Aufsatz 
Über die pseudoskopische Ablenkung paralleler Linien, wenn dieselben in gewisser Weise von Querstrichen durchsetzt sind
Entstehung
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Ferner wurde in Poggend. Annalen Bd. CXIV, p. 587 591, von Zöllner eine Vorrich- tung beschrieben, durch welche man imstande ist, die Grösse der pseudoskopischen Ablenkung paralleler Längsstreifen zu messen.

An zwei gegenüberstehenden Seiten eines quadratischen Messingrahmens, welcher 212 mm Seitenlänge im Lichten, 12 mm Breite und 7mm Dicke hat, laufen diesen Seiten parallel und von gleicher Länge mit denselben zwei Stahlschrauben, deren Gewinde von der Mitte aus nach ent- gegengesetzten Seiten geschnitten sind. Hierdurch lassen sich mit jeder Schraube gleichzeitig und nach entgegengesetzten Richtungen zwei Messingstückchen mikrometrisch verschieben, von denen je zwei an den gegenüberstehenden Quadratseiten durch einen 234 mm langen und 5 mm breiten Messingstreifen beweglich verbunden sind. Diese beiden Messingstreifen können demnach ver- mittelst der besagten Schrauben parallel oder um einen beliebigen Winkel gegeneinander geneigt eingestellt werden.

Auf jedem dieser Messingstreifen sind in Abständen von je 23 mm acht kleinere Streifen von 64 mm Länge und 5mm Breite derartig angebracht, dass man dieselben um feste Centren in der Ebene der Längsstreifen drehen und ihren jeweiligen Neigungswinkel zu den letzteren bestimmen kann. Die Enden dieser kleinen Streifen sind nicht abgerundet sondern geradlinig, so dass die Form der letzteren die eines länglichen Rechtecks ist.

Die Messungen mit dem beschriebenen Apparate wurden einfach in der Weise angestellt, dass der Beobachter aus einer gewissen Entfernung die pseudoskopisch abgelenkten Längsstreifen so lange im entgegengesetzten Sinne dieser Ablenkung verstellte, bis er die Streifen parallel sah. Aus dem gemessenen Abstande der oberen und unteren Drehungspunkte der Längsstreifen wurde alsdann der pseudoskopische Ablenkungswinkel nach der Formel:

dI

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berechnet, worin d die Differenz der gemessenen Abstände und 7 den Abstand der Drehungs- mittelpunkte eines Längsstreifens bedeutet. Dieser Abstand beträgt bei der beschriebenen Vor- richtung 234 mm.

Bei den Beobachtungen war die Vorrichtung so aufgestellt, dass sich die Längsstreifen mit ihren schrägen Querstreifen auf einer dahinter befindlichen, gleichmässig angestrichenen Wand projicirten, so jedoch, dass die Gleichmässigkeit des Grundes durch den Schatten des Apparates nicht beeinträchtigt wurde. Es kann dies sehr leicht dadurch bewerkstelligt werden, dass man für diesen Zweck eine nicht dem Fenster gegenüberstehende Wand wählt. Noch besser wird dieser Zweck erreicht, wenn man die Hinterseite des Rahmens mit Papier überspannt und die Vorrichtung alsdann einem Fenster gegenüberstellt.

Mit Hülfe dieser Vorrichtung gelang es Zöllner nachzuweisen:

1) dass die Stärke der Täuschung durch die Individualität des Beobachters bedingt wird,

2) dass die Grösse der pseudoskopischen Ablenkung paralleler Linlen von dem Neigungs- winkel der sie durchschneidenden Querlinien abhängig ist,

3) dasss bei der momentanen Beleuchtung durch den elektrischen Funken die Täuschung ebenfalls stattfindet und im allgemeinen beträchtlich stärker wird,

4) dass im homogenen roten Lichte eine Verminderung der Täuschung wahrnehmbar ist.

In Anbetracht der Wichtigkeit, welche die Beobachtungen mit dem erwähnten Apparate haben, indem wir hier imstande sind eine psychische Grösse messend zu verfolgen, habe ich mir die Aufgabe gestellt, die Beobachtungen Zöllners einerseits in grösserem Massstabe zu wiederholen, andererseits durch neue Messungen zu ergänzen.

Der Apparat, den ich für meine Messungen konstruiert habe, ist auf Taf. II abgebildet und besteht aus einem von Nussbaumholz angefertigten quadratischen Rahmen mit einer mattgeschliffenen Glasplatte als Rückwand. Auf dem Rahmen, dessen Seite 22 cm im Lichten misst, sind sechs Längsstreifen angebracht, von denen die oberen drei mit Querstreifen versehen sind, die unteren drei aber derselben entbehren. Sämtliche Streifen sind aus Messing gefertigt und überall 4 mm breit. Von den drei oberen Streifen sind der erste und dritte mittelst Klemmschrauben an dem Rahmen befestigt, der mittelste aber ist um eine zur Ebene der Glasplatte senkrechte Achse im Punkt M drehbar. Analoges gilt für die drei unteren Längsstreifen.

An der linken Seite des Apparates, der ganzen Seitenlänge desselben entsprechend, be- findet sich ein cylinderförmiger Stab von Stahl, der etwa die Dicke eines gewöhnlichen Bleistiftes

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