Aufsatz 
Steins Rücktritt aus dem preußischen Ministerium : und das sogenannte politische Testament / von Heil
Entstehung
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halt ſo, daß er genau ſeinen Anſichten entſprach. Damit war alſo dem Wunſche Rhedigers und ſeiner Geſinnungsgenoſſen Genüge geleiſtet; und daraus läßt ſich erklären, daß ſie nach Schöns Darſtellung nachher gegen das Teſtament keinen Einſpruch erhoben, obwohl es doch gar nicht ihren Abſichten ent⸗ ſprach. Als die Proklamation nicht die Genehmigung und Unterſchrift des Königs enthielt, machte Schön den Vorſchlag, eine Denkſchrift ähnlichen Inhalts an den Staatsrat zu richten, der vorausſicht⸗ lich bald in Thätigkeit treten ſollte. Schön konnte deshalb in der 1. Selbſtb. ſagen:Ich forderte ihn auf ꝛc.; denn dieſer Gedanke ging allein von ihm aus, in den andern Darſtellungen unterſcheidet er nur nicht zwiſchen ſeiner Abſicht und der ſeiner Freunde, und daraus mußten die Widerſprüche ent⸗ ſtehen, auf die wir bei der Betrachtung der Entſtehungsgeſchichte des Teſtaments geſtoßen ſind.

Daraus erklärt ſich auch die auffallende Bemerkung Schöns in der 2. Selbſtb.:Zu Auf⸗ ſtellung des politiſchen Teſtaments war wenig Zeit undzum Ordnen war wenig Zeit; der Vor⸗ ſchlag Schöns wurde eben erſt kurz vor dem 24. November gemacht.

Stein nahm den Vorſchlag nicht günſtig auf, weil er ſich keinen Erfolg davon verſprach, er ließ aber die Entwerfung des Teſtaments zu, die Schön unter Benutzung der Proklamation vornahm. Als er den Inhalt des Entwurfs kennen lernte und erfuhr, daß er in manchen Punkten über ſeine Überzeugung hinausging, war er natürlich noch weniger geneigt, ſeinen Namen darunter zu ſetzen. Wir glauben nicht, wie Pertz und Max Lehmann annehmen, daß er den Entwurf korrigiert und verändert habe; wenn die Reinſchrift weſentliche Milderung im Ausdruck zeigt, ſo wollen wir dies nach Schöns Angabe der Einwirkung von Dohna⸗Wundlaken zuſchreiben, denn wenn Stein korrigiert hätte, ſo würde er ohne Zweifel zunächſt die Punkte geändert haben, die ſeiner Überzeugung widerſprachen.

Schön mag ihm nun wiederholt vorgeſtellt haben, daß das Werk dennoch von Nutzen ſein könne, daß er es ſich ſelbſt, dem Könige und dem Lande ſchuldig ſei, kein Mittel unverſucht zu laſſen; er mag ihn beim Abſchiedsbeſuche noch einmal inſtändig darum gebeten haben, und Stein hat, halb von jenen Gründen überzeugt, halb um ſeinem Freunde die letzte Bitte nicht abzuſchlagen, vor ſeiner Abreiſe ſeinen Namen unter die Exemplare geſetzt und dieſe zur etwaigen Benutzung Schön überſandt, nicht aber an die Mitglieder des königlichen Conſeils herumgeſchickt.

Da nun der Staatsrat nicht ins Leben trat, ſondern im Gegenteil alles, was AÄhnliches beſtand, von den neuen Miniſtern abgeſchafft wurde, ſo fand das Teſtament keine Verwendung; es iſt deshalb nur natürlich, daß Schön in ſeinem Tagebuche nichts davon erwähnt, daß er Stein in ſeinen Briefen nichts davon berichtet, und daß dieſer ſich in ſeinen Antworten nicht danach erkundigt. Schön hat wohl nun einem und dem andern ſeiner Freunde ein Exemplar gegeben und auch eins dem Miniſter Dohna, der ihm ja nahe ſtand, überreicht. Er wird es natürlich auch nicht verſäumt haben, als Hardenberg wieder ins Miniſterium trat, und als dadurch die Reformfreunde neue Hoffnungen faßten, dieſen für ſeine Ideen zu gewinnen, indem er ihm das Teſtament als Richtſchnur für innere Politik anempfahl. Daher haben wir auch geſehen, daß Schön ſich in zwei Briefen an Hardenberg auf das Teſtament bezieht, aber gerade der eine lehrt uns, wo wir den Leſerkreis des Teſtaments zu ſuchen haben. Es heißt nämlich in dem Brief, den Max Lehmann aus dem Jahre 1810 veröffentlicht:Ich konnte nicht dabei ſtehen, wenn ich das, was Stein ſeinen Freunden in ſeinem Teſtament an's Herz gelegt ꝛc., es waren alſo die Freunde Steins, zu denen ſein Abſchiedswort bis dahin gedrungen war.

Als im Jahre 1817 das Teſtament in die Offentlichkeit drang, als es anfing Ruhm einzu⸗ tragen, da regt ſich auch alsbald bei dem Manne mit dem Wahlſpruche:

Thue das Gute und wirf es ins Meer;

Weiß es der Fiſch nicht, weiß es der Herr! der Neid, da wird ihm auf einmal klar, daß ja er der Verfaſſer iſt, daß alſo ihm der Ruhm gebührt. Deshalb tritt er erſt nach zwölf Jahren ¹) zum erſtenmal mit der Behauptung hervor, Stein ſei mit unbeſchreiblich großer Mühe dazu gebracht worden, ſeinen Namen unter das Teſtament zu ſetzen, natürlich will er Dohna andeuten, es ſei alſo unrecht, wenn er(wenn man in der Offeentlichkeit) das Teſtament Stein als Verdienſt anrechne. Je mehr das Teſtament bekannt wird, je mehr es Auf⸗ ſehen erregt, um ſo eifriger ſucht Schön der Welt klar zu machen, daß ihm allein das Verdienſt ge⸗

¹) Vergl. den Brief Schöns an Dohna vom 8. November 1820. Aus den Papieren Schöns. B. VI. S. 446.