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Urteile über die ersten Ergebnisse des neuen Unterrichts gefällt, und alle die Direktoren der zahl reichen Schulen, die nach dem in dieser Stadt erstanden, sind den Bahnen jener ersten Direktoren gefolgt. So ist es die Pflege einer alten Tradition, wenn kollegialische und freundschaftliche Be- 2..—. ziehungen Sie mit uns verbinden, wenn in den Zusammenkünften, die wir monatlich bhalten, wir uns mit Ihnen vereinigen. Wenn wir da als unsern Senior Ihren früheren Direktor in unserer Mitte er- plicken. so ist das für uns immer eine pesondere Freude, und wir freuen uns auch der Anregungen, die uns von seinem Nachfolger zuteil werden. Und wenn der letzte Direktor des alten Frankfurter Gymnasiums die besondere Freude hatte, mit diesen beiden Männern an einer ganzen Reihe von wohl- tätigen Anstalten mitwirken zu dürfen, die durch jüdische Mitbürger gegründet worden sind, so ist das nicht nur ein äusseres Zeichen der Verbindung, die jetzt alle höheren Schulen hier umschliesst. Aber ich glaube, in jenen Urteilen meiner Amtsvorgänger Mosche und Matthiae lag noch etwas Tieferes. Auch über das Gymnasium, die alte Lateinschule, kam damals ein neuer Geist, und dieser Geist ging aus von der Stätte, die damals den Mittelpunkt des geistigen Lebens in Deutschland pildete, von Weimar. Wir müssen hier des Mannes gedenken, den Goethe als den Humanus feiert. Der neuere Humanismus geht im wesentlichen zurück auf Herder, und von Herder geht die Neuschöpfung des Gvymnasiums aus. Die alte Lateinschule war nur eine Fachschule: durch Herder ist das humanistische Gymnasium geschaffen worden, hier sollte nicht ein einzelues Fach gepflegt werden, sondern das edelste Menschentum eine Pflegestätte finden. Dieses edelste Menschentum glaubte man damals insbesondere in den Griechen und Römern zu sehen. Es ist merkwürdig, dass man die humanistischen Anstalten so lange in Gegensatz zu den Realanstalten gestellt hat. Erst unsere Zeit hat das Neue gebracht, dass alle Schulen, die gleiches Ziel verfolgen, gleichberechtigt und gleichwertig sein sollen. Denn sie alle pflegen, was das Edelste ist im Menschen. Und wenn Mosche und Matthiae so freundlich die Anfünge des Philanthropins pegleitet haben, so ist es auch bei ihnen die Erkenntnis, dass die neue Schule gleichen Geistes mit der alten sei. Wo solcher Geist sich zeigt, ist, was edel menschlich ist. zugleich das Göttliche. Und den göttlichen Funken zu wecken, zu pflegen, ist das wahre Werk jedes Pädagogen, jedes Erziehers. Wenn er es ausführen will, muss er den Glauben haben an das Gute im Menschen und die Liebe, jene Liebe, die sich des armen Buben in Marburg annahm, und die Hoffnung, dass es ein heiliges Amt ist, an dem wir arbeiten. Diesen edlen Optimismus müssen wir Lehrer haben, Sonst sind wir trübe Gäste und Fremdlinge in den Räumen unserer Schulen. Solcher Geist hat stets in dieser Anstalt geherrscht; das zeigt die Dankbarkeit der Schüler. Nicht Prüfungen und Examina allein, obschon sie notwendig sind, zeigen, was eine Schule leistet, sondern das, was aus den Schülern wird, wie sich ihr Wesen im Leben bewührt; denn der Saat entspricht die Ernte. Und da können wir unsere beiden Kollegen nur aufs herzlichste beglückwünschen zu der reichen Dankbarkeit, die sich an diesem Pest der Schule offenbart und schliessen uns von Herzen der Freude an, die sie selbst empfinden müssen. Diesen herzlichen Worten schlossen sich die Herren Direktoren Walter und Keller als Vertreter der Musterschule und Elisabethenschule, ebenfalls mit einer warm empfundenen Ansprache, an und überreichten, zugleich als Zeichen des Dankes für die zu der vorjährigen Jahrhundertfeier ihrer Schulen dargebrachten Glückwünsche, ein künstlerisch ausgeführtes Gedenkblatt als Jubiläumsgabe. So- dann sprach Herr Direktor Dörr von der Liebig-Realschule im Namen der städti- schen Realanstalten der ältesten Schwesteranstalt deren Wünsche aus, die darin gipfelten, dass in ihr auch weiterhin der Geist wahrer Wissenschaftlichkeit im Verein mit echt deutscher Gesinnung herrschend sein möge. Weitere Glückwünsche über- prachten Herr Wilhelmy für die Frankfurter Handelskammer, Herr Rektor Hinkel fürddie Rektorenvereinigung, Herr E. Ries für den Lehrerverein, Herr Rektor a. D. Chun für die Allgemeine Lehrerversammlung, Fräulein Rausenberger für den Verein der Lehrerinnen und Erzieherinnen. Herr Direktor Dr. E. Philippson, der zwölf Jahre lang am Philanthropin gewirkt hat und jetzt die Jakobsonschule


