Aufsatz 
Die deutschen Stadtschulen und der Schulstreit im Mittelalter : Ein Beitrag zur Schulgeschichte des Mittelalters / von Meister
Entstehung
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aus Toul an den Biſchof von Lübeck gerichteten Urkunde v. J. 1253 geſtattet, weil die Pfarr⸗ kirche am Markt zu weit von dem Dom entlegen und der Weg dahin ſchlüpfrig, ſteil und beſchwerlich war 122). In Breslau wurde i. J. 1267 die Erlaubniß zur Errichtung der Schule bei der Pfarrkirche St. Magdalena von dem gerade anweſenden Kardinal Guido auf Bitten der Bürger gegeben, weil die Domſchule außerhalb der Stadt lag, und der Weg dahin über zwei Oder⸗Arme führte und für die Kinder beſchwer⸗ lich war ¹2²). Auch die in den folgenden Jahren 1290, 1243 und 1295 u. f. in Breslau, wo ſich das Stadtſchulweſen in erfreulichſter Weiſe und in ſchönſter Harmonie mit der geiſt⸗ lichen Behörde entwickelte, gegründeten und im fünfzehnten Jahrhundert bis auf acht vermehrten Stadtſchulen waren lediglich die Folge der Populationsvermehrung.

In dieſelbe Zeit, wie die Magdalenenſchule in Breslau, fällt die Gründung der Stadt⸗ ſchule in Helmſtädt, wo ſchon ſeit dem achten Jahrhundert die Benediktiner⸗Abtei St. Lutgeri nebſt Schule beſtand. Schon unter Abt Gerhard(1228 52) hatte Helmſtädt, welches alle Entwicklungsſtufen von der einfachen Kloſter⸗Anſiedelung bis zur anſehnlichen Stadt durchlief Stadtrechte erhalten und war beſonders nach ſeiner Zerſtörung durch Erzbiſchof Ludolf von Magdeburg im Kriege zwiſchen Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunſchweig durch den Zuzug aus vielen benachbarten Dörfern, raſch emporgeblüht, ſo daß die Abteiſchule, die überdieß außerhalb der Stadt lag 123), nicht mehr genügte. Da faßte der Rath 1253 den Entſchluß, eine neue Schule zu errichten, wozu er die Erlaubniß von dem Domcapitel zu Halberſtadt erbat und erhielt. Den Patronat über die neue Schule nahm aber der Abt in Anſpruch, und es entſpann ſich mit ihm ein Streit, der ſchließlich mit der Uebertragung des Kollationsrechtes an den Rath durch den Abt Albero, Grafen von Teck⸗ nenburgh i. J. 1267 ſein Ende fand 125). In Hamburg wurde die Gründung der Nikolai⸗ ſchule i. J. 1281 durch das raſche Aufblühen der Neuſtadt veranlaßt und von dem Erzbiſchof Gieſelbert von Bremen und Pabſt Martin IV. bereitwilligſt zugeſtanden; die Er⸗ nennung des Schulmeiſters und deſſen Abſetzung den Kirchſpielsgeſchwornen(es war alſo eine Pfarrſchule) mediante consilio et auxilio seniorum et discretorum vivorum parochiae s. Nicolai vom Pabſt übertragen 126). Der wegen des Oberaufſichtsrechtes entſtandene Streit mit dem Domſcholaſtikus wurde nach acht Jahren dahin durch die Vermittlung des Erzbiſchofes

122) Cod. dipl. Lub. I, Urk. No. 180 v. J. 1253:cum propter viam lubricam et prolixam ad scholas majoris eccl. pueris difficilis sit accessus; und in der Urk. No. 261 v. J. 1262:obtenta libera facultate scolas constituendi apud ecclesiam S. Jacobi Pro parvulis ibidem informandis ab ecclesia majore longe distantibus.

123) Reiche a. a. O. Ruhkopf a. a. O. S. 87.

124) Urk. des Domſcholaſters und Stiftsprobſtes Walbeck Volrat von Kranichfeld v. J. 1253: ad rationa- bilem petitionem et instantiam burgensium in Helmstad mihi exponentes negligentiam et pericula filiis suis extra civitatem imminentem, pro honestate etiam ecclesiae forensis(Stephanskirche) ut scolas haberent. indulsi. Knoch, Geſch. des Schulweſens zu Helmſtädt. I. Braunſchw. 1860, wo die Jahreszahl der Urk. 1208 ein Druckfehler zu ſein ſcheint.

125) Cum questio verteretur inter nos et dilectos burgenses nostros in Helmstad, nos inolinati precibus eorum de collatione scolarum eo jure et modo, quo nos invenimus a nostris antecessoribus et sub nobis, sic nos permisimus permanere. Urk. v. J. 1267. bei Knoch a. a. O. I.

126) Unde nos precibus humilibus et devotis et precipue justis aures obserrare non audemus, eisdem predictis civibus parochiae s. Nicolai ibidem scolas artis gramm. libere habere licenciamus. Urk. Martins IV. v. 7. Juli 1281. Aus dem Hamb. Urkb. p. 652. No. 799 abgedruckt bei Meyer a. a. O. No. 3.