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nuhr ein lediger ſarck aldahr geſtanden, welcher, nachdem er gantz verfaulet vndt zuſammengefallen, die Sinckung des Monuments vervhrſachet, worauff dan dies grab wiederumb zugeworffen, vndt die darauff geſtandene bildtnuß, wie ſie vor geſtanden, wiederumb übergelegt worden,—— nuhnmehr iſt alles wiederumb reparirt vndt das Pflaſter gleich gemacht worden.“*)
So erklärt ſich einigermaßen das ſpurloſe Verſchwinden jenes Gitters.
Frühere Meinungen über das Denkmal.
Bis zu der Mitte des 17ten Jahrhunderts ſcheint dies Denkmal nicht ſehr beachtet worden zu ſeyn, wenigſtens findet ſich vor dem Ende des dreißigjährigen Kriegs nirgends eine Spur davon. Nun aber gelangte es ſchnell zu einem ſeltſamen, aber unbegründeten Ruhme, indem ein gewiſſer Joh. Konr. Molter, der ſich ſelbſt einen in die 39 Jahre geweſenen ſorgfältigen Aedituus Teutonicus oder Küſter der St. Eliſabethkirche nennt, der Erfinder oder doch wenigſtens der Verbreiter einer eben ſo abenteuerlichen als unbegründeten Sage wurde. Dieſer Mann, nicht zufrieden damit, ſeine Küſterfabeln den Beſuchern der Kirche mündlich aufzuheften, ließ nämlich im J. 1648 eine Beſchreibung dieſes Gebäudes drucken,*) in welcher neben andern falſchen Nachrichten folgende Stelle vorkommt:„Landgraff Wilhelm der Jünger, vorgeſetzten Landgraff Henrichen des dritten, und Annä Gräffin zu Catzenelnbogen Sohn, iſt der Jagt ſehr ergeben geweſen. Darob es ſich begeben, daß er Anno 1500 in dem Wald bei Rauſchenberg, alß er ſich verirrt vnd zu ſeinen Leuten nicht wieder kommen können, mit dem Pferdt über einen Hauſſen gangen, vnd den Hals gebrochen, nach etlicher Zeit hat man Ihn in dem Wald todt liegend gefunden, der Cörper aber iſt halb verweſen geweſen, daß auch Schlangen vnd ander Vngeziefer auß dem Leib gekrochen, wie ſolches zu Marpurg an ſeinem auffgerichten Monumento zu ſehen iſt.“
Dieſe Sage erklärt die Seltſamkeit des Denkmals ſo bequem, daß ſie bald allgemeinen Glauben gefunden zu haben ſcheint. Wenigſtens ſetzten die Regierungsräthe
*) Aus den vom Geh. Nath F. B. Rieß mitgetheilten Acten in den Heſſ. Denkwürdigkeiten Th. IV, Abth. 2, S. 126— 143. Die Hauptſtelle S. 134.
*) Näheres darüber hat Liſt in den Heſſ. Denkw. Th. IV, 4 2, S. 147, und Juſti in der Vorzeit von 1821 S. 20 ff.


