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dieses Umstandes ermessen haben; sollte die Rede herausgegeben werden, so mußte sie eine Abschwächung erfahren und dazu dient der Anhang.
An sich ist es nun gleichgiltig, ob derselbe auf Fiktion beruht oder nicht; doch möge auf die Sache eingegangen werden. Die Frage wurde von Wolf ¹) aufgeworfen, von Brand*) in verneinendem Sinne entschieden, von Blass³) offen gelassen. Der Schluß, der Anhang müsse ein wirklich gehaltenes Gespräch wiedergeben, weil der Dialog sich sonst bei Isokrates nirgends finde(so Brand), ist nicht zwingend. Ein eigentlicher Dialog kommt in den übrigen Schriften des Redners allerdings nicht vor, wohl aber Ansätze dazu; so werden im Philippos(§ 18 ff.) die Schüler, in der Antidosis (§ 140— 149) ¹) ein Freund redend eingeführt; von da zu einem regelrechten Zwiegespräch ist nur ein Schritt. Es kann auch im Panathenaikos Wett- eifer mit Plato vorliegen.⁵5) Jedenfalls läßt sich damit die Frage kaum lösen.
Im allgemeinen wird man wohl annehmen dürfen, daß es mit den Be- ratungen überhaupt seine Richtigkeit hat, im einzelnen wird manches erfunden sein; sagt doch Isokrates§ 226, er glaube genug mitgeteilt zu haben, denn solche Gespräche seien nicht geeignet, in all ihren Einzelheiten wieder- gegeben zu werden. So werden wir wohl Wahrheit und Dichtung vor uns haben und es ist schwer, die Grenze zwischen beiden zu ziehen. Glaublich klingt es, daß der Redner sein Werk in der Schule durchging(§ 200), denn auch der Philippos(§ 17 ff.) läßt Khnliches voraussetzen. Der Beifall, den ihm die jungen Leute zollten, gewohnheitsmäßig, wie es§ 235 mit fühlbarer Ironie heißt, war kaum gceeignet, seine Bedenken zu zerstreuen; daher erscheint der Wunsch begreiflich, die Stimme eines reifen, gediegenen Mannes zu vernehmen(§ 229), von dem, obwohl er ein ehemaliger Schüler war, als Vertreter der Gegenpartei ein offenes Urteil zu erwarten stand. Dieses Urteil bestätigte die Zweifel des Isokrates und die Reue nach dem siegreichen Wortgefechte erscheint nun nicht mehr unerklärlich; es kam darauf an, die Wirkung der Rede bei der Gegenpartei zu erfahren, und sie war die be- fürchtete. Die Angriffe auf Sparta erwiesen sich als zu stark, die Herausgabe der Rede in dieser Form als wenig ratsam; so hat Isokrates vielleicht wirklich einen Augenblick daran gedacht, ein Werk zu vernichten, das ihm mehr schaden als nützen konnte. Allein er war ein alter Mann und hatte viel Mühe darauf verwendet, daher ist begreiflich, daß er um die Frucht seiner Arbeit nicht kommen wollte(§ 232). So mag er beschlossen haben, die Frage einem größeren Publikum vorzulegen. So weit ist alles natürlich und die Berufung des Spartanerfreundes, die Reue erklären sich ganz ungezwungen.
Was nun den durch das Stillschweigen bedingten Widerspruch anbelangt, so läßt er sich zwar nicht beseitigen, aber begreifen, ja er ist geradezu notwendig; die Abschwächung ist ohne ihn nicht denkbar und war nur um diesen Preis zu erreichen. Wer auf den Einfall kam, den Tadel Spartas
¹) a. a. 0.
²) S. 64 f.
³) S. 324.
4¹) Vgl. Arist. Rhet. III p. 158.
⁵) Teichmüller S. 280, Wilamowitz a. a. 0. II 392. Dann würde sich die unnötige Fortführung des ersten Gespräches daraus erklären, daß Is. seine dialektische Gewandtheit zu zeigen wünschte.


