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er nicht die hämiſche Bemerkung unterdrücken:„Vielleicht über ſeinen Schützling, den König von Würtemberg“ ¹).
So auffallend ſind die Widerſprüche zwiſchen früherem Lob und ſolchem Tadel, daß Schön ſelbſt ſich zu der Randbemerkung in ſeinem Tagebuche aus dem Jahre 1808 veranlaßt fühlt:„Die große Hoffnung bis zur Entfernung Steins, ſein Mitgehn, oder auch nur Gehenlaſſen zum Beſſern, ſeine plötzliche Entlaſſung, und die Gewißheit des Rückſchritts nach ſeiner Entfernung trafen ſo ſchnell aufeinander, daß in dieſem Momente das Bild Steins mehr Licht, und die folgende Zeit, freilich nur wenig, zu viel Schatten bekam, als beiden zukam“ ²).
Was hat denn Stein gethan, fragt man ſich unwillkürlich, was ſolche Urteile rechtfertigt, was aus ſeinem eifrigſten Verehrer einen unverſöhnlichen Gegner macht, der ihn bei jeder Gelegenheit nicht allein herabſetzt und verkleinert, nein, der geradezu von Haß gegen ihn beſeelt iſt? Forſcht man bei Schön nach, ſo ſucht man vergeblich. Zwar läßt ſich ſeine Mißſtimmung im Jahre 1812 zum Teil daraus erklären, daß Stein als Vertreter der Ruſſen in der deutſchen Verwaltungskommiſſion manchmal die Abſichten Schöns durchkreuzt haben mag; aber nach deſſen eigener Ausſage⁵) iſt es ja Steins Verdienſt, daß Preußen 1812 von Rußland als unabhängiger Staat anerkannt wurde, daß nach den verlorenen Schlachten von Görſchen und Bautzen Kaiſer Alexander ſich nicht nach Polen zurück⸗ zog und ſo Schleſien und Preußen preisgab, ſein Einfluß war alſo durchaus nicht Preußen feindlich und dennoch dieſe Bosheit! Nirgends führt er eine That an, wodurch Stein ſeine Achtung verloren habe, ja überall ſtößt er mit ſeiner Anſicht auf Widerſpruch; ſo ſchreibt z. B. Dohna an Schön:„Thun Sie aber Stein nicht Unrecht? Wäre es möglich, daß Stein ſich mit dem Schlechteſten amalgamirte, oder auch nur coaliſirte, auf jeden Fall ſcheint mir Steins Einwirkung auf die hohen Häupter in dem jetzigen Zeitpunkt von der äußerſten und höchſten Wichtigkeit“ ⁴); ferner vom 20. Mai 1814:„Mögen Sie gegen Stein noch ſo viel zu erinnern finden, ſo werden Sie immer zugeben müſſen, daß er ein Mann von vorzüglichem Geiſt und eines edlen Aufſchwungs und den Einwirkungen edler und beſſerer Menſchen fähig iſt. Es iſt doch ein ungeheurer Unterſchied zwiſchen Stein und Hardenberg ec..)“ Nein, man kann dieſen Widerſpruch nicht anders löſen, als indem man ſagt, im Jahre 1808 ſprach der dankbare Schüler, der Freund Steins, ſpäter von 1812 an ſpricht der ſelbſtbewußte Staatsmann, der Nebenbuhler Steins. Schön ſieht in ihm nicht mehr den großen Reformator des Staates,„den Einzigen, der damals helfen konnte“ ⁶), von dem Niebuhr ſchreibt: Tu es Petrus et supra hanc petram edificabo ecclesiam meam ⁷), und dem ſein König das Zeugnis ausſtellt,„den erſten Grund, die erſten Impulſe zu einer erneuerten, beſſeren und kräftigeren Organiſation des in Trümmern liegenden Staatsgebäudes gelegt zu haben“s); er ſieht in ihm von jetzt ab nur noch das Gefäß, in das er ſeine Gedanken gegoſſen, und das für ſeine Pläne die Firma abgegeben hat.
Um dies ſich ſelbſt und andere glauben zu machen, muß er Stein herabſetzen, muß er ihn als jenen Strohmann ſchildern, der mehr nachteilig als vorteilhaft gewirkt hat, der nur durch die An⸗ regung und Hilfe anderer gezwungen und doch wieder unbewußt ein vernünftiges Werk zuſtande ge⸗ bracht hat. So lag nach Schön das Edikt vom 9. Oktober 1807 bei der Ankunft des neuen Miniſters fertig da bis zur Ünterſchrift, deren Ausführung das einzige Verdienſt iſt, das Stein an jenem epoche⸗ machenden Ereignis gebührt. So kam die Städteordnung zu ſtande; andere(Rhediger) hatten den Plan entworfen, der Celebrität zu Liebe wird ſie von Stein zur Proklamierung vorgeſchlagen. Andere Errungenſchaften jener Tage, z. B. die Verbeſſerungen in der inneren Verwaltung des Staates, bei denen die Ableugnung Steins alleiniger Urheberſchaft mit mehr Schwierigkeit verknüpft geweſen wäre, werden mit Stillſchweigen übergangen. Vor allem aber wird bei jeder Gelegenheit betont, daß Stein unfähig geweſen ſei, Ideen zu konzipieren; denn dazu bedarf es philoſophiſcher Bildung, die Stein voll⸗
¹) Aus den Papieren Schöns. B. VI. S. 416.— ²) Aus den Papieren Schöns. B. II. S. 47 und 48. — ²) Aus den Papieren Schöns. B. I. S. 163.— ⁴) Aus den Papieren Schöns. B. VI. S. 242.— ⁶) Aus den Papieren Schöns B. VI. S. 335; außerdem mögen noch manche andere Stellen in Dohnas Briefen enthalten ſein, die zu Steins Gunſten ſprechen, die aber in den Papieren nicht abgedruckt ſind; verweiſt uns doch z. B. Schöns Ant⸗ wort vom 8. November 1820 auf einen Brief, in dem Dohna von großen Ideen Steins geſprochen haben muß.— ⁶) Aus den Papieren Schöns: Altenſtein an Schön. B. II. S. 31.— ⁷) Aus den Papieren Schöns: Niebuhr an Schön. B. II. S. 98.— ⁸³) Pertz. Steins Leben. B. II. S. 299.


