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iſt auf die erſte Kunde von der Veröffentlichung des Briefes im Moniteur vom 8. September ſogleich zum Könige geeilt und hat um ſeine Entlaſſung gebeten. Er wiederholt dieſes Geſuch am 18. Oktober und am 7. November, das eine Mal auf die Nachrichten des Grafen von der Goltz aus Erfurt, der das längere Verbleiben Steins als im höchſten Grade nachteilig für den Preußiſchen Staat hinſtellt, weil Napoleon dies als eine perſönliche Beleidigung auffaſſen würde, das andere Mal zwar ſcheinbar, weil der König die gewünſchte Proklamation an das preußiſche Volk nicht vollzogen hatte, aber indirekt doch wieder bewogen durch den Brief; denn Stein drang nur auf dieſe Proklamation, weil er wußte, daß durch jenes Ereignis ſeine Stellung unhaltbar geworden war. Die Perſönlichkeiten alſo, die doch allein hätten maßgebend ſein ſollen, haben nicht zu der obigen Anſicht beigetragen, die Erklärung dafür muß daher auf anderem Wege geſucht werden. Nun ſteht es außer Zweifel, daß Stein eine große Anzahl Gegner gehabt hatte; es waren dies nicht allein die Neider, die jeder Miniſter hat ſchon durch die hohe Stellung, die er einnimmt, ſondern es waren namentlich jene Männer, die ſich Stein durch ſeine einſchneidenden ſocialen Reformen zu Gegnern gemacht hatte. Zwar ließen ſich dabei nicht alle bloß durch ſelbſtiſche Intereſſen leiten, wiewohl Egoismus unzweifelhaft bei vielen der erſte und letzte Grund ihres Haſſes war, ſondern es befanden ſich darunter auch Männer, die der feſten Überzeugung lebten, daß die eingeführten Reformen dem Preußiſchen Staate nicht zum Vorteile ge⸗ reichten, und deren Widerſtand nur ein Ausfluß ihrer glühenden Vaterlandsliebe war.
Als Beiſpiel für die erſte Klaſſe läßt ſich der geheime Legationsrat Nagler anführen, der von Stein und deſſen Freunden nichts weniger als günſtig geſchildert wird¹). Er weiß ſich durch Servi⸗ lität und Gefälligkeit Einfluß zu verſchaffen— er wird der geheime Vertraute der Königin, ſogar der König holt gelegentlich ſeinen Rat ein—, er verſäumt keine Gelegenheit, dem Miniſter einen Hieb zu verſetzen— Stein ſei ein guter Miniſter für das Volk, aber nicht für den König—, er geht darauf hinaus, Stein zu verdrängen, ſeinem Schwager Altenſtein die Nachfolge zu verſchaffen, um durch dieſen vielleicht Steins Einfluß zu erlangen.
Als Typen der zweiten Klaſſe von Steins Gegnern laſſen ſich der Generaladjutant v. Köckeritz und der frühere Miniſter von Voß anführen. Dieſe Klaſſe rekrutierte ſich hauptſächlich aus dem hohen Adel und darunter namentlich aus dem der Mark; Männer dieſer Art ſind angeblich durch Steins Reformen in ihren Rechten verletzt, den Mühlenzwang und die Patrimonialgerichtsbarkeit aufgeben zu müſſen, iſt ihnen unfaßbar; aus ihrer Mitte ertönten daher beim Erſcheinen des Geſetzes am 9. Ok⸗ tober 1807 die Worte:„Lieber noch drei Schlachten von Auerſtädt als ſolch ein Geſetz“. Natürlich übertrugen ſie ihren ganzen Haß auf den Urheber ſolcher revolutionären Neuerungen, und daß ſie keine Mühe ſparten, um den Miniſter zu entfernen und Leute ihres Schlags ans Ruder zu bringen, iſt nur natürlich und iſt uns nur allzugut verbürgt. So ſchickte der frühere Miniſter Voß durch einen Kurier 42 Berichte an den König, worin er dieſen zu überzeugen ſuchte, daß um jene Zeit das Heil nur im engſten Anſchluß an Frankreich zu ſuchen und zu finden ſei, daß man alle franzoſenfeindlichen Staatsmänner, namentlich den Miniſter Stein entfernen müſſe, daß letzterer der Leiter von geheimen Verſchwörungen ſei, die zwar angeblich die Befreiung der preußiſchen Staaten von Ausländern herbei⸗ führen wollten, in Wirklichkeit aber dem Staate nur neue Verlegenheiten bereiteten ²).
Von denen, die aus Vaterlandsliebe zu den ausgeſprochenen Gegnern Steins gehörten, ver⸗ dient vor allen der General York genannt zu werden. Er ſieht in den Neuerungen nicht allein einen Eingriff in das Eigentumsrecht, der unvereinbar iſt mit dem Suum cuique des preußiſchen Königs⸗ hauſes, er behauptet, das Edikt vom 9. Oktober wird bewirken, daß die Anhänglichkeit der Grund⸗ beſitzer zum Herrſcherhauſe bedeutend abnehmen wird; denn ein emporgekommener Krämer oder Schneider hat nicht das Intereſſe an dem Wohle des Königs, als Familien, deren Geſchicke ſchon Jahrhunderte mit denen des Landes verknüpft ſind; er ſieht die Entwaldung und die damit in Verbindung ſtehende Verſandung des Landes voraus; denn ein Spekulant, der ein Gut kauft, ſucht den größten Nutzen daraus zu ziehen, dieſen findet er aber nicht im Wald, ſondern in der Felderwirtſchaft, er wird alſo die alten Eichen und Buchen umhauen, um Weizen zu bauen; nun aber kann der Wind die Sand⸗ hügel der Küſten herbeiwehen, und aus den Weizenfeldern werden ſolche für Buchweizen und mageres
1) Vergl. Pertz. B. II. S. 265.— ²) Vergl. Pertz. B. II. S. 281.


