— 14—. Dies iſt alſo ohne allen Zweifel die, bis jetzt noch unbekannte Grabſchrift Wil⸗ helms II., jenes raſtlos thätigen Fürſten, unter deſſen Regierung die Größe und Wich⸗ tigkeit des heſſiſchen Staates begann, welche ſpäter unter ſeinem Sohne Philipp den höchſten Gipfel erreichte. Wer den geringen Anfang, die ſteigende Größe, die ruhm⸗ würdige Regierung und die merkwürdigen Kriegszüge dieſes Freundes von Kaiſer Marx I. kennen lernen will, findet die gewünſchte Auskunft ſchon in den gewöhnlichen heſſiſchen Geſchichtsbüchern, am beſten jedoch in dem Werke des Herrn von Rommel,*) welches ein ganz neues Licht über dieſe Zeiten verbreitet. Ich beſchränke mich nur auf eine kurze Ueberſicht der wichtigſten Uiſtinde, fußlähr bei unſerie Monument in Betracht kommen knnen. 1
Im J. 1438 theilten zwei Söhne Ludwigs I. oder Friedfertigen die heſſiſchen Länder unter ſich. Ludwig II. erhielt Niederheſſen, Heinrich III. Oberheſſen. Als der erſte im Jahre 1471 ſtarb, hinterließ er zwei Söhne, Wilhelm I. und II. Der ältere wurde im Jahre 1492 geiſteskrank, und trat dem jüngeren ſeinen Landestheil ab. Im J. 1483 war auch Heinrich III. geſtorben, und hatte Oberheſſen ſeinem unmündigen Sohne Wilhelm III. hinterlaſſen, welcher nach 17 Jahren durch jenen Sturz vom Pferde ſtarb. Hierdurch gelangte Wilhelm II. zur Herrſchaft über ganz Heſſen, welche er mit großer Kraft und Weisheit führte. Streng hielt er auf Zucht und Ordnung, vorzüglich in den Klöſtern, deren Reformation ihm ganz beſonders am Herzen lag,**) und welche er noch in ſeinem letzten Willen reichlich bedachte. Im J. 1504 ließ er ſich durch ſeine Freundſchaft mit Kaiſer Maximilian und wahrſchein⸗ lich auch durch Haß gegen den Kurfuͤrſten Philipp von der Pfalz, ſo wie durch die Begierde, ſein Land zu vergrößern, in den pfalzbairiſchen Erbfolgekrieg verwickeln. Der Kaiſer hatte nämlich verſprochen, daß jeder bei⸗Vollſtreckung der Reichsacht mit⸗ wirkende Fürſt alle Beſitzungen, welche er dem geächteten Pfalzgrafen abgewönne, be⸗ halten ſollte. Wilhelm ſammelte alſo ein Heer von mehr als 30,000 Fußgängern und 2000 Reitern, mit welchem er von Darmſtadt aus in die Pfalz einrückte. Brand und Plünderung bezeichneten faſt überall den Zug dieſer undisciplinirten Haufen durch die Gegenden von Lorſch, Worms, Alzei, Bingen und Kaub. Die Belagerung dieſer letzten Stadt mißlang gänzlich, und der Wefehl des Kaiſers machte bald dem ganzen
*) A. a. O. B. III, S. 79— 184. **) v. Nommel a. a. O. B. III, S. 168, 170, 184.


