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hatten, da ſiel ſie eher zu Gunſten der Geiſtlichkeit aus, wie wir es oben bei Brüſſel geſehen haben.
Nimmt man endlich den Charakter und Ausdruck der Verträge und Vermittlungsſchriften etwas näher in Betracht, ſo kann man nicht umhin, zu bekennen, daß ſie einen milden, verſöhn⸗ lichen und friedlichen Geiſt athmen, den obwaltenden Verhältniſſen gebührende Rechnung tragen und weit von Anmaßung, fern von der Luſt an Streit und Zwietracht ſind.„Cogitans pacis consilia dominus, heißt es in der Vermittlungsurkunde des Erzbiſchofs von Bremen v. J. 1289 in Betreff der Nicolaiſchule zu Hamburg, cujus spiritus super mansuetum et humilem requiescit, detestatur dissensiones et prelia, que periculum pariunt animarum. Propter quod deo gratum prestant obsequium, qui ut discordantes ad concordiam redeant, dili- gentiam et sollicitudinem interponunt“ ¹48). Das Domkapitel zu Stendal gewährt den Bürgern„durch vruntſcap“(aus Freundſchaft) eine freie Schule,„vnde alle tveidracht van der ſcole ſchal nu dot ſyn“ 14).„Witlik(zu wiſſen) ſy allen..., dat wy Proveſt vnd Capittel der kercken to Hamborgh vnde wy Borgermeſtere vnde Ratmanne allen vnwillen ende twy⸗ tracht, de vpgeſtaen vnde weſen waren twiſſen dem werdigen Heren Meyſter Wichmann, Scho⸗ laſtico van der enen, vnde den borgheren to Hamborgh van der andern Side, genßliken hebben alſſe gude Myddelere voreiniget, gewredet vnde ſonyget van der Scholaſterie, der Scholen, der Scryfſcholeren vnde Seryfſcholen weghen in deſſen nachſkreven wyſe“, ſo beginnt eine Eintracht, welche von dem Rath und Kapitel zu Hamburg zwiſchen den Bürgern und dem Scholaſtikus Wichmann daſelbſt gemacht wurde ¹⁵0).
Was nun noch die kirchlichen Strafen, Bann und Interdikt angeht, ſo waren dieſelben in den mittelalterlichen Verhältniſſen und Anſchauungen eben ſo begründet, wie in politiſcher Beziehung die Reichsacht. Sie mochten bei dem kampfluſtigen, fehdeſuchenden Charakter jener Zeit, bei den unfertigen Zuſtänden nicht ohne heilſame Folgen ſein, wenn ſie aus gerechten und triftigen Gründen angewendet wurden. Damit ſoll aber dem Mißbrauch keineswegs das Wort geredet ſein. In Schulangelegenheit ſind dieſelben jedoch, ſo weit uns bekannt, im dreizehnten Jahrhundert nur in Ypern zur Anwendung gekommen, im vierzehnten wurde die Exkommunikation in Königsberg angedroht, aber durch die Vermittlung des Hochmeiſters i. J. 1337 abgewendet ¹51¹). Nur in Stendal ward ſie i. J. 1338 durch den Biſchof von Halberſtadt gegen den Magiſtrat wegen Willkür, Eigenmacht und nach geſchehener Abmahnung wegen faktiſcher Widerſetzlichkeit ausgeſprochen ¹5²).
Die in Hamburg über Rath und Stadt i. J. 1335 ausgeſprochene Kirchenſtrafe hatte ihren Grund weniger in den Schulſtreitigkeiten, als in Aufruhr und Gewalt der Bürger gegen den Klerus, der in Folge davon die Stadt verließ ¹53). Die Urſachen der Gewaltthätigkeit, welche ſich ſogar auf die Höfe und Güter der Geiſtlichen außerhalb der Stadt erſtreckte, laſſen ſich kaum ganz aus dem gütlichen Vergleich erkennen, den der Erzbiſchof Borchard von Bremen
148) Meyer a. a. O. S. 195. Urk. 4.
149) Götze a. a. O. Urk. 3 v. J. 1342.
150) Meyer a. a. O. Urk. 23.
151) Möller a. a. O. Urk. v. J. 1357.
152) Götze a. a. O. Urk. v. J. 1338.
153) To diſſer Tidt was ein groot Vproer tho Hamborch, vmme dat de Geiſtlichen jegen der Overicheit von allen Ebröck(*) vnde Schölgelde tho hebbende menen, averſt Bochardus ſtillede den Hader vnde Vproer. Chronik G. Rynesberchs. Vgl. Staphorſt, Hamb. Kirchengeſchichte, II. S. 592.


