Aufsatz 
Steins Rücktritt aus dem preußischen Ministerium : und das sogenannte politische Testament / von Heil
Entstehung
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überein, daß, weil keine Veränderung im eben errichteten Miniſterio vor der Hand durchzuführen war, wir nicht mit den Ereigniſſen mitſinken wollten ¹). Er giebt damit die unleugbare Thatſache zu: Stein war die Seele der Reformen, und nur ſein Genius vermochte den großen Ideen jener Zeit Gel⸗ tung zu verſchaffen.

II.

Bei der Betrachtung des zweiten Teils dieſer Aufgabe, nämlich des ſogenannten politiſchen Teſtaments Steins, möge man zunächſt die Erörterung einer Erſcheinung geſtatten, die bei der Löſung der Frage, in welchem Verhältnis Stein zu dem politiſchen Teſtamente und dadurch zu Schön ſtand, nicht unweſentlich ſein dürfte.

Wenn man nämlich die Aufzeichnungen Schöns(ſoweit ſie uns in dem WerkeAus den Papieren des Miniſters und Burggrafen von Marienburg Theodor von Schön, Band 16, vorliegen) unbefangen durchlieſt, wird man ſich des Staunens nicht enthalten können, wenn man ſieht, in welch merkwürdiger Weiſe ſich die Meinung Schöns in betreff der Perſon und Tüchtigkeit Steins ändert.

In dem Jahr 1808 war Steinder Geiſt, der alles belebte ²), da war ſein Vorſchlag Schöns zum Finanzminiſterdas Ehrenvollſte ³), das ihm begegnen konnte, da geſtand Schön:Ohne Stein ging es mit mir nicht. Ich wäre lächerlich geworden¹); da ſchreibt er bei dem Rücktritt des Miniſters: Noch niemals hatte ein Miniſter die Popularität, die Stein hat. Es iſt ein Eifer für ihn. Gott ſtehe uns bei! Er will, daß ich Dohna beiſtehe, weil er es will, will ich es thun. Mein Gemüth iſt ſo unruhig, ſo bewegt, ich konnte ſo angenehm träumen und Alles iſt dahins). Dies ſind doch Worte, die von einer Begeiſterung zeugen, wie wir ſie nur für unſer Ideal empfinden, und dabei iſt hervorzuheben, daß dieſe Worte ſich nicht etwa in einem Briefe, nicht in einem Anſſatze für andere befinden, wo man eine gewiſſe abſichtliche Verherrlichung vermuten könnte, ſondern in einem Tagebuche, dem der Verfaſſer ſeine eigenſten und innerſten Gedanken anvertraut.

Wie ganz anders lauten ſeine ſpäteren Urteile über Stein!Von der allgemeinen ſoliden, wiſſenſchaftlichen Bildung, von der hohen Klarheit im ganzen Staatsweſen, von der Auffaſſung von der hohen Idee des Staats und deren Verkörperung im Lande war bei Stein nichts zu finden. Da⸗ gegen brachte ſein ſprudelnder Geiſt einzelne Blitze hervor, welche zwar nicht Wiſfenſchaft und Bildung oder die klare Idee des Staats zur Baſis hatten, welche aber doch ſo treffend und ſchlagend waren, daß man einen wiſſenſchaftlich gebildeten Geiſt, und volle Erkenntniß des Staatsweſens als Baſis des⸗ ſelben vermuthete. Es waren aber nur Blitze, denen öfters der Zuſammenhang fehlte, und die bei dem Blitzenden auch weder Bewußtſein noch Zuſammenhang hatten). Man traut ſeinen Augen nicht, wenn man lieſt:Stein, das Aggregat von Licht und Funken, freilich in der Regel nur kleine, und Perſönlichkeiten, weiß nicht, was er ſoll und was er will*¹).Die ganze Generation, aus der Stein iſt, muß doch erſt zu Grunde gehen, wenn es beſſer werden ſoll. Kein Gedanke, keine Idee, keine Treue, kein Glauben. Pfiffigkeit, mit etwas Kenntniß und Witz gepaart, aber ohne Kopf, ohne Herzs).In Hardenberg war zuweilen noch ein Anflug von Rechtlichkeit und Würde im öffentlichen Leben, aber nur ein Anflug, der das Handeln nicht beſtimmen konnte, bei Stein war davon noch weniger, ſo rechtlich und auch wohl(bei Stein mit Ausnahmen) edel beide Männer im Privat⸗ leben waren).

Wie ihn jedes anerkennende Urteil über Stein empört, zeigt ſeine beißende Bemerkung über Eichhorn:Eichhorn, ſchreibt Schön am 8. März 1815 an den früheren Miniſter Dohna,iſt unter aller Kritik. Für das Controlweſen muß er ſehr blanke bekommen haben. Darum beſteht auch das Buch großentheils aus dem Worte: Stein; dabei iſt das Ding ein wahres Pasquill auf Stein ¹0). Sogar als er Dohna die traurige Nachricht meldet:Stein iſt in Naſſau gefährlich krank ¹¹), kann

¹) Vergl. Schön. B. I. S. 60. ²) Aus d. Papieren Schöns. B. II. S. 63. ³) Aus d. Papieren Schöns. B. II. S. 50. ¹⁴) Aus d. Papieren Schöns. B. II. S. 50. ³) Aus d. Papieren Schöns. B. II. S. 53.) Aus den Papieren Schöns. B. I. S. 33.) Aus den Papieren Schöns. B. IV. S. 7.) Aus den Papieren Schöns. B. IV. S. 40.) Aus den Papieren Schöns. B. IV. S. 361. ¹1⁰) Aus den Papieren Schöns. B. VI. S. 370.) Aus den Papieren Schöns. B. VI. S. 416. 2*