Aufsatz 
Das vermeinte Grabmal Landgraf Wilhelms III. von Hessen neu beleuchtet
Entstehung
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Ueber das vermeinte Grabmal Wilhelms III.

In den letzten Jahrzehnden des vorigen Jahrhunderts pflegten heſſiſche Schul⸗ männer in den kleinen Schriften, womit ſie ihre Landsleute zur Theilnahme an den öffentlichen Prüfungen der ihnen anvertraueten Zöglinge einluden, nicht ſelten einzelne Punkte aus der Geſchichte und den Alterthümern ihres Vaterlandes genauer zu behandeln. Auch ich folge diesmal dem erwähnten Gebrauche, indem ich eine früher gefaßte Idee ſo weit ausführe, als es der Mangel an einigen hierzu nothwendigen literariſchen Hülfsmitteln geſtattet. Der Gegenſtand dieſer Ausführung wird ein viel⸗ beſprochenes Denkmal ſeyn, welches ſchon ſeit langer Zeit durch ſeine auffallenden Vorſtellungen die ungetheilte Aufmerkſamkeit des gemeinen Volks ſowohl als der Gebildeten auf ſich zieht,*) und durch den gänzlichen Mangel einer ſeinen Zweck bezeichnenden Inſchrift den Gelehrten viel Gelegenheit zu Vermuthungen gegeben hat. Es iſt dies das vermeinte Grabmal Landgraf Wilhelms III. von Heſſen.

Beſchreibung des Grabmals.

Dieſes ſteht in dem älteſten Erbbegräbniß des heſſiſchen Fürſtenhauſes, nämlich in dem ſüdlichen Nebenchor der St. Eliſabethkirche zu Marburg, welches daher auch das Fürſtenchor genannt wird. Dort ſind beinahe die ſämmtlichen Landgrafen von Heſſen, welche vor der Reformation lebten, mit ihren Familien beſtattet und. größtentheils auch durch Denkmäler geehrt.*) Dieſe ſind aber von ſehr verſchiedener Art. Einige

*) Joh. von Müller(ſämmtliche Werke, B. 18, S. 184) ſchreibt darüber an Herrn Superintendent Juſti:Vieles moͤchte ich mit Ihnen ſehen, Vieles fragen. Ich exlaube mir nur Eins: der Sie von Rittern und Geiſtern ſo viel Schauerlich⸗Erhabnes ſangen, ſagen Sie mir nur in Proſa die Fabeln und Sagen von Wilhelms III. Grabſtätte.

**) Genaueres über dieſe giebt Juſti in dem Taſchenbuch: Die Vorzeit, von 1824 S. 12 ff. und von 1826 S. 310 ff.

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