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bemerkt. Sodann fehlen die unteren, in die Luft hervorſpringenden Ecken des Bilderdaches. Die dünnen Randſäulchen und Ecken der obern Platte, auf welcher ſich alle eben erwähnten Gegenſtände befinden, ſind ebenfalls verſtümmelt. Zwiſchen den 10 Bogen, worauf dieſe ruht, ſieht man ſodann 14 leere Stellen mit Löchern, in welchen früher unſtreitig kleine Wappen, Engelsköpfe oder andere dergleichen Sachen angebracht waren. Eben ſo iſt der darunter liegende Leichnam ſtark beſchädigt; beide Füße ſind mit großer Gewalt abgeſchlagen. Auch die Schlangen und Kröten ſind hart mitgenommen, und man bemerkt noch viele kleinere Beſchädigungen, die weniger in's Auge fallen.
Dieſer üble Zuſtand muß um ſo mehr auffallen, als nach einer alten Hand⸗ zeichnung, welche im Anfang des 17ten Jahrhunderts gemacht zu ſeyn ſcheint,“) das ganze Denkmal damals mit einem Gitter umgeben war, welches, nach ſeinen hakigen, den franzöſiſchen Lilien ähnlichen Spitzen zu ſchließen, aus Eiſen beſtand. Jetzt ſieht man auch nicht mehr die geringſte Spur dieſes Schutzmittels, ſelbſt nicht einmal in dem Fußboden, in welchem die Stäbe müßten eingegoſſen geweſen ſeyn. Wahrſcheinlich iſt es bei folgender Gelegenheit verſchwunden.
Um die Mitte des 17ten Jahrhunderts hatte ſich das Pflaſter unter dieſem Monumente ſo bedeutend geſenkt, daß die Landgräfin und Regentin von Heſſen, Hedwig Sophia, am 23. Mai 1671 eine Unterſuchung der Urſachen verordnete, welche indeſſen erſt im Dezember deſſelben Jahres, nach Ankunft eines Bildhauers, vorgenommen werden konnte;„da dan das Oberſte von Alabaſter ſtückweis zuſammen⸗ gefuegte Biltnuß durch den Bilthawer gemächlig abgenommen, nachgehendts das vnderſte Bilt vermittelſt vndergelegten Waltzen von dem Begräbnuß abgeſchoben vndt zum fundament gegraben worden, in dem grab hat man viel ſchwartze Lappen von Wul-tuch, worunter auch etwas weißes ſich vermercken laſſen, gefunden, auch noch eigentlich ſehen können, wie der eingefallene Sarck geſtanden, vom Cörper aber vndt deſſen gebeinen iſt nichts vorhanden geweßen, vndt darauß gemuthmaſſet worden, daß
*) Dieſe befindet ſich in einer Papierhandſchrift in klein Quart, welche unter den Manuscriptis Hassiacis der Caſſeler Landesbibliothek aufbewahrt wird und die Wappen der im Fürſtenchor zu Marburg befindlichen Monumente recht gut, ihre Figuren und Ornamente jedoch äußerſt roh und untreu in flüchtigen Federzeichnungen darſtellt. Da die Handſchrift weder einen Titel, noch ſonſtige Kennzeichen ihres Alters hat, ſo kann man dies nur aus den mit etwas blaſſer Dinte geſchriebenen Inſchriften ſchließen.


