Aufsatz 
Steins Rücktritt aus dem preußischen Ministerium : und das sogenannte politische Testament / von Heil
Entstehung
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Wie ſchon geſagt, ſuchte der König jedes Mißtrauen Napoleons ängſtlich zu vermeiden, er war der feſten Überzeugung, daß dies nur möglich ſei, wenn die Entlaſſung Steins aus dem Staats⸗ dienſt vollſtändig ſei; und er ging noch weiter als Hardenberg, er vermied es ſogar, jedenfalls durch die der Entlaſſung bald folgende ÄAchtung noch vorſichtiger gemacht, gelegentlich den Rat ſeines früheren Miniſters einzuholen, bis durch die Ereigniſſe der Jahre 1812 und 1813 die Verhältniſſe eine andere Geſtalt angenommen hatten.

Auch bei der Entſcheidung einer andern Frage hat Hardenberg weſentlich mitgewirkt, nämlich bei der, wie in Zukunft die Stellen im Miniſterium zu beſetzen ſeien. Stein hatte dem Könige vor⸗ geſchlagen, für die Zukunft die Obliegenheiten ſeiner ſeitherigen Stelle zu teilen und einen Miniſter für die Finanzen, einen andern für die inneren Staatsangelegenheiten zu ernennen. Indem er für den erſten Poſten Herrn von Schön, für den andern den Burggrafen von Dohna⸗Schlobitten(Kammer⸗ präſident in Marienwerder) vorſchlug, glaubte er zwei Männer empfohlen zu haben, die ihren Stellungen gewachſen waren und zugleich eine gewiſſe Sicherheit boten, daß die Ideen, die er ins Miniſterium gebracht hatte, nicht verlaſſen, ſondern gefördert und weiter ausgebildet würden; er zweifelte um ſo weniger daran, als er hoffte, auf ihre Entſchlüſſe einen weſentlichen Einfluß ausüben zu können. Da⸗ mals glaubte er ja noch, künftighin als Geheimer Staatsrat im Miniſterium zu wirken, dann aber hatte er ſich bei dieſem Vorſchlag ſicher auch des Rates des Miniſters v. d. Goltz erinnert und dem Könige zwei Männer empfohlen, die er zwar unzweifelhaft für geeignet hielt, die aber auf der andern Seite ihm verbunden waren, ſo daß er hoffen konnte, ſie würden ſeinen Rat nicht von ſich weiſen.

Hardenberg hatte bei ſeiner Unterredung mit dem Könige anſtatt von Schön den ſeitherigen Finanzrat Frhrn. von Altenſtein empfohlen. Die Gründe dafür giebt er in ſeiner Denkſchrift nicht an, ſondern beruft ſich darin auf ſeine mündlichen Ausführungen; es läßt ſich aber annehmen, daß Harden⸗ berg dieſen aus rein perſönlichen Gründen vorſchlug, er war mit Altenſtein befreundet und hoffte, durch ihn am Hofe ſelbſt wieder größeren Einfluß zu gewinnen.

Der König ließ ſich durch Hardenberg beſtimmen, Altenſtein zum Finanzminiſter und den Grafen von Dohna, den Hardenberg ebenſo wie Stein empfohlen hatte, zum Miniſter des Innern zu ernennen. Es war ſchon vorher durch Nagler und die Feinde Steins zu Gunſten Altenſteins gearbeitet worden, vielleicht iſt auch die Königin für dieſen eingetreten; denn es war bekannt, daß Schön, ähnlich wie Stein, ein Gegner der damals geplanten Reiſe nach St. Petersburg war, von der gerade die Königin lebhaft wünſchte, daß ſie zur Ausführung gelangen möchte.

Wie bekannt, hat das neue Miniſterium durchaus nicht den Erwartungen entſprochen, die Stein und die Freunde der Reform auf es geſetzt hatten. Es iſt dies um ſo erſtaunlicher, als ja doch deſſen ganze Zuſammenſetzung mit Ausnahme Altenſteins dem Vorſchlage Steins entſprach, und als auch dieſer nach dem allgemeinen Urteile kein Mann der alten Schule war,im Gegentheil, ſagt Schön,er hatte an dem neuen Leben unter Stein Antheil genommen ¹). Entweder hat ſich alſo Stein in ſeinen Leuten vollſtändig geirrt, oder er hat ſeinen Vorſchlag unter einer Vorausſetzung gemacht, die nachher nicht gegeben war. Es iſt anzunehmen, daß das letztere der Fall war, er hat die Männer vorgeſchlagen und auf guten Erfolg gerechnet unter der Bedingung, daß er als Geheimer Staatsrat anregend auf die Miniſter und bei allen wichtigen Beſchlüſſen beſtimmend wirken würde. Da dies aber nicht der Fall war, da er überhaupt nicht den geringſten Einfluß ausüben konnte, nahmen die Geſchäfte nicht den gewünſchten Lauf. Man ſchritt auf der einmal betretenen Bahn der Reformen nicht nur nicht weiter, ſondern man ließ ſogar manches achtlos beiſeite liegen, worauf Stein das größte Gewicht gelegt hatte, und was für die Entwickelung in ſeitherigem Sinne von der allergrößten Bedeu⸗ tung war. So kam, um nur eins anzuführen, die vom Könige genehmigte Verordnung vom 24. No⸗ vember, Steins eigenſtes und Lieblingswerk, gar nicht zur Ausführung. 3

Auch wenn Schön Finanzminiſter geworden wäre, würde der Verlauf der Staatsgeſchäfte kaum anders geweſen ſein; er hat es ja als Geheimer Staatsrat in Gemeinſchaft mit Humboldt verſucht, in Steins Sinne zu wirken, zog ſich aber bald zurück und geſteht ſelbſt zu:Seit dem Abgange Steins konnten meine Gedanken ſich nicht mehr mit dem, was geſchah, vereinigen, und ich kam mit Humboldt

¹1) Vergl. Schön. B. I. S. 59.