Aufsatz 
Der Panathenaikos des Isokrates
Entstehung
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(§ 24. 39. 95 u. ö.), findet bei Isokrates keinen Widerspruch, ja man möchte geradezu sagen, sie wird durch sein Schweigen bestätigt; denn er durfte, nachdem er schon bei der ersten Zusammenkunft seinen Standpunkt so nach- drücklich vertreten hatte, dies hier noch viel weniger unterlassen, wo es sich offenbar um die Verkehrung der wahren Absicht seiner Rede handelte, und wenn er es dennoch tat, so muß er eben schwerwiegende Gründe dafür gehabt haben. ¹)

Es handelt sich nun um die Deutung dieses Anhanges. Am richtigsten scheint mir Blass²) geschen zu haben, der hervorhebt, daß dieser Teil gewiß nichtzufällig und planlos entstanden sei, und bemerkt, daß er neben der Verfechtung der These, ein Lob Spartas müsse sichauf den Standpunkt stellen, daß in der Politik nur das Recht des Stärkeren gilt, auch eine Abschwächung der Anklagen wider die Spartaner bezwecken könne im Einklang mit der Idee einer allgemeinen hellenischen Versöhnung und eines dann unter Philipps Führung zu unternehmenden persischen Krieges. Der letzte Punkt wurde schon oben berührt; im übrigen scheint der Anhang tatsächlich eine Abschwächung zu beabsichtigen, für deren Begründung die Rede selbst den Anhaltspunkt bietet.

Wie erwähnt, erklärt der Lobredner Spartas die angebliche Zweideutig- keit der Rede aus dem Widerspruche, in den Isokrates geraten wäre, wenn er Athen auf Kosten derselben Stadt hätte loben wollen, die er in seinen früheren Schriften gepriesen hatte. Da nun der Rhetor durch sein Schweigen diese Behauptung ebenso gelten läßt wie die ganze von ihr ausgehende Dar- legung, darf man sich fragen, wie weit er bei dem persönlichen Zwecke seiner Rede, der Hebung seines gesunkenen Anschens, auf die Beziehungen zwischen Athen und Sparta und auf den von ihm selbst in seinen Werken eingenommenen Standpunkt Rücksicht zu nehmen hatte.

Die Spannung, die zwischen Athen und Sparta seit dem verhäng- nisvollen Frieden des Antalkidas herrschte, hatte mit der Zeit nachgelassen und anläßlich des 371 durch persische Vermittlung geschlossenen allgemeinen Friedens sogar freundlichen Bezichungen Platz gemacht, wie sich alsbald zeigen sollte. Denn nôoch in demselben Jahre wies Athen ein Iilfsgesuch der durch Sparta bedrohten Arkader ohne weiters ab und im folgenden, als Epameinondas der aufständischen Bewegung in Messene Vorschub leistete, rückte Iphikrates an der Spitze eines starken Heeres zur Unterstützung der Lakedämonier in den Peloponnes. Nun kam es zu einem festen Waffenbunde und die vereinte Macht beider Staaten setzte dem thebanischen Feldherrn auf seinem Rückmarsche kraftvollen Widerstand entgegen. So war Sparta durch athenische Hilfe gerettet; doch als es einige Jahre darauf galt, dem Bundesgenossen nun auch seinerseits beizuspringen, da blieb es ihm den Zoll der Dankbarkeit schuldig. Themison, der Tyrann von Eretria, besetzte nämlich anfangs 366 die Stadt Oropos und Athen, auf sich selbst angewiesen, mußte ruhig zusehen, wie Theben, das die Hand mit im Spiele hatte, eine Besatzung

¹) Brands Meinung über diesen Teil, Theopomp deute seinem Lehrer die Anderungen an, die er an dem allzuscharfen und ungerechten Urteil über Sparta wünsche, und dieser gehe jenem zuliebe darauf ein(S. 61. 63), kann schon wegen des Wider-

spruches, in dem sich beide befinden, nicht zutreffend sein. ²) S. 323 f.