Aufsatz 
Das vermeinte Grabmal Landgraf Wilhelms III. von Hessen neu beleuchtet
Entstehung
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gelangten Anna zuſchreiben. Dieſe Hypotheſe erklärt indeſſen nicht den gänzlichen Man⸗ gel einer Inſchrift, welcher zwar bei einem Monumente aus dem dreizehnten oder vierzehnten Jahrhundert gar nicht auffallen würde, deſto mehr aber bei einem aus dem ſchon ſo ſchreibluſtigen ſechzehnten, in welchem man bei der ſtarken Anhäufung der Epitaphien in allen Kirchen nicht leicht ein neu errichtetes ohne deutlich bezeich⸗ nende Inſchrift ließ. Dieſer Mangel, welcher um ſo mehr auffällt, als auf der obern Platte neben der Figur des geharniſchten Landgrafen ein ſehr ſchicklicher Raum dazu iſt, erklärt ſich indeſſen ganz genügend, wenn wir annehmen, Wilhelm habe es ſich ſchon im Anfang ſeiner ſchrecklichen Krankheit, als er ſein Leben aufgab, ſelbſt errich⸗ ten laſſen, und nur das Einhauen der Inſchrift ſey bis zum wirklichen Todesfall ver⸗ ſchoben worden. Als dieſer endlich eintrat, hätten die mit andern Angelegenheiten beſchäftigten Vormünder das Leichenbegängniß möglichſt kurz abgethan, und bei dieſer Gelegenheit, um aller Weitläufigkeiten überhoben zu ſeyn, jene einfache Holztafel aufhängen laſſen, wo dann Anna bei ihrem Antritt der Vormundſchaft ſchon die ganze Beſtattungsangelegenheit in Ordnung gefunden hätte.

Mögen übrigens dieſe Vermuthungen begründet ſeyn oder nicht, ſo iſt doch ſo viel gewiß, daß es in älteren noch mehr als in neueren Zeiten ein häufiger Gebrauch bei Fürſten und Großen war, ſich ihre Grabmäler ſchon bei Lebzeiten errichten zu laſſen. In der Eliſabethkirche finden wir namentlich zwei ſolche Beiſpiele aus derſelben Zeit, von der wir reden. Ich meine damit die Grabmäler des Großvaters und des Geg⸗ ners von Wilhelm II., nämlich die von Ludwig dem Friedſamen und von Hans von Dörnberg. Das erſte von dieſen iſt ein Steinſarg, welcher eine doppelte Jahrzahl führt. Oben bei der Grabſchrift lieſt man das Todesjahr mo cceco luiii(1458), unten in ſehr alterthümlichen arabiſchen Ziffern die alleinſtehende Zahl 1451, welche ohne Zweifel das Jahr der Errichtung angiebt. Das andere iſt eine große Sandſteinplatte, welche im Fußboden des nördlichen Seitenchors liegt, und in der Mitte die in eine Metallplatte gegrabenen Wappen des Hans von Dörnberg und ſeiner beiden Gemahlinnen Anna von Weyers(geſt. 1481) und Lucia von Hatzfeld(geſt. 1497) zeigt. Rings um den Stein lau⸗ fen vier breite meſſingene Leiſten, in deren eine folgender Anfang einer Grabſchrift eiſelirt iſt: Anno. Domini. Millelimo. Die ubrigen ſind glatt und erwarteten erſt Hanſens Tod, welcher indeſſen nicht in Marburg, ſondern in Friedberg erfolgte, wohin er vor dem Zorne unſeres Landgrafen geflohen war. Dort wurde ihm dann in der jetzt ab⸗ gebrochenen Burgkirche ein zweiter Grabſtein geſetzt, mit der Inſchrift: Anno dni Ihe

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