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beſtehen in großen Steintafeln, welche theils wagerecht in den Fußboden gelegt, theils ſenkrecht an die Wände geſtellt ſind; andere in zierlichen mit Inſchriften verſehenen Wappenſchildern; die ſchönſten und merkwürdigſten aber in hohen rectangulären Steinſärgen, auf welchen die Bilder der beſtatteten Männer und Frauen meiſt in Lebensgröße liegen.
Zu den letzteren gehört auch dasjenige, welches wir jetzt näher betrachten wollen.*) Es ſtellt ebenfalls einen ſolchen rechteckigen Sarg von etwa 8 Fuß Länge, 4 Fuß Breite und 4 ½ Fuß Höhe vor, auf welchem die betende Geſtalt des gehar⸗ niſchten Landgrafen ruht. Hinter oder vielmehr(wenn man den Fürſten ſtehend denkt) über ſeinem Haupte iſt der heſſiſche Wappenhelm mit ſeinen Büffelhörnern angebracht, welche ſich mit dem zierlichen Stab⸗ und Leiſtenwerk des Bilderdaches verſchlingen, das hier eben ſo, wie ſonſt über Heiligenbildern, angebracht iſt. Reben den Füßen des Landgrafen bemerkt man Reſte von zwei Figuren, die wahrſcheinlich meſſeleſende Prieſter, und neben ſeinem Haupte Ueberbleibſel von zwei anderen Bildern, die wohl Engel vorgeſtellt haben mögen.
Die vier ſenkrechten Seitenflächen des Steinkaſtens ſind mit kleinen Säulchen und flachen Rundbogen verziert, welche indeſſen nicht, wie gewöhnlich, mit Wappen⸗ ſchildern oder trauernden Figuren gefüllt, ſondern ganz offen und durchbrochen ſind, ſo daß man einen freien Blick in das Innere des Sarges thun kann, wo man ein grauenvolles Schauſpiel erblickt. Auf einer am Kopf und den Füßen zuſammen⸗ gerollten Strohmatte liegt ein halbverweſter Leichnam, deſſen Bruſt von Schlangen zerwühlt wird, und auf welchem Kröten und Eidechſen herumkriechen. Dieſes Ekel und Grauen erweckende Denkmal iſt in allen ſeinen Theilen ſehr kunſtreich aus grauem Alabaſter**) gearbeitet, und ruht auf einer großen, mit vielen Leiſten gezierten Sandſteinplatte, welche das eigentliche Grab verdeckt. G
*) In der Vorzeit vom Jahre 1821 befindet ſich S. 16 eine ungefähre Abbildung dieſes Monu⸗ mentes, auf welcher indeſſen die Kröten in Mäuſe, die offenen Augen des Landgrafen in geſchloſſene u. ſ. w. verwandelt ſind.
*) Ob ſich Merians Nachricht(Topographia Hassiae p. 115), die fürſtlichen Epitaphia in Marburg ſeyen aus dem Alabaſter, welcher ſich in der Gegend von Morſchen findet, gemacht worden, auch auf das unſrige bezieht, werden diejenigen entſcheiden können, welche Gelegenheit haben, die dortigen Gypſe mit dem Geſtein des Monuments zu vergleichen.


