39
interioris philosophiae partes ad artis leges revocatas tironihns tradere conere, verendum est, ne, ut ſit in rebus nimis occultis et difſicilibus, non ineites adolescen- tulos, sed frangas et remittas, aut etiam efficias, ut pueri hebeti superboque ingenio philosophiam loquantur, nihil intelligant, et quum civitati academicae adscripeti fuerint,
—
baum, in dieser Schleiermacher, Hegel, Ritter, Wermann verdient gemacht haben.— Ihr leset den Phädon — nun, Dau wirst wohl thun, lieber Frauz, wenn Du Dich bemühst, dem Denker in seinen Demonstra- tionen au folgen.— So magst Du Dich denn gekräftigt ung erhoben fühlen durch die Betrachtung eines Weisen, der so furchtlos sein würdiges Dasein beschliesst und Dir, der Du als Christ von der Unsterb- lichkeit der Seele aus stärkeren Gründen ahnehin überzeugt bist, besonfers das zu Herzen nehmen, was Sokrates iu Dezug auf unser Streben und Handeln aus dieser grossen Hoffnung ableitet. Wenn Du mit der Lectäre zu Eude gekommen bist, bin ich begierig zu hören, ob sie Die Lust gemacht hat, künftig als akademischer Bürger weitere Fahrten auf dem stillen Meere der platonischen Weisheit zu versuchen, oder überhaupt, ob diese Erstliuge des pbilosophischen Studiums Dich gereizt und angezogen haben zu tieferem Eindriugen. Ieh möchte es wünschen! Denn wie fremd Dir auch jetzt noch das cigentliche Geschäft und Wesen der Philosophie ist, so wirst Dn doch bereits aus so vielen fast in allen Classikern entbaltenen Andeutungen leicht entnommen haben, dass es kein anderes ist, als dies, die grosse Scene des Lebeus und Daseins allseitig zu beleuchten, damit die Zuschauer, die zugleich selbst auch allesammt Mitspieler sind, schen und erkennen mögen, was sie und was Andere eigentlich vorstellen und zur Auf- führung bringen sollen.— Wohl genüßt fär die Allermeisten, dass sie, jeder auf seinem Platze, bestimmt wisseu, was sie zunächst zu leisten haben; aber von dem Zögling der Wissenschaft kann man mit Recht fordern, dass er auf einer gewissen Höhe stehend eine freiere und hellere Aussicht habe über die Gesammttheit der meusehliehen Dinge. Und diese Forderung, nicht bloss einzelne Verhältnisse und Er- scheinungen, sondern den Lauf der Dinge und Begebenheiten im Ganzen zu begreifen und zu dem, was geschieht, auch das Waruam aufzusuchen: entspricht sie nicht einem tiefen Drang und Bedärfnisse des menschlichen Geistes?— Den Anfang mit diesem Nachdenken dessen, was der schaffende Geist vor- gedacht hat, haben, wie Du weisst, die Griechen gemacht, bei denen zuerst das Leben sich so gestaltete, dass höhere als die von Natur und Nothwendigkeit gebotenen Bedürfnisse rege werden konnten. Sie haben mit der ihnen eignen Frische des Geistes die neuerfundene WVissenschaft in kurzer Zeit zu einer bewundernswürdigen Ausbildung gefördert, und den kommenden Geschlechtern die Bahn gebrochen und reichen Stoff zur Verarbeitung hintenlassen. Scitdem ist der menschliche Geist nicht mehr stille gestanden, und besonders seit Beginn der neuen Zeit, nachdem das Reich der Ertabrungswissenschaften grössere Cultur gewonnen, iat mit steigendem Interesse fortgedacht und geforscht worden, so dass jetszt die Aufmerksam- keit nicht nur der Gelehrten, sondern des gebildeten Publikums überhaupt auf die Bewegungen gerichtet ist, die in diesem Gebicte von Zeit zu Zeit erfolgen. Willst Du also mit den wesentlichen Bestrehungen der denkenden Weit, mit den wichtigsten Leistungen der besten Köpfe— ja der Zeiten sell'st hekannt werden; willst Du Dein eignes Jahrhundert in seinem tiefaten Streben und Wollen verstehen, so darfst Du nicht Fremdling bleiben auf einem Felde, wo Erscheinungen auftauchen, die mächtigen Liufluss auf Wiasenschaft und Leben gewinnen. Gründlichkeit und Zusammenhang kann durch dieses Studium jn Dein Wissen, Klarheit in Dein producirendes Denken und. da keine Seelenthätigkeit isolirt wirkt, auch Tüchtigkeit und sichere Haltung in Deinen Charakter kommen. Dazu hat Liebe zur Philosophie mehr als alles andere die Kraft, das wissenschaftliche Studium im ganzen Leben rege zu erhalten. Viele werden durch die oft sehr mühevolle Praxis ihres Amtes der Theorie und Wissenschaft gäuzlich entfremdet; ihr futeresse dafür miudert sich von Jahr zu Jahr; wer aber einmal die Philosophie liebgewonnen, bleibt ini ganzen Leben voll lebendiger Theilnahme an allen geistigen Bestrebungen und wird nie Pbilister. Siehe um dieser wesenhaften Vortheile willen wünsche ich, dass Du jetzt schon bei Veranlassung der platouischen Studien aufmerksam werdest auf die regina disciplinarum, zu deren Studium die Universitat Dir bald mehr Musse gönnen wird.“— Fn. Cnruznn, das Studium der Alten in„Studien“ I. p. 18 n. Ad. etiam C. AcxuaxaAkk, das Christliche im Dlatan undl in der Platonischen P'hilosophie. Hamb. 1338.


