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Auch dieſe Nachricht verſtärkt wieder die Wahrſcheinlichkeit meiner Vermuthung, indem wirklich kein anderes Denkmal des Fürſtenchors ſo ſtark, ſo muthwillig und gewaltſam beſchädigt iſt, als das unſrige. Die Reparaturen Philipps, die gewiß nicht vergeſſen wurden, mögen indeſſen, nach dem jetzigen Zuſtand des Monuments zu ur⸗ theilen, nicht ſehr bedeutend geweſen ſeyn, und ſich auf das Glattmeißeln der ſchad⸗ hafteſten Stellen, ſo wie auf die Setzung des nicht mehr Porhanderen Gitters be⸗ ſchränkt haben.
Wodurch dieſe gräulichen Zerſtörungen entſtanden ſeyn mögen, läßt ſich nun auch mit einiger Wahrſcheinlichkeit vermuthen. Der deutſche Ritterorden beſaß zwi⸗ ſchen Worms und Alzei, alſo gerade in der Gegend, welche durch Wilhelms Kriegs⸗ zug ſo ſchrecklich gelitten hatte, die Kommende Ober⸗Flörsheim, welche zu der Ba⸗ ley Heſſen gehörte, und unter dem Landkommenthur zu Marburg ſtand.*) Durch dies Verhältniß mußten natürlich nicht ſelten Bewohner der Pfalz nach Marburg geführt werden, von welchen alſo ſehr leicht die Beſchädigungen an dem in der Or⸗ denskirche ſtehenden Denkmal desjenigen Fürſten ausgehen konnten, den ſie als Ver⸗ wüſter ihres Landes haßten.
Fragen wir nun noch nach dem Verfertiger und Beſteller dieſes Monumedts, ſo fehlen uns leider hierüber alle Nachrichten. Indeſſen können wir in Beziehung auf den letzten Punkt muthmaßen, daß es entweder von den Vormündern, oder von der Wittwe Anna, oder endlich von dem unieriſchen Fürſten ſelbſt beſtellt und er⸗ richtet worden ſey
Von den erſteren, welchen die Volſfreckung des Teſtaments und die Beſorgung des Leichenbegängniſſes oblag, rührt wohl unſtreitig die ſeinem Andenken gewidmete Inſchrifttafel her, über deren Aermlichkeit ſich Keiner wundern wird, welcher bedenkt, wie gehäſſig dieſe Leute den kranken Landgrafen ſchon vor ſeinem Tode behandelten, und wie ſehr die unmittelbar nach ſeinem Abſterben zu erwartenden Händel mit Anna und ihrer Partei alle Aufmerkſamkeit derſelben in Anſpruch nehmen mußten. Dieſer auffallende Unterſchied zwiſchen der Beſchaffenheit der Grabſchrift und dem von ziem⸗ lichem Luxus zeugenden Grabmal macht es denn auch ſehr unwahrſcheinlich, daß beide von denſelben Perſonen herrühren ſollten. Man könnte alſo die Errichtung des letzteren mit groͤßerer Wahrſcheinlichkeit der ſpäter im. 1514 zur Ngeätſchaft
*) Büſching, Neue Erdbeſchreibung Th. III, B. 2, S. 551 der 6. Aufl.


