5 urkräftigen, oft rauhen Lauten zum Leben ruft, zum heil'gen Kampf. Das thut er, als das Wetter kommt, das iſt erſt recht ſein Amt nach dem Vernichtungsſchlag bei Jena, der ihn, den 28jährigen, ergrauen läßt. In Feindesbann, geheim eilt er, oft nachts, von Ort zu Ort im deutſchen Land, den Haß der Fremdherrſchaft, Begeiſtrung weckend, fördernd. Von 1810 ab erſcheint er Sommers auf der Haſenheide, ſüdlich von Berlin, in der Richtung auf Großbeeren und Dennewitz, zuerſt mit einer kleinen Schar Quintaner, Krieg ſpielend, laufend, ſpringend, ringend, an einem Eichenaſt Klimmzüge übend. Das neue Spiel, das Jahn das Turnen nennt, lockt an; der erſte Turnplatz entſteht, die erſte Turngemeinde; zuerſt ſind es 200, bald 500, Knaben und Jünglinge, jeden Alters, jeden Standes, arm und reich, hoch und niedrig, einmütig alle von des Lehrers Blick und Wort begeiſtert, friſch, frei, fröhlich, fromm gleichmäßig alle Kräfte zu entwickeln zum Heil des Vaterlands, der Welt, als das nachwachſende Geſchlecht des Volks in Waffen.— Und als der König ruft zum Freiheitskampf, ſind die erſten Freiwilligen Jahn und ſeine Turner. Im Lützow'ſchen Freicorps, in dem nach ſeinem Wunſch aus allen Teilen des zerriſſenen deutſchen Lands ihm Gleichgeſinnte zu einer heil'gen Schar ſich ſammeln ſollten, Vorkämpfer eines ein'gen, freien Vaterlands, ward er ſogar Führer des 3. Bataillons. Doch in wohlbedachtem Gleichmaß als Glied zum Ganzen zu wirken, wodurch allein das Höchſte wird erreicht, war nicht nach ſeiner Art, nicht in dem Lehramt, nicht im Schwertesamt; er konnte nicht gehorchen, nicht befehlen, das fühlte er auch ſelbſt und bat um ſeine Entlaſſung. Zu Frankfurt aber, wo, als Napoleon, in der Völkerſchlacht bei Leipzig geſchlagen, über den Rhein geflohen war, man ſich verſammelte, um die Verirrten aus der Gefolgſchaft des Fremden zu löſen, zum Kampf für die gemeine Freiheit zu bewaffnen, da war er an dem rechten Ort. Von da nach Darmſtadt, Mannheim, Heidelberg, Wiesbaden entſandt, erſcheint er in den Gaſthöfen in der Geſellſchaft der Abtrünnigen, vor ſeiner Worte Urgewalt zerſtiebt der wälſche Tand, und jubelnd vorwärts dringt verwandte Art. So förderte er auch zu Wien, als die Verhandlungen um eine Neugeſtaltung Europas ungünſtig ſtanden, die Sache Preußens, und, als nach der Schlacht bei Waterloo und des Weltzerſtörers Vernichtung deutſche Gelehrte nach Paris kamen, um die geraubten Kunſtſchätze heimzuholen, da iſt unter ihnen auch des Urgermanen Kraftgeſtalt, mehr als alle anderen den Feinden zum Haß, den Freunden zur Luſt. Wie er damals in dem Siegesjubel tonangebend war, davon nur eins: Napoleon hatte ſich vor ſeinem Tullerienſchloß einen prächtigen Triumphbogen erbauen laſſen; die vier bronzenen, goldglänzenden Roſſe aber, die ſich vor dem lorbeergeſchmückten Siegeswagen, von der Victoria überragt, erhoben, waren von der St. Markuskirche in Venedig entführt. Nach langen erregten Verhandlungen beſchloß man, auch hier Gerechtigkeit walten zu laſſen. Am lichten Tag, vor einer dichtgedrängten, lär⸗ menden und drohenden Menge durch öſterreichiſche Truppen mit geladenem Gewehr geſchützt, geht eine engliſche Mannſchaft ans Werk. Da erſcheint auf dem Triumphbogen mit ſeinen Gefährten, Deutſchen und Engländern, unſer Jahn; mit freundlichem Gruß und mit Fünffrankenſtücken ge⸗ winnt er die Verwunderten, dann ergreift er eines Arbeiters Hammer, ſpringt auf den Sieges⸗ wagen gegenüber der Victoria und ſpricht:„Du haſt mit deinen Lügenbulletins den Mund immer ſehr voll genommen und den Ruhm des Kaiſers und der großen Armee auspoſaunt in alle Welt, er ſoll dir nun für alle Zeit geklopft und geſtopft werden.“ Zwei kräftige Hammer⸗ ſchläge ſchließen den geöffneten Mund. Dann ſchallt's weithin:„Unſere Loſung: Blücher und Leipzig!“ Hurra!!!— und euer Feldgeſchrei: Wellington und Waterloo! Hurra!!! Dann
Aufsatz
Rede über Friedrich Ludwig Jahn am Geburtstag Sr. Maj. Wilhelm II. an die in der Turnhalle versammelte Jugend Arolsens
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