubiläums-Fonds beauftragt, Ihnen heute eine Urkunde über die gesammelte Summe zu überreichen, und bitte ich, mir zu gestatten, dieselbe zur Verlesung zu bringen.(Hier folgt Verlesung der Urkunde.*)

Dieser Fonds soll nicht etwa dazu dienen, anderen Verpflichtungen abzunehmen, sondern Sie, meine Herren, werden in Gemeinschaft mit unserem Ausschuss zu beraten und zu bestimmen haben, welchen edlen Zwecken zum Besten der Schule der Fonds dienstbar gemacht, und wie er mög- lichst sicher gestellt werde.

Wenn ich an den Tag zurückdenke, da sich mir als kleinem Jungen zum ersten Male die Pforten dieser Schule auftaten, so darf ich mich wohl glücklich schätzen, dass es mir an ihrem Ehren- tage vergönnt ist, in dieser feierlichen Stunde vor Ihnen zu stehen.

Wie diese Anstalt es von jeher verstanden hat, nicht nur Wissen, sondern Bildung zu ver- preiten, nicht nur Schüler, sondern Menschen heranzuziehen wie sie aus kleinen Anfängen heraus sich zu hoher, weittragender Bedeutung entwickelt und allen Stürmen zum Trotz ein Jahrhundert kraftvoll überdauert hat so möge sie aus diesem Jubiläums-Fonds neue Nahrung ziehen, in ihm neue Stützen finden, um auch noch späten Geschlechtern reichen Segen zu spenden!

*) S. Anhang: Urkunde nebst Adressen aus New York und San Frauncisco.