Aufsatz 
Das vermeinte Grabmal Landgraf Wilhelms III. von Hessen neu beleuchtet
Entstehung
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VON G0TZ GENADEN ELISABET GEBORNE LANDGREFIN ZV HESSEN WEILAND HERTZOG HANSEN ZV SACHSEN VERLASENE WITWE

IN G0T VER SCHEIDEN DERN SELEN GOT GENEDIG SIEE.

Was kann alſo wahrſcheinlicher ſeyn, als daß unſer vermeintes Grabmal Wil⸗ helms III. oder des Jüngern eigentlich Wilhelm II. oder dem Mittleren, dem Vater des großmüthigen Philipp, angehöre? Eine Meinung, welcher bereits Herr Archiv⸗ Director v. Rommel, dem ich ſie mündlich mittheilte, öffentlich ſeinen Beifall gegeben und zugleich die ſcharfſinnige Vermuthung aufgeſtellt hat, daß dieſe Verwechſelung durch einen gemeinen Sprachgebrauch der damaligen Zeit entſtanden ſey, wonach man den erſten auch Wilhelm den Jüngern von Marburg, den andern Wilhelm den Jüngern von Kaſſel nannte.)

Ich darf alſo nun wohl ohne Bedenken mit jenem Monumente eine alte hölzerne Tafel von etwa 2 Ellen Länge und 4 Ellen Breite*) in Verbindung bringen, welche wahrſcheinlich noch immer unbeachtet zwiſchen abgeriſſenen Wappen und Fahnen oben auf der kleinen ſteinernen Kapelle im nördlichen oder ſogenannten Eliſabethchore liegt.***) Sie iſt hinten mit zwei Ringen zum Aufhängen verſehen und enthält in ſchlecht ver⸗ goldeten Buchſtaben folgende merkwürdige Inſchrift:

Im Jar Ive vnd nun ukk mittwochen nach S. Kilian

Ilt mit tod abgelcheiden der durchluchtig' hochgebornn

Furtt pnd herre herr Wilhelm der mittler landgrave zu Helsen Graue zu katzenelnbog' zu dietz zu zigenhain vn zu nidde. d' got g.

») v. Nommel a. a. O. B. III, Zuſätze S. 346 348. **) Wenn mich die Erinnerung nicht trügt.

***) Wie ſie dahingekommen, ob erſt in neuerer Zeit, bei der oben erwähnten Abnahme der Wappen und Fahnen, oder ſchon in älterer Zeit, wage ich nicht zu entſcheiden. Faſt möchte man das Letztere glauben, da ihre Inſchrift in den älteren Sammlungen dieſer fürſtlichen Grabſchriften (in Juſti's Vorzeit 1826 S. 310 und der oben angeführten Hdſ. der Caſſeler Bibliothek) nicht vorkommt. In der Nähe dieſer Tafel lagen auch Reſte von Wappenhelmen mit ver⸗ goldeten und verſilberten Büffelhörnern, welche alſo wahrſcheinlich von zerſtörten heſſ. Wappen herrühren, die früher über den Fürſtengräbern hingen.