Aufsatz 
Steins Rücktritt aus dem preußischen Ministerium : und das sogenannte politische Testament / von Heil
Entstehung
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ſchied. Er enthält Alles, und der große Mann geht ſeiner würdig ab. Wir haben oben ſchon von Schön erfahren, daß es ſich raſch verbreitete, und daß es gut aufgenommen wurde,als das Teſtament bekannt wurde, rief Jeder, der es mit ſeinem Könige wohl meinte, wie die große Verbreitung zeigte, dazu: Amen ¹).

Es iſt ferner zu beachten, daß in dem erſten Jahrzehnt das Teſtament unter Steins Name bekannt war, und daß in dieſer Zeit Schön nirgends ſeine Autorſchaft geltend macht. So ſchreibt er an Hardenberg am 14. Juni 1810 ²):Ich konnte nicht dabei ſtehen, wenn ich das, was Stein ſeinen Freunden«in ſeinem Teſtamente ans Herz gelegt hat ꝛc., und an denſelben am 20. Auguſt 1810 ³); In Abſicht des Innern liegt Alles, was ich weiß, in dem Steinſchen Teſtament und in den darauf gegründeten Special⸗Plänen, die Graf Dohna beſitzt. Auch zum erſtenmal, wo das Teſtament vor die Offentlichkeit gebracht wird, geſchieht dies unter dem Namen Steins. Im Jahre 1817 erſchien nämlich in Weimar am 5. Februar in der Beilage zu Nr. 10 desOppoſitions⸗Blattes oder der Weimariſchen Zeitung ein Abdruck des Teſtaments, dem der Einſender, der aber ſeinen Namen nicht nennt, zur Erklärung in Klammern vorſetzt:Rundſchreiben, welches der Miniſter vom Stein, als er im Jahre 1808 das Miniſterium niederlegte, aus Königsberg an die oberſten Behörden der Preußiſchen Monarchie erließ.

Endlich haben wir dafür das Zeugnis von Klewitz, der im Jahre 1817, wie wir aus einer Anlage bei Schön erſehen), verſchiedene Thatſachen veröffentlichen und beſprechen wollte, darunter auch: Abſchieds⸗Schreiben des Staatsminiſters Freiherrn vom Stein, an die Mitglieder des Generaldepar⸗ tements Königsberg in Preußen, 24. November 1808. Er kam jedoch nicht dazu, obwohl er die Ge⸗ nehmigung Hardenbergs hatte,weil jeder Andere, der auch konnte, ſchwieg, und weil mich die Finanz⸗ plagen in Anſpruch nahmen).

Vom 8. November 1820⁶) haben wir einen Brief Schöns an den früheren Miniſter Grafen Dohna, in welchem er zum erſtenmal das Anrecht Steins an das Teſtament leugnet, da dieſer es ja ſo zu ſagen gezwungen unterzeichnet hat:Sie erwähnen die großen Ideen von Stein, und Sie zwingen mich, Ihnen zu ſagen, daß Stein nur mit unbeſchreiblich großer Mühe dazu gebracht iſt, das Teſta⸗ ment zu unterſchreiben, daß es tagelang dazu auf ſeinem Tiſche lag, und er nicht den Muth hatte, es früher herumzuſchicken, bis er zum Thore hinaus war. Im Verlaufe der Zeit geht Schön in ſeinen Anſprüchen immer weiter, als Steins Verdienſt läßt er nichts gelten, als daß er der Sache ſeinen Namen alsAushängeſchild¹) geliehen hat; er ſpricht von dem Teſtament nur noch als demſoge⸗ nannten Steinſchen politiſchen Teſtaments), er nennt es geradezumein politiſches Teſtament), mein liebes Kind ¹⁰), ſeine«confessio fidei» ¹¹), ja er geht, wie wir ſchon geſehen haben, ſo weit, daß er 1854 ſagt, ſo etwas könne Stein nicht geſchrieben haben.

So auffallend und rätſelhaft eigentlich ein ſolches Benehmen Schöns iſt, ſo wenig wird der erſtaunt ſein, der ſich erinnert, wie Schön ſich in allem, was das Teſtament betrifft, in Widerſprüche verwickelt. Es iſt geradezu naiv, um nicht mehr zu ſagen, wenn er behauptet oder andeutet, für ein ſolches Werk ſei Stein nicht der Mann geweſen. Wir wollen nicht noch einmal erwähnen, daß das Kunſtwerk gar nicht ſo bedeutend iſt, wir wollen nicht beſonders betonen, daß Schön ſich ſelbſt wider⸗ legt, indem er in der 1. Selbſtb. ſagt:Wäre das, was im Plane lag, aus ſeiner Seele gekommen, ſo hätte Stein dies politiſche Teſtament bei der Schärfe ſeiner Gedanken am beſten ſelbſt auf⸗ ſtellen können, wir wollen nur jeden Unbefangenen erſuchen, irgend eine Denkſchrift Steins durchzu⸗ leſen, und er wird ſich ein Urteil bilden können, ob Stein das Zeug hatte, ein ſolches Werk zu ver⸗ faſſen. Evidently the reason why Stein did not write the Testament himself was not be- cause it was too difficult, but because it was too easy» ¹²), meint Seeley in Bezug auf dieſen Punkt.

¹) Aus den Papieren Schöns. B. III. S. 220. ²) Kneſebeck und Schön, von Max Lehmann. S. 121. ³) Aus den Papieren Schöns. B. I. Anlagen S. 121.) Aus den Papieren Schöns. B. II. S. 131. ) Dies ſchreibt Klewitz am 14. Juni 1835 zur Erklärung obiger Anlage. Aus den Papieren Schöns. B. I. An⸗ lagen S. 63. ³⁶) Aus den Papieren Schöns. B. VI. S. 446.) Aus den Papieren Schöns: Schön an den Miniſter v. Rochow. B. III. S. 229.) Vergl. aus den Papieren Schöns. B. III. p. 215. S. 302 und mehrere. ¹⁹) Aus den Papieren Schöns: Schön an Miniſter v. Brünneck. B. III. S. 225. ¹⁰) Aus den Papieren Schöns: Schön an Miniſter v. Rochow. B. III. S. 229. ¹¹) Aus den Papieren Schöns: Schön an Miniſter v. Rochow. B. III. S. 229. ¹²) Seeley, Life and Times of Stein, vol II. S. 301.