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sich mit sinniger Liebe zur Sache und mit väterlicher Sorgfalt dieser Aufgabe unterzogen und unsern aufrichtigsten Dank erworben hat. Indem ich Ihnen nun, verehrter Herr Direktor, und Ihrem geschätzten Lehrerkollegium diese Zeichen des Dankes und der Liebe Ihrer Schüler und Freunde Ihrer Wirksamkeit übergebe, übermittle ich Ihnen im Auftrage des Ausschusses zur Ausschmückung des Lessinggymnasiums unsere innigsten Wünsche für Ihr Wirken und Schaffen im neuen Hause, für das fernere Gedeihen und Blühen der An- stalt. Nehmen Sie unsere kleinen Kunstschätze freundlichst an. Seien Sie mit Ihren Herren Lehrern ihr treuer Hüter!. „Nur durch das Morgentor des Schönen Dringst du in der Erkenntnis Land, An höheren Glanz sich zu gewöhnen, Obt sich am Reize der Verstand.“
Herr Referendar Rühl überbrachte die Glückwünsche des Vereins ehemaliger städtischer Gymnasiasten, die ihrerseits der Anstalt ein wertvolles Bild, den Jakoby'schen Stich von Raffaels„Schule von Athen“, stifteten.
Freudig bewegten Herzens sprach der Direktor den beiden Vorrednern und allen gütigen Spendern den warmsten Dank aus für die herrliche Gabe, die sie der Anstalt zu ihrem Einzuge in das neue Heim dargebracht. Immer mehr habe sich die Uberzeugung Bahn gebrochen, daſs die Schule die Pflicht habe, neben der strengen Wissenschaft auch die Kunst zu pflegen, die Empfänglichkeit und das Verständnis für das Schöne in ihren Schülern wachz urufen und zu entwickeln. Das unentbehrliche Hilfsmittel zu einer solchen Einführung in das Reich der Kunst sei der Anstalt durch die Hochherzigkeit der Stifter in einer Fülle und einer planmäſsigen Auswahl dargeboten, daſs bis jetzt schwerlich eine zweite Schule Deutschlands über einen ähnlichen Schatz von Kunstwerken verfüge. Aber nicht bloſs der Wert des Geschenkes, der Gedanke an den Gewinn, den es der Jugend bringen werde, erwecke die Gefühle innigsten Dankes, eine nicht geringere Bedeutung habe dieses Geschenk auch insofern, als es ein Beweis sei der lebhaften Anteilnahme, deren sich die Anstalt bei vielen Freunden und Gönnern erfreuen dürfe, der treuen Anhanglichkeit, die die alten Schüler ihr bewahrten. Möchte es ihr beschieden sein, den gleichen Geist und die gleiche Gesinnung auch für die Zukunft in ihren Schülern zu pflanzen und zu erhalten.
Die Feier schloſs mit dem Gesange der Hymne:„Zur Weihe des Hauses“ von Gluck.
Am Abend des 21. Oktober wurde eine Festaufführung von Sophokles Aias in der Obersetzung von Dr. Wilhelm Jordan mit den Chören von Dr. Karl Schmidt (Friedberg) von den Schülern der oberen Klassen in der Aula veranstaltet. Eine Wieder- holung der Auffúhrung folgte am Abend des 22. Oktober. An beiden Abenden war der geräumige Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Unter den Gästen durften wir auch die Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden begrüſsen. Zu unserem lebhaften Be- dauern muſste der greise Dichter, dem wir die vortreffliche Nachdichtung des sophoklei- schen Meister werkes verdanken, seines schonungsbedürftigen Gesundheitszustandes wegen es sich versagen, der Aufführung beizuwohnen. Dagegen hatten wir die Freude, gen kunst- begabten Berufsg enossen in unserer Mitte zu sehen, dessen frische und den Wechsehder Em-


