Aufsatz 
Der Panathenaikos des Isokrates
Entstehung
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Megalopolis an Athen an(342)) das nun auf einmal in seinem Kampfe gegen den König einen starken Rückhalt hatte. ²) Dieser ließ sich abschrecken und zog in demselben Jahre gegen den thrakischen Fürsten Kersobleptes, dessen Unterwerfung ihm allerdings erst 341 gelang.

Solcher Art war also das Verhältnis, das zwischen Athen und Sparta bestand, als Isokrates den Panathenaikos begann. Seine Vaterstadt war seit vierzig Jahren mit dem einstigen Gegner verbündet und hielt noch zur Zeit, da die Rede erschien, mit unwandelbarer Treue am Bündnisse fest;³) Sparta seinerseits hatte wiederholt gemeinsam mit Athen im Felde gestanden, war seit 371 niemals feindlich gegen dasselbe aufgetreten, hatte sich aber freilich, so oft nicht sein eigenes Interesse ein Zusammengehen mit dem Bundes- genossen erheischte, in seiner Engherzigkeit kühl zurückgehalten.

Wie hatte sich nun Isokrates während dieser langen Jahre zu Sparta gestellt? Auch an ihm waren die Ereignisse nicht spurlos vorübergegangen; hatte er sich 380 zu den heftigsten Angriffen gegen jenen Staat hinreißen lassen, so wenig förderlich sie den Zwecken seiner politischen Flugschrift waren, so war doch seine Erregung mit den unmittelbaren Ursachen gewichen. Konnte doch der Mann, dessen Lebensidal der Nationalkrieg gegen Persien war, Sparta nicht mehr grollen, als es mit Athen gemeinsame Sache gegen den Erbfeind machte, als dann der greise Agesilaos die aegyptischen Truppen gegen den Großkönig zum Siege führte. So wenig Isokrates zu den un- vernünftigen Bewunderern Spartas zählte, die er bitter tadelt,4) so wenig war er ein grundsätzlicher Feind desselben, sondern sein Verhalten und seine Gesinnung gegen diese Macht regelte sich nach ihrer Politik; im Panegyrikos war seine anfangs versöhnliche Stimmung anläßlich der Ubergriffe Spartas gegen griechische Städte in bittere Entrüstung umgeschlagen und nach der Schlacht bei Leuktra wird mit den meisten Athenern, deren Eintreten für die Besiegten er billigt,5) auch Isokrates von freundlicheren Gefühlen für dieselben beseelt gewesen sein. Auch sonst wechselt seine Sprache gegentiber den einzelnen Gemeinwesen je nach den von diesen eingeschlagenen Bahnen: so trägt er kein Bedenken, seinen eigenen Mitbürgern wegen des Bundes- genossenkrieges, der infolge von Verletzung der Bundessatzungen durch Athen entstand, die härtesten Vorwürfe zu machen,é) während andrerseits in unserer

¹) Beloch, Griech. Gesch., Leipzig 1897, II 544 A. 3.

²) Mit diesem Bündnisse hängt vielleicht die ehrenvolle Erwäühnung der Städte Messene und Argos im Panath. 70 72 zusammen; auch das Enkomion auf Agamemnon mag es mitbestimmt haben(§ 74 87), unbeschadet der zweifellosen Beziehung auf Philipp, die hier wie beim Lobe des Theseus(§ 126 129) vorliegt. Vgl. Blass S. 321 u. Schäfer, Dem. u. s. Z. III ² 6..

³) Vgl. Curtius a. a. 0. S. 725Athen ließ sich durch kein Drohen und Drängen des allgemeinen Hasses bestimmen, seine friedliche Verbindung mit Sparta aufzugeben. Xhnlich Schäfer a. a. O. II ² 349, III ² 42. Auf die Fortdauer des Bündnisses spielt auch Isokr. 159 an, allerdings mit sehr kühlen Worten.

)§ 155: 0 νG dνονντιω xcvigorrag. Vgl. Wilamowitz a. a. 0. I 133 A. 20.

) Phil. 44.

6) Im Symmachikos. Vgl. Schäfer a. a. 0. 12² 188 f.; auch Panath.§ 53. 64. 100. 156 ff. wird über Athen ein scharfes Urteil gefällt.