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dingt durch die Erledigung der Nachfolgerfrage und der Geſchäfte, die ein Miniſterwechſel mit ſich bringt. Wie wenig ſich die Geſinnung des Königs den Reformplänen Steins gegenüber geändert hatte, zeigt er dadurch, daß er gerade in den letzten Tagen zwei der wichtigſten Akte vollzog, nämlich am 19. die Städteordnung und am 24. November die Verordnung, die veränderte Verfaſſung der oberſten Verwaltungsbehörden in der Preußiſchen Monarchie betreffend.
Mit obiger Darlegung fällt auch die Behauptung, die manchmal geltend gemacht wird, als ob Hardenberg einen weſentlichen Anteil an dem Sturze Steins gehabt hätte, wiewohl gleich hier an⸗ erkannt werden ſoll, daß die von Hardenberg dem König überreichte Denkſchrift vom 12. November 1808 ¹) in anderer Beziehung einen nicht unbedeutenden Einfluß auf den König ausgeübt hat.
Hardenberg, der mit Nagler und Altenſtein in engerem Verkehre ſtand, traf jedenfalls auf deren Anregung auf ſeiner Reiſe von Tilſit nach ſeinem Gute Tempelberg im Kreiſe Lebus zweimal mit dem König und der Königin zuſammen. Bei dieſer Gelegenheit wurde vom König die Meinung Hardenbergs über die damals wichtigen Tagesfragen eingeholt; auf Wunſch des Königs hat Hardenberg ſeine Auseinanderſetzungen in einer Denkſchrift niedergelegt, die dem König am 13. November über⸗ reicht wurde. Die darin ausgeſprochene Anſicht über Steins Entlaſſung konnte nur dazu dienen, den König in ſeiner Meinung zu beſtärken; denn auch Hardenberg meinte, daß das Verbleiben Steins im Miniſterium unmöglich, daß aber vorläufig das Eintreffen des Miniſters v. d. Goltz abzuwarten ſei.
Noch in einem anderen Punkte begegneten ſich die Anſichten Hardenbergs und des Königs, nämlich in der Beurteilung der von Stein vorgeſchlagenen Proklamation an das preußiſche Volk. Wie ſchon erwähnt, war der König aus Gründen der Politik gegen eine ſolche Kundgebung, die ſicher den Verdacht der Franzoſen wachgerufen hätte, um ſo mehr als der Schluß, wo Stein„von einem durch Unglück zwar gebeugten, aber um ſo feſter vereinten, um ſo inniger an ſeinen Fürſten geſchloſſenen Volke“ ²) und von„herrlich zu erfüllenden Hoffnungen“ ²) ſpricht, nicht leicht mißverſtanden werden konnte. Hardenberg äußert ſich über dieſen Gegenſtand:„Ein Hauptgrundſatz in Ew. Königl. Majeſtät Politik, über den ich ebenfalls Gelegenheit hatte, mich mündlich näher zu äußern, und daher hier in kein weiteres Detail eingehe, muß jetzt meines Erachtens ſein, alles Aufſehn ſorgfältigſt zu vermeiden. Und was macht wohl ein größeres und gefährlicheres Aufſehn, als eine unvorſichtige und einſeitige Bearbeitung des Volkes?“
Dieſe Worte fanden um ſo mehr einen Widerhall in dem Herzen des Königs, als er ja nichts mehr zu vermeiden ſuchte als einen Konflikt mit Frankreich.
Die Furcht vor dem Unwillen Napoleons war es ja auch, die den König bewog, Stein nicht nur aus dem Miniſterium, ſondern überhaupt aus dem Staatsdienſte zu entlaſſen. Befürchtungen dieſer Art in Friedrich Wilhelm wachgerufen oder wenigſtens zum Bewußtſein gebracht zu haben, iſt das alleinige Werk Hardenbergs.
Bei allen Fragen, die den Miniſterwechſel betrafen, haben der Miniſter des Auswärtigen,
Graf v. d. Goltz, und der Kaiſer Alexander von Rußland einen weſentlichen Einfluß auf die Ent⸗ ſcheidung des Königs ausgeübt. Beide haben auch ihre Meinung über Steins zukünftige Stellung zu dem neuen Kabinett abgegeben, wir kennen ſie aus Briefen, die zwar an Stein gerichtet ſind, aber auch dem Könige gegenüber haben ſie unzweifelhaft dieſelbe vertreten, ohne ihn deshalb dazu bekehren zu können. — Letzterer riet Stein, ſich ſo zu dem neuen Miniſterium zu ſtellen, daß ſein ſeitheriger Einfluß erhalten bliebe, da Napoleon ihn nur von der Leitung der auswärtigen Angelegenheiten entfernt wiſſen wollte, ſein Walten dagegen in den inneren Verwaltungsgeſchäften als für Frankreich vorteilhaft und deshalb als wünſchenswert erachte³).
Goltz aber ſchreibt an Stein aus Erfurt in einem Briefe vom 9. Oktober, der ebenſoſehr für ſein edles Herz als für die Grundloſigkeit der Annahme ſpricht, Goltz habe lebhaft den Sturz Steins befürwortet und gefördert, er möge ſich vom Hofe ſcheinbar ins Privatleben zurückziehen, aber einen ſolchen Mann an ſeine Stelle ſetzen, daß ihm ſein ſeitheriger Einfluß erhalten bleibe, indem der neue Miniſter gleichſam nur das Organ des in ſeiner Nähe wohnenden Stein ſei).
¹) Vergl. Haſſel. Geſch. d. preuß. Politik. I. Teil. S. 368.— 2) Vergl. Pertz. B. II. S. 269.— ²) Vergl. Pertz. B. II. S. 262.— ³) Vergl. Haſſel. Anlage 267. S. 571.


