Aufsatz 
Steins Rücktritt aus dem preußischen Ministerium : und das sogenannte politische Testament / von Heil
Entstehung
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uns der Anonymus keinen Aufſchluß, wann und bei welcher Gelegenheit dieſer Proteſt erfolgt iſt. Unſeres Wiſſens kann dieſe Behauptung aus Steins Schriften nicht belegt werden, ebenſo wenig wird uns aus den Stein befreundeten Kreiſen etwas Ähnliches gemeldet.

Auch erklärt uns der Verfaſſer nicht den Widerſpruch, der zwiſchen dieſer Thatſache und ſeiner andern Mitteilung beſteht, wonach Stein das Teſtament unterzeichnet haben ſoll. Wenn er dies wirk⸗ lich gethan hat, ſo hat eigentlich ein Proteſt gegen die Autorſchaft keinen Sinn; ob er das Schriftſtück ſelbſt abgefaßt hat, oder ob er es ſich durch einen ſeiner Räte hat anfertigen laſſen, iſt von geringer Bedeutung, von großer Bedeutung aber iſt, ob er es durch ſeinen Namen ſanktioniert hat; der Proteſt hätte alſo nur Sinn, wenn er die Vollziehung der Urkunde in Abrede ſtellte, oder wenn er ſich gegen ihre Verwendung und Auslegung gewandt hätte.

Von beſonderem Intereſſe iſt uns obige Schrift, inſofern ſie von niemand anders als von Schön oder doch von jemand herrührt, der ſie in ſeinem Auftrag und unter ſeiner ſpeziellen Inſpiration abgefaßt hat. Dafür haben wir die die allergewichtigſten Anhaltspunkte, die zu widerlegen ſelbſt dem Verfaſſer des BuchesZu Schutz und Trutz am Grabe Schöns ſchwer fallen dürfte, der einen harm⸗ loſenBroſchürenſchreiber dahinter vermutet. Der Verfaſſer kann nur ein Mann ſein, der mit den Vorgängen im Miniſterium aufs genaueſte bekannt war; bei jeder Gelegenheit zeigt er dies. So weiß er ſogar, um nur eins hervorzuheben, was Schön im Miniſterrat bei jener Gelegenheit geredet hat ¹), wo es ſich um die Auslieferung von zwei preußiſchen Offizieren an Soult in Elbing handelte, die an⸗ geblich die franzöſiſche Nation beleidigt hatten, übrigens eine Angelegenheit, bei der Schön mit Vor⸗ liebe verweilt, bei der er immer mit großem Selbſtgefühl hervorhebt, daß eine Stimme ſich dagegen erhob, und die eine war die ſeinige*²). Unter allen preußiſchen Staatsmännern aus jener Zeit iſt kein einziger außer Schön, der ſich nur annähernd ſo abſprechend über Stein geäußert hätte, wie dies in der Schrift geſchieht; hören wir nur:Ihm(nämlich Stein) fehlte Conſequenz und beſonnene Aus⸗ dauer. Dieſe gab ihm Schön, dem wir Unrecht thun würden, wenn wir ihn die rechte Hand Steins nennen wollten, den wir vielmehr den Kopf desſelben nennen könnten. Schön machte Stein zum Ge⸗ fäß ſeiner Ideen; Schön gab die Gedanken, Stein brachte ſie zur Ausführung. So werden wir jenem alſo unbedenklich die leitenden Ideen und die Entwürfe der von Stein ausgegangenen Reformen vin⸗ diciren können. Stein war durch und durch Ariſtokrat und trug ſich am liebſten mit Träumen mittelalterlicher Herrlichkeit. Manchmal ſtimmen bei dem Bericht einer Thatſache die Worte dieſer Schrift mit denen Schöns in der Selbſtbiographie faſt überein. Man nehme z. B. den An⸗ fang der Schrift:Auch in der Geſchichte giebt es Firmen, Namen, auf deren Conto Alles geſetzt wird ꝛc. Redewendungen, die Schön faſt ſo oft gebraucht, als er vom Teſtamente ſpricht; noch deut⸗ licher iſt dies in der Erzählung von dem Heldenmute Schöns dem Könige von Neapel gegenüber. In Preußens Staatsmännern heißt es Seite 18:Am 18. Decbr. 1812 kam der Landrath Seemann in unbeſchreiblicher Angſt zu ihm geſtürzt und meldete ihm, daß der König von Neapel, welcher nach Napoleons Entfernung von der großen Armee das Ober⸗Commando über die franzöſiſche Heerestrümmer übernommen hatte, den Befehl ertheilt habe, in der folgenden Nacht alle Kriegs⸗Magaziene, Vor⸗ räthe u. ſ. w. zu verbrennen. Bei der damals herrſchenden Kälte und da gerade ein heftiger Sturm wehte, war die Stadt, wenn der Befehl zur Ausführung kam, als verloren anzuſehen. Schön ſchickte den Landrath zum Adjutanten des Königs von Neapel und ließ dieſem ſagen, wie ein Funke aus einem Magazin⸗Gebäude ſprühe, werde er die Sturmglocke läuten laſſen; und er verbürge dafür, daß kein Franzoſe die Stadt lebendig verlaſſen ſolle. Seine Feſtigkeit hatte den gewünſchten Erfolg ꝛc. In der 1. Selbſtb. p. 80 lautet die Geſchichte:Am Abend vor der Abreiſe der Marſchälle kam der Land⸗ rath in der größten Beſorgnis zu mir, da er gewiß wüßte und auch aus den Anſtalten abnähme, daß die Franzoſen den Plan hätten, die einzelnen Magazin⸗Gebäude in der Stadt anzuſtecken. Es war ein ſcharfer Wind, und die ganze Stadt wäre dann unausbleiblich in Flammen aufgegangen. Ich ſchickte daher den Landrath ſogleich zum erſten Adjutanten von Murat und ließ dieſem ſagen, ich hätte den Befehl gegeben, daß mit der erſten Flamme aus einem Magazin⸗Gebäude alle Glocken Sturm

¹) Vergl. Preußens Staasmänner S. 9 und 10.Der Staat ſei nicht werth zu exiſtieren, der ſeine Bürger

nicht ſchützen könne. Die Schrift ſpricht von einem Patrioten, es waren aber nach Schön deren zwei. ²) Vergl. aus den Papieren Schöns: 1. Selbſtb. B. I. S. 45 und Scharnhorſt. B. IV. S. 562.