Aufsatz 
Das vermeinte Grabmal Landgraf Wilhelms III. von Hessen neu beleuchtet
Entstehung
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Dieſes noch lange im Munde der Proteſtanten und Katholiken fortlebende Lied*) ſcheint dem Beſteller oder Verfertiger unſers Denkmals beſonders vor Aüzen geſchwebt zu haben. Denn dort heißt es in der 7. Strophe:

Im Grab verborgen warten dein

Viel Kroͤten und auch Schlangen;

Die werden dann dein Hausg'ſind ſeyn, Dich grüßen mit Verlangen.

Ihr Gaſterei wird dort ſeyn frei; Keins darf die Zech' bezahlen.

Sie kriechen'nein bis auf die Bein', Machen's nach ihrem Gyfallen.

Dieſe Zeilen paſſen Wort für Wort ſo genau auf unſer Grabmal, daß man davorzuſtehen und Alles mit Augen zu ſehen glaubt. Noch wahrſcheinlicher wird meine Vermuthung dadurch, daß das Lied vorzugsweiſe an die Fürſten gerichtet iſt, wie man aus mehreren Strophen erſieht, in welchen abermals Vorſtellungen erſcheinen, die wir hier zum Theil abgebildet ſehen. Da heißt es unter andern Str. 10 und 11:

Des Königs Stab bricht er flugs ab Und führt ihn an den Reihen.

Ein'n engen Sarg wird er da han Für ſeines Königs Saale;

Das Dach wird auf der Naſen ſtahn. Merkt auf ihr Fürſten alle!

Aus allen dieſen Thatſachen geht wohl unleugbar hervor, daß die ſchon frühe von Schmincke aufgeſtellte und von Juſti feſter begründete Anſicht die allein richtige ſey, und daß wir in dieſem alabaſternen Leichnam nur ein Symbol der allgemeinen Vergänglichkeit alles irdiſchen Schimmers ſuchen dürfen.

*) Franz Horn's Poeſie und Beredſamkeit der Deutſchen. Berlin 1823. B. 2, S. 181. Es findet ſich in dem alten, ehemals weit verbreiteten Marburger Geſangbuche unter N 429. Auch ſieht man in der Pfarrkirche dieſer Stadt ein Grabmal Landgraf Ludwig's III.(T 1604), ebenfalls eine Vorſtellung aus dieſem Liede. Der Tod in Geſtalt eines Gerippes zielt mit einem großen Wurfpfeil auf einen geharniſchten Wann der wahrſcheinlich das Leben be⸗ deuten ſoll.

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