Aufsatz 
Das vermeinte Grabmal Landgraf Wilhelms III. von Hessen neu beleuchtet
Entstehung
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Seelenmeſſe für ſich und ſein Haus. Dann verordnet er die Vormundſchaft für ſei⸗ nen Sohn Philipp, an deren Spitze er ſeinen Vertrauten, Konrad von Wallenſtein, ſetzt. Hierauf vermacht er dem heiligen Grab in Jeruſalem einen jährlichen Wechſel von 100 fl. In einem Codicill deſſelben Jahres beſtimmt er dem Barfüßer Kloſter in Marburg 100 fl. zur Fürbitte bei Gott, den Hausarmen in ſeinen Ländern 1000 fl., jedem reformirten(d. i. neu und wohlgeordneten) Kloſter ſeines Landes 20 fl., ſeiner Gemahlin mehrere Pretioſen, dem kleinen Rabe von Boyneburg, deſſen Vater im pfäl⸗ ziſchen Kriege geblieben war, 3500 fl. und freie Erziehung mit ſeinem Sohne Philipp. Dann bedenkt er noch viele ſeiner Diener. In dem zweiten Codicill gibt er dem Biſchof von Worms die Hälfte des Schlößchens Stein an der Weſchnitzmündung zurück, welches er jenem in der erwähnten Fehde abgenommen hatte, ſchenkt der Rö⸗ miſchen Königlichen Majeſtät einen braunen Hengſt mit koſtbarem Pferdezeug, ſeinen goldnen Ritter St. Georgen und Joachim, ſeinen Narren. Nachdem er noch mehrere Geſchenke legirt hat, beſtimmt er endlich, daß die vormundſchaftliche Kanzlei immer da ſeyn ſolle, wo ſich Konrad von Wallenſtein, ſein Landhofmeiſter, aufhalte.

Auch in den folgenden Jahren vergingen ihm dieſe Gedanken nicht. So ſagte er einſt zu Wallenſtein:Conrat, wir haben manchen weg mit einander geraiſet; darumb nachdem wir achten, das wir ſterben werden, ſo wollen wir die Reyſe bis gein Marpurg zum Grabe mit einander auch thun, und bitten dich, das du dan auch unſer ſele, wyb, kinder, landt und leudt, desgleichen unſern bruder und des weib und kinder in bevelh haben, und das beſt thun wolleſt, als wir zu dir des zuvor andern vertrauen tragen, dan du biſt mit ſambt ſonſt ſieben unſern Rethen von uns zu vormonden erweld, und geſetzt, doch du als der oberſt, ob den allen einiger regent.*)

Hierdurch that er den wahrſcheinlich**) früher nicht bekannten Inhalt ſeines Teſtaments kund, und kam dadurch in eine Lage, welche ſeinen Geiſt und Körper noch ſchneller herunter brachte, als es die Krankheit allein gethan haben würde. Es bil⸗ deten ſich nämlich zwei Parteien, welche ganz verſchiedene Intereſſen hatten. Die Landgräfin Anna ſuchte nämlich die Gunſt ihres Gemahls zu gewinnen, um eine Ab⸗ änderung des Teſtaments zu erlangen, durch welche ſie zur Vormünderin beſtimmt

*) v. Rommel a. a. O. B. III. Anm. S. 126.

**½) Da ich gerade keine Gelegenheit habe, mich von der Form des Teſtaments zu überzeugen, ſo kann ich dies nur als Vermuthung aufſtellen.