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durch Umdeutung der Rede in Lob zu verkehren, ob Isokrates, ob jener Spartanerfreund, läßt sich natürlich nicht entscheiden. Isokrates selbst konnte sie keinesfalls vorbringen; andrerseits aber bildet zweifellos der Sprecher sein Sprachrohr und in dieser Vorraussetzung wurden oben dessen Xußerungen als Ansichten des Redners selbst verwertet. Des Widerspruches, in den er durch sein Schweigen geriet, war sich Isokrates also bewußt, denn derselbe war beabsichtigt; formell blieb durch das Zurückhalten mit der eigenen Meinung die Frage offen und der Redner hatte sich nach beiden Seiten hin gesichert, denn§ 261 sagt deutlich, was er wollte: weder in Athen noch in Sparta Anstoß erregen.¹) Nun konnte die Rede erscheinen und ihr Zweck noch immer erreicht werden, denn der Anhang war ja gewissermaßen eine durch das Schweigen allerdings verschleierte Palinodie derselben.
Für diese Auffassung spricht endlich das Schlußwort, denn es zeigt, daß der Redner sich darüber klar war, wie eindeutig sein Werk sei, und läßt die Sorge um das Schicksal desselben durchblicken; einerseits nämlich bezeichnet er darin seine Schrift als lehrhafte, nach Wahrheit strebende und jeden Fehler rügende Kunstrede(§ 217), andrerseits fordert er auf, nicht vorschnell darüher zu urteilen: dies zu verhindern, dient eben der Anhang.
Die Entstehungsgeschichte des Panathenaikos wäre somit folgende: Bestrebt, sein durch die Anfeindungen von Rivalen gesunkenes Ansehen zu heben, beschloß Isokrates, ein Enkomion Athens auf Grund eines Ver- gleiches mit Sparta zu schreiben; ein äußerer Anlaß, vermutlich eine Schrift über Sparta, bewirkte, daß der Vergleich, der ursprünglich nur die Verdienste beider Städte um Hellas umfassen sollte, auch auf ihre die Verfassungen und Kriegstaten ausgedehnt wurde. Durch den herben Tadel Spartas, der übrigens ohne persönliche Spitze und hauptsächlich Mittel zum Zweck war, geriet die Rede in starken Gegensatz zu dem alten athenisch- spartanischen Freundschaftsbündnisse und zu anderen Werken des Redners; um ihre Veröffentlichung trotzdem zu ermöglichen, wurde, wohl infolge voraus- gegangener Beratungen im Kreise der Schule, der Anhang beigefügt, der mittels einer gewagten, aber absichtlich unwiderlegten UIimdeutung der Rede jenen Gegensatz auszugleichen sucht.
¹)§ 249. 253 verwendet er ganz klar den Archidamos zur Exkulpierung.
Dr. Josef Mesk.


