Aufsatz 
Steins Rücktritt aus dem preußischen Ministerium : und das sogenannte politische Testament / von Heil
Entstehung
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Grundtöne deſſen, was ſucceſſive ins Leben treten ſollte, in der Form eines politiſchen Teſtaments den damaligen Mitgliedern des Conſeils um den König und den Königlichen Prinzen mitzuteilen, allein von Schön aus. Stein wollte nicht darauf eingehen, und nur aus Pflichtgefühl gegen den König und das Land ließ er ſich näher auf den Plan ein; weil er jedoch nie mit ganzer Seele dabei war, faßte er das Teſtament nicht ſelbſt ab, ſondern überließ dies Schön, der nur in den Punkten über Kirche und Schule den Beiſtand von Nicolovius in Anſpruch nahm. Der Entwurf ſagte Stein zu, aber mannigfache Bedenken, vielleicht weil der Inhalt der Schrift bei ſeinen alten Freunden Anſtoß erregen konnte, ließen ihn die Vollziehung bis zum Morgen ſeiner Abreiſe verſchieben..

Durch den Verfaſſer vonZu Schutz und Trutz am Grabe Schöns erfahren wir eine dritte Außerung Schöns über die Entſtehung des Teſtaments¹). Danach faßte Rhediger den Plan,durch eine Publikation dem Volke das wiſſen zu laſſen, was zur Erhöhung des Volkscharakters ſeit dem Tilſiter Frieden geſchehen ſei, und was man noch zu thun beabſichtigt habe. Schön ſtimmt ihm leb⸗ haft bei und teilt den Gedanken Stein mit, indem er voll Eifer die Vorteile desſelben hervorhebt und namentlich auf den Ruhm hinweiſt, der daraus dem erwachſen müßte, der ſeinen Namen dazu hergeben würde. Stein war wenig von dem Vorſchlage erbaut, erlaubte aber doch, daß Schön einen Entwurf machte. Sein Eifer für die Sache wuchs auch nicht, als ihm dieſer vorgeleſen wurde, obwohl er keine Einwendungen gegen den Inhalt machen wollte. Dagegen ließ er aus dem Entwurf, ſoweit er ihn billigte, eine Proklamation ausarbeiten, welche der König an das Volk erlaſſen ſollte, verſchwieg aber Schön, daß er dieſe dem Könige zur Unterſchrift vorgelegt habe, weil er Schöns Mißbilligung voraus⸗ ſah. Dieſer drängte täglich auf Vollziehung des Teſtaments; endlich am Tage ſeiner Abreiſe willfahrte ihm Stein, nachdem Schön ihm am Tage zuvor darauf das Ehrenwort abgenommen hatte. Fügen wir noch hinzu, was Schön von dem Teſtament in einem Briefe an den König Friedrich n hll,. vom 14. Dezember 1840 ²) ſagt:Es fand eine hohe Theilnahme und verbreitete i nell.

Es wird jedermann beim Leſen dieſer drei Berichte auffallen, daß keiner dem andern gleich iſt, ſondern daß jeder teils neue Geſichtspunkte einführt, teils bekannte weſentlich verändert; es iſt dies um ſo bemerkenswerter, als daraus der naturgemäße Schluß gezogen werden muß: Entweder weiß Schön ſelbſt nicht mehr den Verlauf dieſer Angelegenheit, oder er hat ſich in Widerſprüche verwickelt, weil er abſichtlich die Sachen anders darſtellt, als ſie ſich ereignet haben. Welche dieſer beiden Mög⸗ lichkeiten die richtigere iſt, wird ſich im Verlauf der Abhandlung zeigen, jedenfalls aber ſind gegründete Zweifel über die Richtigkeit der Schönſchen Schilderung zuläſſig.

Wenn wir jetzt an der Hand obiger Darſtellungen der vielbeſtrittenen Autorſchaft des Teſta⸗ ments näher treten, ſo geſchieht dies, indem wir eine Anzahl Fragen erörtern.

1) Von wem ging der Plan aus, eine Kundgebung ergehen zu laſſen?

Nach den drei Zeugniſſen Schöns darf als gewiß angenommen werden, daß dieſer Plan nicht dem Kopfe Steins entſprungen iſt, ſondern daß er von ſeinen Freunden darauf aufmerkſam gemacht wurde; ebenſo ſicher iſt aber, daß dies auch nicht von Schön behauptet werden kann, obwohl er in der erſten Selbſtbiographie ſich allein dieſes Verdienſt beimißt; denn im Januar 1854(damals hat Schön den Artikel geſchrieben, denZu Schutz und Trutz anführt) geſteht er dies offen zu, und aus der Darſtellung in der zweiten Selbſtbiographie läßt es ſich vermuten.

2) Welches war der Plan, und an wen war er gerichtet?

Unter dem Miniſterium Stein waren eine Reihe von Geſetzen teils in Kraft getreten, teils angebahnt worden, die bei einem Teile der Staatsmänner jener Zeit den lebhafteſten Widerſpruch ge⸗ funden hatten, die aber namentlich unter dem Adel geradezu verhaßt waren. Als nun bei dem Rücktritte Steins der König ſeine neuen Miniſter wählte und Männer erkor, deren Billigung des Steinſchen Regimes höchſt zweifelhaft war, mußten Stein ſowohl wie ſeine Freunde befürchten, ihr Werk nicht allein gehemmt, ſondern auch die durch das Geſetz gebilligten Reformen in Frage geſtellt zu ſehen.

Um dies zu verhindern, kam es darauf an, dem Volke, dem die Reformen zu gute kamen, das aber wegen der Kürze der Zeit deren Wohlthaten weniger empfinden und würdigen konnte, ihre

¹) Zu Schutz und Trutz am Grabe Schöns. S. 269 und 270. ²) Aus den Papieren Schöns. B. III. S. 219.