Aufsatz 
Über die pseudoskopische Ablenkung paralleler Linien, wenn dieselben in gewisser Weise von Querstrichen durchsetzt sind
Entstehung
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besitzt. An demselben sind zwei der Länge nach durchbohrte Mikrometerschrauben von Messing aufgesteckt und fest gelötet. Der cylinderförmige Stab trägt oben einen Schraubenkopf mit Ein- teilung. Dreht man an letzterem, so werden hierdurch zwei Messingstücke, in welchen sich das Muttergewinde für die beiden Mikrometerschrauben befindet, gleichzeitig verschoben und damit auch die Enden der beiden um ihre Mitte drehbaren Längsstreifen mikrometrisch bewegt. Die Grösse der Verschiebung der Messingstücke kann an einer Millimeterskala abgelesen werden, die sich an der linken Seite des Rahmens befindet. Zufälligerweise hat meine Mikrometerschraube eine Schraubenganghöhe von genau 1 mm; es können deshalb die Zehntel und Hundertstel eines Milli-

meters oben am Schraubenkopf einfach abgelesen werden. Die kleinen Querstreifen(auf jedem Hauptstreifen sind deren 11 angebracht) haben eine Länge von 36 mm und sind in Abständen von je 20 mm um feste Centren an ihrem Hauptstreifen drehbar. Sämtliche Messingstreifen, Messing-

stücke und Klemmschrauben sind geschwärzt, wie auch der ganze Rahmen schwarz angestrichen ist.

Wenn die drei Längsstreifen mit ihren schrägenQuerstreifen zu einander objektiv parallel stehen, so erscheint nur der mittlere Streifen pseudoskopisch abgelenkt, während der erste und dritte Streifen sowohl objektiv als auch subjektiv parallel bleiben. Der mittlere Streifen kann nun durch eine Drehung um seine Mitte zu den beiden anderen Streifen subjektiv parallel gestellt werden, was durch Drehen am Schraubenkopfe bewerkstelligt wird. In dem Augenblick, wo dem Beobachter sämtliche drei Längsstreifen parallel erscheinen, wird die Grösse der Verschiebung des Messingstückes an der Millimeterskala und am Schraubenkopf abgelesen, und man weiss damit, wie stark die Täuschung gewesen ist.

Dadurch, dass bei dieser Konstruktion des Apparates nicht zwei sondern drei Längs- streifen verwendet sind, von denen der mittlere zu den beiden anderen parallel gestellt werden kann, ist der Beobachter mit grösserer Sicherheit zu sagen imstande, wann ihm die drei Streifen parallel erscheinen; denn die von dem Auge gemessenen Abstände homologer Punkte zur Be- stimmung des Parallelismus zwischen dem oberen und mittleren Streifen einerseits und dem mitt- leren und unteren Streifen andererseits kontrollieren sich gegenseitig.

Wie schon erwähnt, sind an dem Apparate auch unten drei Längsstreifen ohne Quer- linien angebracht. Diese haben den Zweck, den Beobachter in Bezug auf die Sicherheit seines Urteils über den Parallelismus von geraden Linien überhaupt zu prüfen. Dieses Urteil oder wie man im gewöhnlichen Leben sagt,Augenmass habe ich bei vielen Personen, namentlich bei Schülern und Leuten, die sich wenig oder gar nicht mit Zeichnen beschäftigt hatten, so unsicher befunden, dass ich derartige Leute für die weiteren Beobachtungen an den oberen drei Längs- streifen absolut nicht brauchen konnte.

Wie aus der Abbildung ersichtlich, ist noch am Fuss des Apparates ein Gradbogen an- gebracht. Hier befindet sich nämlich ein Scharniergelenk, das durch eine Schraube hinten fest geklemmt werden kann. Dadurch ist es möglich, dem ganzen Apparate nach rechts oder links eine beliebige Neigung bis zu 90°zu geben.

Sollen über den Parallelismus der drei oberen Längsstreifen mit dem Apparate Beobach- tungen angestellt werden, so wird derselbe einem Fenster gegenübergestellt, wodurch die ge- schwärzten Streifen auf der dahinter befindlichen durchscheinenden Glasplatte recht scharf hervor- treten und jeder störender Schattenwurf beseitigt ist. Der Beobachter sitzt auf einem Stuhle in bestimmter Entfernung vom Apparate und hat namentlich auch auf das Geradehalten seines Kopfes Bedacht zu nehmen. Eine zweite Person dreht am Schraubenkopf der Mikrometerschraube. Hierdurch verschiebt sich das links befindliche Messingstück noniusartig an der Millimeterskala. Zeigt der Index am Messingstücke genau auf den Nullstrich der Skala, dann sind die drei Längsstreifen objektiv parallel. Sollen sie nun alle drei subjektiv parallel sein, dann muss der Mittelstreifen an seinem linken Ende noch um einige Millimeter heraufgeschraubt werden.

Gewöhnlich wurden nach einander 10 Beobachtungen gemacht und daraus das arithmetische Mittel genommen. Vor der Beobachtung wurde das bewegliche Messingstück stark nach oben oder unten verschoben, und zwar abwechselnd, um einen etwa auftretenden konstanten Fehler zu eliminieren.

Im allgemeinen muss ich bemerken, dass es für den Beobachter durchaus nicht leicht ist zu sagen, wann ihm die Längsstreifen parallel erscheinen, und es erfordert Geschicklichkeit und Ubung im Beobachten, wenn man gut übereinstimmende Resultate erhalten will. Selbst Leute, die recht gutes Augenmass besassen, wie aus Beobachtungen an den unteren drei Streifen hervor-