20
Ac mathematicorum quidem ratione a Graecis profecta, quae quantopere animum a sensibus avocet, inter omnes constat, in qua eum mira quadam argumentorum con- structione quicquid antecedit quamque rem id necessario cum re cohaeret, quo non concesso ne digitum quidem progredi possis, quid ad mentis mobilitatem levitatemque dispellendam aptius, quid ad cogitandi intentionem et copstantiam firmandam melius et praestabilius excogitari potest ⁴⁰)? Permultos equidem eius rei possum nominare
Philosophie, so weit sie der reifern Jugend angemessen ist, zu entzänden, und in ihren Vorhallen zu verbreiten. Sind demnach alle Kräfte des Jünglings auf seinem bisherigen Bildungswege harmonisch ent- wickelt und geübt; ist der wissenschaftliche Sinn durch gründliche Sprachstudien, welche den eingeübten historischen Stoff nach Maasgabe der Bildungsstufe immer auf die allgemeinen Denkhestimmunen der Kategorien und den lebendigen Begriff zurückführen, und in den besondern Worthildungen uud Gefügen nur ebenso viele eigenthümliche Gedankenbilder und Gepräge darstellen, geweckt worden; hat der mathe- matische Unterricht das zusammenhängende Denken geordnet, Aufmerksamkeit und Urtheil geschärft, die Erfindungs- und Verbindungsgabe geübt und erweitert; hat der junge Mensch sich auf dem Gehbiete der Beobachtung und Erfahrung in der Natur und Geschichte Einsicht und Umsicht erworben, sich gegen eitle Phantasiegebilde sicher gestellt und einen festen Lebensgrund gelegt; ist ihm endlich durch einen naturgemässen Religionsunterricht in der christlichen Glaubens- und Sittenlehre schon das Höchste im Ilimmel und auf Erden im eignen Gemüthe und Geiste klar geworden, und hat er auch auf dem Wege einer allgemeinen Religionsgeschichte die Offenbarungen eines göttlichen Geistes bestätigt und wieder gefunden: dann ist sejue Kraft zu höherer Geistesarbeit erstarkt, hinreichender Stoff zu reinwissenschaft- licher Gestaltung desselben gewonnen, das philosophische Dedärfniss geweckt, und jene Sehnsucht im Gemüthe lebendig geworden, welche strebt in das iunere Heiligthum des geistigen Lebens einzudringen. seine Entwickelung an der Vielheit der Aussenwelt von Stufe zu Stufe zu erforschen, und seine Ausbil- dung im Fortschritte durch die geistigen Lebenskreise der besondern Wissenschaften und Künste bis zu der Einen Grundwissenschaft des auf sich selbst ruhenden und bei der allgemeinen Bewegung unbewegten selbstthätigen Geistes als ewiger Wahrheit und göttlichen Urgrundes alles Lebendigen, worin alle äusser- lichen Gegensätze der Erscheinungen und ihre Vergötterung verschwinden, und sich zur Einheit des all- gemeinen Lebens in Gott, für Gott, und durch Gott aufheben und verklären, deutlich wahrzunehmen. Diesen rein wissenschaftlichen Zweck wird die Gelehrtenschule um so sicherer erzielen, je tiefer sie die allgemeine Bildung durch Sprache, Geschichte, Mathematik und Religion auf klassischem Wege begründet hat.“
¹⁰) Cfr. Fa. Gu. HorrnaxxI, rectoris Gymn. Budissensis, oratio programmati anni 1847 adiecta, p. 3, ubi hacc legiinus:„Quod mathematicas disciplinas attinet, non dubito, quin omnes vestrum, qui eas noverint, statim et sine ulla haesitatione mihi assensuri sitis affirmanti, hanc ipsam artem cam esse, ua duce et magistra et pueri et adolescentes nostri ad accurate et acriter cogitandum cum summo fructu et successu possint perduci. En enim huius artis est natura, ut non doceat solum, sed cogat plane et distinete cogitare, recte et acute iudicare, vere et incorrupte et quasi religiose argumentari, raliocinari et concludere. Si qua alia, haec sane ars est, quam veritatis artem possis dicere; omnia enim, quae tradit, ita sunt vera, ut falsa esse nequeant; nihil in ea locum habet, quod dubiaum vel ambiguum, quod non satis certum sit; atque eam ipsam ob causam eadem hacc ars omnes, qui diligenter eam discunt, a vero explorato ad verum explorandum, a cognito altero ad alterum, quod vere inde concluditur ac necessario sequitur, gravissima et plane singulari severitate adducit, atque ita ad summum veritatis amorem et studium discentes incitat.“— C. Kmcuxen,(direct, scholae Portensis), acad. Proyaedeutib, Leipz. 1342, p. 64:„Diese Wissenschaft(die Mathematik), welche die Betrachtung der rein formalen Grössenver- hältnisse des Raums und der Vielheit zum Gegenstande hat, ist, sofern sie den Geist auf seinem eigenen Gebiet, dem der abstracten Anschauung, beschäftigt und die ihm inwohnende Gesctzmässigkeit des Den. kens in der Betrachtung dieser Verhöltnisse systematisch entwickelt, als eine wahrhafte geistige Gymnastik zur Ausbildung der Subjectivität in der Richtung der abstracten Verstandestbätigkeit vor allen geeignet. Durch die Bündigkeit, Schärfe und Consequenz ihres Verfahrens gewöhnt sie den Geist zu einem streng


