Aufsatz 
Einweihung des neuen Schulgebäudes
Entstehung
Einzelbild herunterladen

16

pfindungen scharf ausprägende Komposition der Chorlieder sich dem Besten würdig anreiht, was in unserer Zeit auf dem Gebiete der musikalischen Wiederbelebung der griechischen Tragödie geleistet ist.

Zum Beginn der Aufführung erklang Beethovens OQuverture:Zur Weihe des Hauses. Von dem Orchester, dessen Leitung Herr Fritz Bassermann mit liebenswürdiger Bereit- willigkeit übernommen hatte, markig und schwungvoll vorgetragen, erhöhte das mächtige Tonwerk die feierliche Stimmung. Das Drama selbst, dem ein von einem Schüler der Anstalt verfaſster Prolog voranging, machte ersichtlich einen tiefen und nachhaltigen Ein- druck auf alle Anwesenden. Erschütternd wirkten die Klagen des Helden, der durch sein mafsloses Selbstvertrauen den Zorn der Gottheit auf sich geladen hat und freiwillig in den Tod geht, um die selbstverschuldete Schmach zu sühnen, ergreifend der Schmerz der Gattin und das mannhafte Eintreten des Bruders für den Toten. Grade auch der zweite Teil der Tragõdie, der Kampt um eine ehrenvolle Bestattung des Helden, wenn auch unserer An- schauungsweise ferner liegend, fesselte das Interesse durch die groſse dramatische Kraft, die ihm innewohnt. Die Mitwirkenden waren mit voller Begeisterung bei ihrer schwierigen Aufgabe. Namentlich die Darsteller der Hauptrollen, des Aias, der Tekmessa und des Teukros, ernteten lebhaften Beifall für ihre Leistungen. Wenn sie mit unleugbarem Erfolge sich be- mühten, die Gestalten des Dramas in wirksamst und überzeugender Weise zu verkörpern, so war dies vor allem das Verdienst Herra Professors Karl Hermann, der wie bei früheren Gelegenheiten so auch diesmal die groſse Güte gehabt hatte, uns seinen bewährten Beistand zu leihen. Mit hoher künstlerischer Einsicht hatte er die Absichten des Dichters ergriffen und als unübertrefflicher Lehrmeister es verstanden, seine Zöglinge zu einem eindringenden Verständnis und einer lebenswahren Wiedergabe der Dichtung anzuleiten. Auch an dieser Stelle sei dem hochverehrten Künstler der herzlichste Dank ausgesprochen. Die Chôre waren von dem ordentlichen Lehrer der Anstalt, Herrn August Reil, eingeübt worden. Sie stellten schon ihres Umfanges wegen groſse Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Schüler. Aber das gute Gelingen der schweren Aufgabe lohnte reichlich alle Mühe, die auf ihre Vorbereitung hatte verwendet werden müssen.

Am Abend des 25. Oktober wurde die Reihe der Festlichkeiten durch ein geselliges Zusammensein der Angehôrigen unserer Anstalt im Zoologischen Garten beschlossen, an dem zu unserer Freude auch eine gröſsere Anzahl von Mitgliedern des Vereins ehemaliger städtischer Gymnasiasten sich beteiligte.

Baubeschreibung.

Herr Architekt H. Th. Schmidt hat uns die folgende Baubeschreibung freund- lichst zur Verfügung gestellt:

Die ganze Gestaltung der Gebäudegruppe ist das Ergebnis eines Wettbewerbes, welcher im Ierbst 1900 unter drei hiesigen Architekten ausgeschrieben wurde. Der jetzt ausgefũhrte Entwurf des Unterzeichneten trug den Sieg davon und wurde am geeignetsten zur Ausfünrung befunden, d 176