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Weise, trotz ihrer vielen ins Auge springenden Widersprüche und Seltsamkeiten, der Bacon-Theorie erst bei uns in Deutschland Eingang verschafft und seitdem von Zeit zu Zeit die Gemüter der grossen deutschen Shakespeare-Gemeinde in Erregung versetzt hat. Derselbe begeisterte Apostel der Bacon-Theorie in Deutschland, der für die haltlosen Behauptungen der Frau Pott als einziger Ritter— und auch nur mit geschlossenem Visier— eine Lanze gebrochen hat, trat dann auch, von noch er- hôhter Glaubigkeit beseelt, und dieses Mal mit vollem Namen für das nächste Er- zeugnis des Baconismus, das„Great Cryptogram“ des amerikanischen Advokaten und Senators Ignatius Donnelly in die Schranken(s. Anm. 14.) Was Delia Bacon und Mrs. Windle mit Aufbietung ihrer gesamten Geisteskraft aufzufinden gesucht, eine Geheimschrift, die ihre und ihrer Glaubensgenossen Ueberzeugung endgiltig be- stätigen sollte,(dass kein anderer als das Universalgenie Francis Bacon die Werke Shakespeares geschrieben habe), diese glaubte der amerikanische Senator glücklich herausgefunden zu haben. Wie er zu dieser vermeintlichen Entdeckung gekommen ist, sowie die Einzelheiten derselben vorzuführen, dafür ist an dieser Stelle kein Raum; es sei darum hier nur auf das im Jahre 1888 erschienene Werk selbst, sowie auf die schon mehrfach citierten Besprechungen desselbene hingewiesen. Unsere Betrachtung kann sich auch hier darauf beschränken, die Bedeutung dieses natürlich gewaltiges Aufsehen erregenden Buches für die Bacon-Theorie zu kenn- zeichnen, auf das sein Verfasser die Bacon-Verehrer schon einige Jahre zuvor— durch einen im Jahre 1886 gedruckten Vortrag— vorbereitet hatte. Sein endliches Er- scheinen versetzte, wie vorauszusehen, die Bacon-Gemeinde in hellen jJubel, der auch durch den sofort erfolgenden Nachweis der Willkürlichkeit und Unhaltbarkeit der Donnelly'schen Beweisführung*o keineswegs gedämpft wurde. Zur Beur- teilung des letzteren sei hier nur das Schlussergebnis der besten englischen Gegenschrift“ vorgeführt:„Ich bestreite nicht die Ehrlichkeit des Verfassers noch seine redliche Bemühung, und was seinen Scharfsinn angeht, so hat er aus dem, was ihm seine Phantasie als Material vorspiegelte, das denkbar Möglichste heraus- gebracht. Aber seine Theorie trägt ihre Widerlegung in sich selbst. Es giebt keine Geheimschrift im Shakespeare!“ Auch dieser Kritiker hat in derselben Weise wie es in einer früheren Schrift*² gegen Holmes geschehen war, nachgewiesen, dass mit derselben Beweisführung alles mögliche und sogar das Gegenteil dessen, was zu beweisen war, dargethan werden könnte, so z. B. der Satz: Master William Shakespeare wrote this play, and was engaged at the Curtain. 4 Das alles hinderte aber den deutschen Bannertrager des Baconismus, den vorgenannten Grafen Vitzthum von Eckstaàdt, keineswegs, auf die Ausführungen Donnelly's ge- stützt, die Bacon-Theorie mit all ihren Konsequenzen nun offiziell in Deutschland einzuführen(s. Anm. 14). Seinem Buche ist vor allem Schipper in der mehrfach genannten Schrift vollauf gerecht geworden. Zwar nimmt er gerade Vitzthums Schrift zum Anlass, um gegen die ganze Bacon-Theorie und im besonderen gegen die Donnelly'schen Ausführungen mit der Fülle seines wissenschaftlichen Könnens einzutreten, doch gesteht er bereitwillig zu,„dass Graf Vitzthum dem grossen


