Aufsatz 
Die deutschen Stadtschulen und der Schulstreit im Mittelalter : Ein Beitrag zur Schulgeschichte des Mittelalters / von Meister
Entstehung
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auch an andern Orten verlief ¹46). Bisweilen trat Appellation an den römiſchen Stuhl hinzu. Wie ſehr die Schlichtung des Streites zu Gunſten der Bürger geſchehen war, geht daraus hervor, daß das Beſtätigungsrecht des Stiftes nur ein formales war, indem es die Beſtätigung nicht verſagen durfte ¹47).

Wenn es ſich nun um ein hiſtoriſches Recht handelte, welches die geiſtlichen Inhaber vertheidigten, ſo wird man es denſelben um ſo weniger verargen können, als ſie kein perſön⸗ liches, ſondern nur ein anvertrautes Recht vertheidigten, das ſie dem Nachfolger unge⸗ ſchmälert zu überliefern ſich verpflichtet hielten. Ueberdieß glaubten ſie die Ehre, das Anſehen, die Exiſtenz, den einheitlichen Unterricht, die einheitliche Disciplin, die Würde und Erhabenheit des Gottesdienſtes in ihren Schulen zu vertheidigen, was alles durch Schulen, die ihrer Auf⸗ ſicht entzogen waren, gefährdet erſchien. Nicht unverſtändiger, aufveraltetes und unzeit⸗ gemäßes Recht ſich ſteifender Eigenſinn, nicht kleinliche Eiferſucht, nicht Habſucht, nicht geiſtliche Anmaßung waren die leitenden Motive, wenn auch bisweilen Perſönlichkeiten mit unterliefen oder nach unſerem Begriff manchmal die rechte Maßhaltung gefehlt zu haben ſcheint. Sie fehlte dann auf beiden Seiten. Denn gegenüber dem oft willkürlichen, in natürlichem Ueber⸗ muthe nur zu leicht über die Grenzen des Erlaubten hinausgehenden, ſelbſt Gewalt nicht ſcheuenden Bürgerthums was ſollten die Biſchöfe, die zugleich Landesherren waren, der Auflehnung der Unterthanen gegenüber thun? Wäre es nicht tadelnswerthe Schwäche geweſen, wenn ſie den Kampf nicht aufgenommen hätten? Was würde heut zu Tage, wo freilich das Verhältniß ein umgekehrtes iſt, geſchehen, und was geſchieht wirklich?

Dieſer Rechtsſtreit wurde ſchließlich meiſt durch die Geiſtlichkeit ſelbſt zu Gunſten der Bürger entſchieden. Entweder kam ohne Vermittlung eines Dritten ein friedlicher Vergleich dadurch zu Stande, daß der betreffenden Bürgerſchaft die gewünſchte Schule von der geiſtlichen Behörde unter gewiſſen Bedingungen zugeſtanden wurde, indem dieſe ſich das formelle Oberaufſichts⸗ und Beſtätigungsrecht vorbehielt, wie in Lübeck, Königs⸗ berg, Stendal, Wismar, Poſen; oder es wurde eine ſog. Eintracht durch die nächſt höhere geiſtliche Behörde oder einen dazu aufgerufenen Schiedsrichter zu Wege gebracht, wie in Ypern durch den Dechant von Cambrai, in Helmſtädt durch den Erzbiſchof von Halberſtadt, in Hamburg durch den Erzbiſchof von Bremen. Wurden die Päbſte um Entſcheidung oder um Erlaubniß zu Errichtung einer Schule angegangen, ſo entſchieden ſie oder ihre Legaten zu Gunſten der Städte und bewieſen auch hierin, wie in vielen andern Beziehungen, ſich als Schützer der Freiheit nicht bloß gegen Kaiſer und Fürſten, ſondern ſelbſt gegen den eigenen Klerus. Dieß that der päbſtliche Legat Hugo in Lübeck 1253, Pabſt Martin IV. in Hamburg 1281, Bonifacius IX. 1390 in Stettin, 1395 in Leipzig, Johann XXIII. und Martin V. in Braunſchweig 1415 und 1418. Wo aber weltliche Herren die Entſcheidung zu treffen

146) Vgl. Götze a. a. O., wo ſämmtliche Urkunden abgedruckt ſind. Der Rath ließ ſich dieſe Rechte auch noch vom Churfürſten Ludwig dem Aelteren(Urk. v. J. 1351) und deſſen Nachfolger Ludwig dem Römer(Urk. v. J. 1352), zuletzt von Otto, dem letzten Churfürſten aus bayriſchem Hauſe(Urk. v. J. 1360) garantieren. Siehe auch Ruhkopf a. a. O. S. 87 f. Lenz, Markgr. Brandenb. Urkunden I. p. 331. Gerken, Diplom. vet- March. I. p. 103.

147)To der ſulven ſcole ſchun(ſollen) de Ratmanne eynen ſcolemeſter ſetten, wan ſe willen unde wene ſe da to keſen, unde den ſcolen ſe antwerten uſeme ſcolaſtico, de ſchal binnen achte daghen dar na.. denſulven in ere ſcole ut unde in wieſen. Dade des der ſcolaſticus nicht oder nemen(niemand) van ſyme ghebode, ſo ſchall dat dun uſer elteſten Heren en, von uſeme Capitel. Urk. v. J. 1342 bei Götze.