Aufsatz 
Das vermeinte Grabmal Landgraf Wilhelms III. von Hessen neu beleuchtet
Entstehung
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Anno düi mo eccero vi den mödag

nach ſant valenti ſtarp der erluchtige hochgeborn kurtte und her her Wilhelm lantgrak zu helle grakt zu katczenllboge zu ziegehay zu dietz vnd zu nidda.

Daß hiermit Wilhelm III. gemeint ſey, leidet nicht den geringſten Zweifel, indem das Datum ganz mit den gleichzeitigen Chroniſten übereinſtimmt, welche berichten, der Landgraf ſey am St. Valentinstag(d. 14. Febr.) 1500 geſtürzt, und am folgenden Montag(d. 17. Febr.) geſtorben.) Doch ich fahre in Beſchreibung des Monuments fort. In den vier Ecken, wo jene Inſchriftleiſten zuſammenſtoßen, ſieht man die Sinnbilder der vier Evangeliſten, den Engel, Ochſen, Adler und Löwen. Alle dieſe Zierrathe, Wappen und Inſchriften ſind überaus geſchmackvoll und zierlich in Erz gegoſſen, und waren ehemals, wie es ſcheint, insgeſammt vergoldet.

Dies iſt jedoch nicht das einzige Denkmal Wilhelms III. in dem Marburger Fürſtenchor, denn man bemerkt oben an der öſtlichen Wand noch einen reich vergoldeten und bemalten runden Schild, der ihm geweiht iſt, und früher ohne Zweifel über ſeinem Grabe gehängt haben mag.**) Dieſer hat in der Miitt⸗ das heſſiſche Wappen und am Rande folgende Inſchrift:

Im iare nach crilt vnlers hern geburt kunkkezehenhundert den montag nach fant veltens tag ilt geltorben der irluchte. vnd. hogeborn kurtt vnd her. wil⸗ helm lantgrave zu hellen. graue zu katzenelnbogen zu dietz zu ziegenhain vnd zu nidde des lele got genade.

Dieſe beiden Monumente genügen offenbar für Wilhelm III., um ſo mehr, als er der einzige aller hier beſtatteten Landgrafen iſt, der eine doppelte Grabſchrift hat.

Fragen wir nun noch zum Schluß, wer dieſe beiden Denkmäler geſtiftet habe, ſo brauchen wir, um eine höchſt wahrſcheinliche Antwort zu erhalten, nur das dem

2 Bernhard in Winkelmanns heſſ. Chronik. Th. VI, S. 488.

**) Alle Wappen, Fahnen und andere bewegliche Denkmäͤler wurden in der Zeit, wo dieſer Theil der Eliſabethkirche der katholiſchen Gemeinde eingeräumt war, abgenommen, ſpäter jedoch auf Veranlaſſung des Herrn Superintendenten Juſti wieder aufgehängt. Man ſehe des Herrn Pfar⸗ rers P. F. W. G. Juſti Vollſtänd. Verzeichniß aller an der St. Elßbdethiegh geſtandenen

Pfarrer. Marb. 1835. S. 19 ff. 2*