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1281 geſchehene Stiftung der Nikolaiſchule unſtatthaft; ſodann enthält die erſtere als Synodal⸗ ſtatut, wie gewöhnlich, die Wiederholung und Einſchärfung früherer Synodalbeſtimmungen und läßt keinen Schluß auf beſondere Verhältniſſe zu; die andere aber, welche gar nichts über die Schulen ſagt, iſt als Ordinatio capit. Hamburg. de disciplina chori grade der Gegen⸗ beweis vom Zerfall und rügt mit Strenge die Nachläſſigkeit mancher bereits mit Pfründen bedachten, meiſt noch nicht geweihter junger adeliger Kanoniker, die ihrer Pflicht, im Chor zu erſcheinen, nicht regelmäßig nachkamen. 8
Noch weniger aber haben jene Bemühungen der ſtädtiſchen Bürger für Errichtung von Schulen einen antikirchlichen Charakter. Denn grade in jener Zeit, in welcher das Bürgerthum ſich ausgebildet, hatte ſich auch der chriſtliche und germaniſche Geiſt zur ſchönſten Einheit verbunden.„Es war eine Freude an der chriſtlichen Kirche und an deren innerer und äußerer Herrlichkeit und eine Befriedigung durch die Gaben derſelben ſo allgemein, wie ſie ſeitdem nicht wieder geweſen iſt, und ſo ſtark, daß ſelbſt die Kämpfe der Kaiſer und der Päbſte länger als zwei Jahrhunderte dieſem höchſten geiſtigen Wohlgefühle nichts anhaben konnten ¹35)“. Darum wurden auch die neuen Stadtſchulen nicht von der Kirche getrennt, ſondern ſtets mit einer Pfarrkirche verbunden, deren Namen ſie tragen; die Lehrer ſind in der erſten Zeit ausſchließlich Geiſtliche, die unter der Aufſicht des Biſchofes reſp. des parochus loci s. ecclesiae ſtanden. Und als ſpäter auch Laien als Lehrer thätig waren, ver⸗ blieben Schulen, Schüler und Lehrer in innigem Verband mit der Kirche. Geiſtliche und weltliche Behörden wirkten in dieſer Beziehung in Eintracht.„Wy deken(Dekan) vnde dat gantze capitel thu ſtendal vnde wy radmanne derſuluen ſtad... bekennen, dat wy dorch merunghe wille gotesdinſtes ouer eyn ſyn ghetraghen, dat in des hilghen Lichnames daghe, wan men dar thu ludet mit der groten clokke, ſcolen kommen alle papſchap(Geiſtlichkeit) vnde ſcolere van beyden ſcolen vnde ſinghen dar none vnde maken eyne erlyke(herrliche) proceſſion vor dem hilghen lichnam vnſes liven heren iheſu criſti. Ok ſcal man ſinghen alle vrydaghen auende vesper vp den orghelen med der antiphona„ſalue regina“ vnde alle ſonnauende(Samſtage) miſſe vppe den orghelen vor dem hilghen lichnam: vnde wy radmanne willen, dat de ſcolemeyſtere dy ſcolere von eyner locaten(Klaſſe) med deme gheſellen, der dy locate vorſteyt, darthu ſcole ſenden. Ok ſcal men ſinghen alle daghe in dem advente des morghens fru dy miſſe„Rorate celi“ med der ſequentien„mittit ad virginem ¹35).“ So ſprach der Rath der Stadt Stendal i. J. 1390 trotz mehrjährigem Streit mit dem Domſtift wegen der Schulen und trotz der erlittenen kirchlichen Strafen. Aehnliche Beſtimmungen über das Verhältniß der Schule zur Kirche finden ſich von Breslau 1¹37), Landau 138), Königsberg i. P. ¹34), Brandenburg 11⁰) und ſogar in der Schulordnung Stuttgarts v. J. 1501 ¹¹¹).
135) Vilmar, Literaturgeſch. 10. Aufl. S. 39.
136) Götze, Geſch. des Gymnaſ. zu Stendal. Progr. v. 1865. Urk. v. J. 1390. No. VII.
137) Schönborn, II. Beitrag zur Geſch. der Schule u. des Gymn. St. Magdalena in Breslau. Progr. v. J. 1844. S. 44.
138) Hier wurde laut Urk. v. J. 1432 der Schulmeiſter zum Gehorſam gegen den Rath und hinſichtlich des Gottesdienſtes zur Unterthänigkeit gegen die Kloſterherren, denen die Seelſorge oblag, beſonders verpflichtet. Lehmann a. a. O.
139)„Addicimus eciam, quod in festivitatibus et quando alios necesse foret, viginti sex scolares pro divinis officiis decantandis ecclesiam parochialem antiquae civitatis nostrae frequentare debeant.“ Urk. v. J. 1333 bei Möller a. a. O. Wenn der Biſchof in Perſon den Gottesdienſt im Dom hielt, mußten die Schüler der drei Städte demſelben beiwohnen, doch ſo, daß die nöthige Anzahl zurückblieb, um in den Pfarrkirchen den Gottesdienſt würdig halten zu können.
140) Heydler a. a. O. S. 16.
141) Pfaff, Geſch. der Stadt Stuttgart. 1845. S. 363„


