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zu Stande brachte, worin es heißt, daß wenn die unter dem Scholaſtikus ſtehenden Schüler etwas verbrechen, der Rath ſolches nicht ſtrafen und richten, ſondern die Beſtrafung nach alter Gewohnheit den geiſtlichen Richtern überlaſſen wolle. Der Scholaſtikus dagegen wolle die Schulen mit gelehrten und geſchickten Rektoren verſehen und mit dem gebräuchlichen Schulgeld zufrieden ſein. Der Rath ſolle ſeine Schüler, das Kapitel die ſeinigen von gegenſeitigen Streitigkeiten zurückhalten 15¹). Ueberhaupt liefert Hamburg den Beweis, wie weit die Kühnheit der Städter im Mittelalter ſich bisweilen verſtieg. Der Freiheitsgeiſt ward hier zur Auflehnung gegen jede Autorität. Die Schulſtreitigkeiten aber, die ſich noch durch das fünfzehnte Jahr⸗ hundert bis ins Reformationszeitalter mit Unterbrechung hinzogen, liefern ein Gemälde ſo eigener Art, voll kleinlicher Nergelei und Zähigkeit, daß man danach die Schulverhältniſſe anderer Städte keineswegs beurtheilen darf. Nicht die ordentlichen Stadtſchulen, ſondern die ohne Erlaubniß und mißbräuchlich von Prieſtern und Laien gehaltenen ſog.„dudeſche Seryf⸗ ſcolen“, der Unfug der vielen heimlichen Winkel⸗ oder Klippſchulen waren es, gegen welche die Scholaſter Deys, Wichmann, Duker und endlich mit größter Energie Bantſchow auftraten. Nachdem in Folge eines Vergleiches unter Wichmann i. J. 1456 vier Schreibſchulen in der Stadt geſtattet worden waren, deren Lehrer der Rath ernennen und dem Scholaſtikus anzeigen ſollte 155), entbrannte unter dem Scholaſtikus Duker der Streit von Neuem gegen den wider⸗ ſpenſtigen Prieſter Hening Bremer und Genoſſen i. J. 1472, welche der Rath parteilich in Schutz nahm. Nach Verurtheilung und Exkommunikation Bremers durch die biſchöfliche Kurie zu Werden, vor welcher der Proceß geführt worden war, ſetzte der Rath die Sache, die doch als eine res inter clericos außer ſeiner Kompetenz lag, durch den ſehr klugen und rechts⸗ gewandten Diedrich Arnd in Rom fort, zog ſich aber ſelbſt die kirchlichen Strafen wegen Widerſetzlichkeit zu 156). Schließlich endigte auch dieſer von beiden Seiten mit Animoſität geführte Streit durch einen Vergleich zwiſchen Scholaſtikus und Rath durch die Vermittlung des Probſtes zu St. Wilhad in Bremen ¹57). Bantſchow's Bemühungen waren beſonders gegen die Privat⸗ oder Klippſchulen gerichtet, welche derſelbe nur mit der Beſchränkung zulaſſen wollte, daß die Zahl der Schüler zwei oder drei nicht überſteige, bei größerer Anzahl die Schule unter die Aufſicht ſeines, des Scholaſtikus, Rector scolarum geſtellt werde.
Meyer nennt die Beſtrebungen dieſer Männer hartnäckige Widerſetzlichkeit(gegen wen?), geiſtliche Anmaßung, die vor ihrer gänzlichen Demüthigung noch einen glänzenden Triumph geerntet. Und doch betrafen dieſe Streitſachen keine allgemein kirchlichen oder geiſtlichen Verhält⸗ niſſe, ſondern perſönliche Rechtsverhältniſſe, als welche ſie auch behandelt wurden. Ihre An⸗ ſichten über die Winkelſchulen wurden glänzend gerechtfertigt durch die Maßregeln, die man nach Einführung der Reformation gegen ſolche Schulen ergriff. Der Rath verbot dieſelben aus denſelben Gründen, auf welche Duker und Bantſchow ſich beriefen. Der Beweis liegt in dem von Meyer mitgetheilten„Bedenken iegen vorgename Handlinge tho forderinge der Scholen tho St. Maria Magdalenen“ v. J. 1553 158). Dieſelben Anſichten, wie dieſes höchſt
154) Urk. v. J. 1337 bei Meyer No. 9.
155) Urk. 23 bei Meyer a. a. O.
156) Die ausführliche Darſtellung dieſer Streitigkeiten findet ſich bei Meyer a. a. O., wozu die Urkunden 25 bis 33 zu vergleichen ſind.
157) Pgl. Meyer a. a. O.
158) Darin ſteht:§. 3.„Ock yſt vnmögelick, datt nycht grote contention vnd vnrow vunder der Borgerſchap werde erregett, wenn vnnt wor ein jeder nha ſynnem gefallen wyll ene egene Schole erbuwen vnnd pprichten.“


