Aufsatz 
Die deutschen Stadtschulen und der Schulstreit im Mittelalter : Ein Beitrag zur Schulgeschichte des Mittelalters / von Meister
Entstehung
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entſchieden, daß ihm das Oberaufſichtsrecht über die neue Schule und die Einſetzung des präſentierten Schulmeiſters eben ſo, wie über die Domſchule zuſtehe 127)). In Poſen geſtattete der Biſchof die Errichtung der Magdalenenſchule i. J. 1303 am Neumarkt, einem neuen Stadttheile ¹²⁸). In Königsberg i. Pr. war die Veranlaſſung zur Gründung einer Stadtſchule durch die Verlegung der 1304 gegründeten Domſchule nach dem auf der Inſel Kneiphof neu erbauten Dom gegeben. Zwar hatte ſich das Domkapitel von dem Herzog Luther von Braunſchweig, dem Großmeiſter des deutſchen Ordens, Stifter und Patron, das Recht der Ausſchließlichkeit für die verlegte Domſchule erwirkt 12), und der Biſchof Johannis die Errichtung neuer Schulen ohne beſondere Erlaubniß unter Androhung kirchlicher Strafen unterſagt ¹30); aber die nunmehr benachtheiligten Altſtädter behaupteten ihr herkömmliches Recht auf eine Schule, und auf die Einſprache des Domkapitels gegen die in der Altſtadt nunmehr wieder eröffnete Schule entſchied der Großmeiſter, um beide Theile zu befriedigen, daß die Altſtadt ihre Schule behalten, die ganze Stadt aber in zwei Theile getheilt werden, die Kinder des einen Theils die Domſchule, die des andern die alte Schule beſuchen und von zwei zu zwei Jahren wechſeln ſollten ¹3¹). Nur in Braunſchweig ſcheinen, wenn Rehtmeyers Angaben ¹³²) wahrheitsgetreu ſind, im fünfzehnten Jahrhundert gegründete Beſchwerden gegen die drei vorhandenen Stifts⸗ ſchulen vorgelegen zu haben, durch welche bewogen Papſt Johannes XXIII. auf Bitten der Bürger die Erlaubniß zur Errichtung von zwei Kirchſpielſchulen St. Martin und St. Katharina ertheilte 1337). Doch auch hier iſt ſogar aus Rehtmeyers Darſtellung ein lokales Bedürfniß für die neuen Schulen deutlich zu erkennen, wenn er ſagt:In denſelben(Schulen) wurden die Kinder, die ohnedieß wegen der Entlegenheit und oft ſtrengen Kälte nicht alle dahin kommen konnten, übel gehalten, geſchlagen u. ſ. w. Wahrſcheinlich gefiel den Eltern die wohl wegen öfterer Verſäumniß eingetretene Züchtigung der Kinder wenig. Zwar wußten die Stifter St. Blaſius, St. Cyriakus und die Mönche von St. Aegidius unter den damaligen kirchlichen Wirren die Erlaubniß des Pabſtes rückgängig zu machen; aber Martin V., der Nachfolger des zu Koſtnitz abgeſetzten Johannnes XXIII. verhalf den Bürgern zu dem gewünſchten Ziele 134). Was aber die von Meyer a. a. O. als Beweis für den Verfall der Domſchule und des Domkapitels daſelbſt angeführten zwei Urkunden v. J. 1329 und 1334 (No. 6 u. 7 bei Meyer) betrifft, ſo iſt die anachroniſtiſche Anwendung derſelben auf die ſchon

127) Scolasticus Hamb. dictas novas scolas tenebit et possidebit in sua custodia eo jure, quo scolas apud s. Mariam tenuisse dinoscitur et magistrum instituet.

128) Schweminski a. a. O.

129) Iisdem(canonicis) conferimus et donamus jus conferendi scolas bonae opinionis viro literato in artibus et morigerato ambarum civitatum nostrarum, antiquae Kongesberg et Pregormunde, quarum pueri easdem scolas et non alias frequentare debebunt. Möller a. a. O. Urk. des Herzogs v. J. 1333 an den Biſchof und das Domcapitel von Samland.

130) Ne quis alibi circa ecclesias, capellas aut etiam in preurbiis seu limitibus civitatis predicte scolas erigere vel de novo instaurare aut in iis, si quae factae fuerint, docere pueros et scolares audeat. Urf. d. Biſchofs Johannes v. J. 1337, bei Gebſer, Geſch. der Domkirche zu Königsb. i. Pr. 1835. S. 92. Möller a. a. O. S. 4.

131) Urk. v. J. 1339 aus dem Handveſtenbuch des Bisthums Samland abgedruckt bei Gebſer u. Möller.

132) Kirchenhiſtorie der Stadt Braunſchweig. 1707, I, III. S. 282 f.

133) Urk. des Pabſtes Johannes XXIII. v. J. 1415 bei Rehtmeyer.

134) Urk. des Pabſtes Martin V. v. J. 1418 daſelbſt.