Aufsatz 
Der Panathenaikos des Isokrates
Entstehung
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in den Ort legte; erst durch Philipp kam Oropos wieder an Athen. In begreiflicher Erbitterung ging es nun ein Bündnis mit den Arkadern ein, wodurch es freilich bei der Feindschaft, die zwischen Arkadern und Lakedä- moniern bestand, in eine widerspruchsvolle Lage geriet. Lange nährte indes Athen seinen Groll nicht, denn als Epameinondas zum zweitenmale in den Peloponnes einfällt, finden wir es wieder auf der Seite Spartas.

Doch nicht nur im Mutterlande, sondern auch im fernen Osten und Süden verfolgten beide Mächte die gleichen Ziele und standen vereint dem- selben Gegner gegenüber. In Kleinasien unterstützten sie den Aufstand des Satrapen Ariobarzanes gegen den Großkönig, in Aegypten 361 den des Tachos, welchem der Spartaner Agesilaos mit einem starken Korps zu Hilfe kam, während sich ihm der Athener Chabrias zwar nicht im Auftrage, aber mit Genchmigung seiner Mitbürger zur Verfügung stellte.

Im Jahre 354 hatte Athen wieder über die Lauheit und Unzuverlässigkeit seines Verbündeten zu klagen; der Perserkönig Ochos verlangte die Abberufung des athenischen Feldherrn Chares, der dem aufständischen Satrapen Artabazos Beistand gewährt hatte, und verlieh seiner Forderung durch umfassende Rüstungen Nachdruck. Athen, von Sparta im Stich gelassen, mußte nach- geben, was nicht nur eine Demütigung bedeutete, sondern auch den ungün- stigen Ausgang des Bundesgenossenkrieges zur Folge hatte. Dafür schlossen bald darauf Athener und Lakedämonier ein Bündnis mit Phokis und vereinten sich zu gemeinsamer Hilfeleistung, als Philipp nach dem Siege über Onomar- chos bei Pherä daran ging, auch Phayllos niederzuwerfen. Athen, das in den gefährlichen Kampf mit dem Makedonen eingetreten war, hatte damals nur zwei Bundesgenossen, Sparta und Phokis, und hielt treu zu beiden. So versagte es 353]2 aus Rücksicht für seinen Verbündeten dem durch Sparta und den peloponnesischen Bund gefährdeten Megalopolis seinen Beistand, obgleich sich Demosthenes mit größter Wärme für dasselbe einsetzte. 346 griff es dann mit Sparta noch einmal in den phokischen Krieg ein; der Stratege Proxenos und König Archidamos sollten die Thermopylen besetzen, was allerdings nicht gelang. Bald darauf, nach dem Frieden des Philokrates, fand der Krieg in Phokis ein rasches Ende.

Aber das Eintreten für dieses Land und das Festhalten am Bündnis mit Sparta brachte Athen keinen Segen; jenes trug ihm den Haß des Böoter und Thessaler, dieses die Feindschaft von Argos, Messene und Megalopolis ein. Vergeblich blichen daher die Bemühungen des Demosthenes, der es 344 als Haupt einer Gesandtschaft in den Peloponnes unternahm, die drei Städte wieder zu versöhnen; denn sie sahen in Athen den Verbündeten Spartas, in Philipp hingegen, dem sie sich schon 346/5 zugewandt hatten, nach wie vor ihren Schutz und Ilort gegen diese Macht. Der König ließ es sich natürlich angelegen sein, diese Stimmung zu nähren, und machte überdies Athen Vor- würfe, datz es so unentwegt zu Sparta halte. ¹)

Bald jedoch sollte dieses die Genugtuung erleben, das Bündnis, um das es vergebens geworben hatte, von selbst erstehen zu sechen, denn als Philipps Pläne gegen Ambrakia bekannt wurden, da schlossen sich erst Korinth, dessen Interessen zunächst auf dem Spiele standen, dann auch Argos, Messene und

¹) Curtius, Griech. Gesch. S. 658; Liban. im arg. Demosth. VI p. 64.