Der Panathenaikos des lIsokrates.
Wie der Philippos das Thema der ersten Hälfte des Panegyrikos, den Krieg gegen Persien, noch einmal aufnimmt, so der Panathenaikos das der zweiten, das mit einem Tadel Spartas verbundene Lob von Athen. Die Schrift besteht aus foſtenden Teilen: einem Vorworte, in dem Isokrates über die ge- hässigen, sein Leben und Lehren entstellenden und seinen Ruhm schmälernden Anfeindungen gewisser Sophisten klagt; der eigentlichen Rede, in welcher Athen und Sparta einerseits in Bezug auf ihre Verdienste um Hellas, andrer- seits hinsichtlich ihrer Verfassungen und Kriegstaten verglichen werden; einem Anhange, der die im Kreise der Schüler über die Herausgabe der Rede ge- pflogenen Beratungen umfaßt, und einem Schlußworte. Da sich an diese Abschnitte mehrere, vielfach ineinandergreifende Fragen knüpfen, müssen sie einzeln und in ihrem gegenseitigen Verhältnisse betrachtet werden, obgleich die Untersuchung vorwiegend der Erklärung des Anhanges gilt.
Aus dem Vorworte erhellt der Anlaß der Rede, die Angriffe der Sophisten, besonders der scharfe Ausfall eines derselben kurz vor den großen Panathenäen(§ 19, vgl. 25), ferner ihr Zweck, das Lob Athens¹) gegenüber den Anklagen seiner Gegner und deren ungenügende Zurückweisung durch unberufene Verteidiger, namentlich aber die Hebung des durch mißgünstige Neider arg zurückgegangenen Anschens des Redners(§ 37 f.). Kußere Ver- hältnisse also gaben den Anstoß zur Abfassung des Panathenaikos, deren Bekämpfung ist hauptsächlich seine Aufgabe. ²)
Wer die Sophisten waren, gegen die sich der Redner wendet, läßt sich mit Bestimmtheit nicht sagen, doch möge die Frage in Kürze berührt werden. Spengel*) siecht in ihnen Aristoteles und seine Schiler, Teichmüller) sucht nachzuweisen, daß sich der Panathenaikos gegen Platons„Gesetze“ richte, und Brand?) behauptet vermittelnd, Isokrates bekümpfe die Aristoteliker, die er in seiner Unkenntnis der trennenden Momente beider Schulen für Platoniker halte, wolle also eigentlich Plato treffen, ferner seien die Sophisten und die Lobredner Spartas identisch; ⁶) daher sei unsere Rede eine Verteidigungssehrift
¹) Nebenbei tritt Isokrates auch hier für den Perserkrieg ein, so§ 42. 45. 49 ff. 76 ff.
163 u. ö. Vgl. Blass, Die att. Bered. II?² 324.
Eine lehrhafte Schulschrift sehen in unserer Rede Lehmann, Die unter Xenophons
Namen überlieferte Schrift v. Staate d. Lak. u. s. w., Greifswald 1853, dann Ky-
prianôs, Ar 600. 7. To., Berlin 1871, S. 102 ff; vgl. dagegen Brand, De Isocr.
Panath., Münster 1887, S. 4 ff. und Blass S. 324.
³) Über d. Rhetorik des A. S. 471.
¹) Lit. Fehden 1 259 ff. 3
5)§. 34. 40 ff.
⁶) Dagegen spricht§ 155, wo zwischen den Lobrednern Spartas, den Anklügern Athens, und den Verleumdern des Redners(vgl.§ 16) deutlich geschieden wird.
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