Aufsatz 
Die deutschen Stadtschulen und der Schulstreit im Mittelalter : Ein Beitrag zur Schulgeschichte des Mittelalters / von Meister
Entstehung
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inſtruktive Schriftſtück des Hamburgiſchen Rathes ſpricht auch die Bugenhagiſche Kirchen⸗ ordnung aus mit den Worten:Ock ſchölen neene Winkelſcholen geſtadet werden, dadorch der rechten guten Schole möge afbröck geſchehen. Auch in einer Inſtruktion des Herzogs Ulrich von Würtemberg an die Viſitationsräthe v. J.. 1546 heißt es:Weil aber in vielen auch kleinen Städten neben den lateiniſchen Schulen auch deutſche Schulen beſtehen, durch welche erſtere verderbt und viele Knaben, die zum Lateinlernen und alſo zur Ehre Gottes und Verwaltung eines gemeinen Nutzens geſchickt ſind, verſäumt werden, ſo ſollen Gottes des Herrn und des gemeinen Nutzens wegen ſolche deutſche Schulen abgeſchafft werden ¹⁵⁹). Auch in Hadersleben verbot i. J. 1567 der Herzog Johann bei Fundierung einer neuen Schule aus dem Vermögen der Probſtei alle Winkelſchulen, durch welche jene beeinträchtigt werden konnte, und geſtattete nur eine deutſche Rechen⸗ und Schreibſchule 460). Die Schulmeiſter ſelbſt führen nunmehr Klagen über dieſelbſtgewachſenen Schulen, wie ſie die Privatſchulen nennen, und über dieſelbſtgewachſenen Meiſter, und beſchweren ſich bei den Fürſten 164). Soweit war man im ſechzehnten Jahrh. gekommen.

Doch wollen wir vor dieſer vergleichenden Perſpective, die ſich noch ziemlich erweitern ließe, nicht länger verweilen, ſondern zum Schluß ein chronologiſches Verzeichniß derjenigen Pfarr⸗ und Stadtſchulen geben, die theils in vorſtehender Abhandlung bereits genannt ſind, theils als urkundlich nachweisbar mir ſonſt bis zum ſechzehnten Jahrhundert begegnet ſind 32).

Heidelberg(Neckarſchule) um 1150 gegründet; Valenciennes 1173; Lübeck(Schreibſchulen) um 1191; Gent 1192; Courtrai 1203; Bern 1218; Leipzig 1222; Wien 1237; Tzadel(Dorf⸗ ſchule) 1237; Isny und Kenzingen 1242; Kirchheim 1249; Elbing und Braunsberg 1251; Breiſach 1256; Hannover, Göttingen, Medebach, Leobſchütz, Königsberg i. P., Bigge(Küſter⸗ ſchule) 1270; Freiburg i. Br. 1271; Möskirch 1272; Berlin, Rindlingen 1276; Ballingen 1277; Eßlingen(Kinderſchule), Wismar 1279; Bubach 1281; Horb 1282; Reutlingen 1292; Oberndorf, Joze(Dorfſchule) 1293; Ulm 1294; Gemünd 1295; Waldshut 1298; Königsberg i. d. N. M. im 13. Jahrh. Als in demſelben Jahrhundert bereits beſtehend werden erwähnt: Neuſtadt, Marktorf 1301; Neuß 1302; Thorn(zwei Pfarrſchulen), Quedlinburg, Plauen, Rottweil, Salzwedel 1307; Liegnitz 1309;von alters beſtand die 1310 erwähnte Schule in Zittau; Nordhauſen, Mühlhauſen 1319; Brüſſel(vier Knaben⸗ und vier Mädchenſchulen) 1320; Büden(Weſtphalen), Graveſend 1322; Leiden, Greifswalde 1326; Schwarenſtetten 1325; Rotterdam 1328; Spandau 1330; Giengen 1334; Neuenburg 1335; Schiedamm 1336;

§. 9.Der negeſt ys got vnmögelick, dat yn den klippſcholenn kone rechtſchapene Inſtitution zu Religion yn guden kunſthen vnnd latinſker ſpracke engerichtet vnnd gedreven werden.

§. 11.In den Wynckelſcholen werden de kynder nycht vth einem grundlicken Fundamente gelernntt vnd wertt nene rechte Ordening by en geholden.

§. 18.Wen de wynkelſcholen werden yngerhumet, ſo wertt nene Disciplin konnen mit den kynderen geholden werden. Dwanck vnnd tucht wertt fallen. Den ſe werden uth der enen ſcholen ſtedes yn de andere lopen, vnnd werden de ſcole regenten gedrungen werden, vme erns profites wyllen von dem gehorliken ernſthe yn dwyngen vnnd ſtraffen aff tho latten. Meyer a. a. O. S. 335. Urk. No. 51.

159) Holzer a. a. O. S. 29.

160) Jeſſen, Vorgeſch. d. lat. Schule zu Hadersleben. Progr. v. J. 1867.

161) So die beiden Schulmeiſter J. Nauenburg und D. Inſel in Stendal beim Rath und Churfürſten i. J. 1564(Götze a. a. O. Urk. 11 A u. B.) Vgl. die Beſchwerden eines Schulmeiſters bei Veeſenmeyer(de scola latina Ulmana. Progr. v. J. 1817. S. 19).

162) Die Nachweiſe müſſen der Raumerſparniß wegen weggelaſſen werden.