verstanden erklärt, doch, durch den herben Tadel der Spartaner verletzt, behauptet, sie hätten sich doch wenigstens das eine Verdienst um Hellas erworben, dat sie die trefflichsten Lebensbeschäftigungen erfunden und die andern dazu angeleitet hätten. Darauf habe er(Isokrates) diese Behauptung als unfromm, falsch und widerspruchsvoll ercithdet, denn einerseits gelte als die trefflichste Lebensbeschäftigung die Betätigung von Frömmigkeit, Gerechtigkeit und Einsicht, welche die Lakedämonier nicht erfunden haben könnten, weil sie erst 700 Jahre im Peloponnes wohnten, jene Tugenden aber älter seien: andrerseits bedeute es einen Widerspruch, den Lakedämoniern jene Tugenden beilegen zu wollen nach Billigung der Rede, die ihre Frevel- taten nachweise. Sie besätsen sie auch nicht, denn für eine solche Erfindung seien sie zu ungebildet und bezeugten namentlich durch ihre Kindererziehung, die den Diebstahl begünstige, den Mangel an Rechtsgefühl und Einsicht. Hierauf habe der Spartanerfreund erwidert, Isokrates sei von der Voraus- setzung ausgegangen, daß er die Rede unbedingt gebilligt habe, was nicht der Fall sei; daher müsse er ihm zwar in vielem recht geben, seinen Vorwurf. aber zurckw eisen. Voll schmerzlichen Bedauerns, die gegen die Lakedämonier erhobenen Anklagen nicht widerlegen zu können, habe er im Hinblick auf ihre Turnschulen, ihre Ubung zur Tapferkeit, ihre Eintracht, überhaupt ihre Pflege des Kriegswesens behauptet, daß diese lobenswerten Beschäftigungen bhei ihnen am meisten geübt würden. Dem gegenüber habe er(Isokrates) wieder geltend gemacht, daß sich die Lakedämonier dieser Vorzüge zum Schlechten bedienten, der Kriegskunst, um die Hellenen zu bezwingen, der Eintracht, um sie zu entzweien und dann zu vertilgen(§ 199—228).
Nach diesem Wortgefechte habe sich der Gegner entfernt, in gedrückter Stimmung und voll richtigerer Einsicht in das Wesen der Lakedämonier, er selbst aber sei von den Zuhörern gelobt worden und habe in seiner freudigen Aufregung die sofortige Niederschrift der Rede veranlaßt. Nach einigen Tagen jedoch habe er sie wieder vorgenommen, nun aber in ihren Kußerungen über Sparta derart maßlos gefunden, daß er auf dem Punkte gewesen sei, sie zu vernichten. Dann habe er sich anders besonnen und beschlossen, all seine in Athen weilenden Schüler zu versammeln und die Vernichtung oder Ver- öffentlichung der Rede von ihrem Urteile abhängig zu machen(§ 229— 233).
In dieser Versammlung habe nun jener Spartanerfreund folgende Ansicht ausgesprochen: er glaube an seine(des Isokrates) Reue nicht, denn er sche keinen Anlaß dazu. Der Meister habe seine Schüler nur prüfen wollen, ob sie sich über den geheimen Sinn der Rede klar wären; mit dieser aber stehe es 80: Isokrates habe ursprünglich einen Vergleich zwischen Athen und Sparta ziehen und im Anschluß an die Meinung der Menge jenes loben, dieses tadeln wollen. Da er aber Sparta in seinen früheren Schriften gepriesen habe, sei er, um sich nicht zu widersprechen, auf den Ausweg verfallen, die Lakedä- monier, die von einigen gerühmt und bewundert würden, nur scheinbar zu tadeln, denn alle Kußerungen, die sie beträfen, seien zweideutig und enthielten in Wirklichkeit das höchste Lob. Die Rede scheine also einfach und leicht verständlich, sei aber tatsächlich das Gegenteil davon. Diese Aufdeckung des wahren Sachverhaltes sei unbedingt geboten, damit sich die Lakedämonier nicht verletzt fühlten, sondern im Gegenteil dem Redner für die glänzende Verkündigung ihres Ruhmes und ihrer Taten zu Dank verpflichtet wären


